Erfahrungen in Vietnam im Frühjahr 2011

Mein Mann, das Fotomodell, und andere Kuriositäten

17.06.11

Vieles war fremd, aber deutlich weniger fremd und „abenteuerlich“, als es sich vorher anhörte. Mittlerweile gibt es überall eine (fast schon zu) gute touristische Infrastruktur. Mit Englisch kommt man in den Städten sehr gut zurecht.

Und teilweise auch mit Deutsch – unsere Guides sprachen alle Deutsch. Weil sie zu „Ossi-Zeiten“ eine Ausbildung in der DDR genossen hatten. Wir haben durchgängig in Super-Hotels gewohnt, teilweise in wunderbaren kleinen Häusern, direkt am Wasser gelegen. Die Autos, mit denen wir kutschiert wurden, waren Neufahrzeuge mit allem „Schnick“, vor allem mit Klima-Anlage. Unsere Fahrer fuhren sicher und konzentriert - wollten während der Fahrt nicht mal Kekse essen – aber bei dem bunten Verkehr war das auch nötig! Und von unseren Guides haben wir viel gelernt, und auch sehr viel Spaß mit Ihnen gehabt. Die beiden Inlandsflüge funktionierten problemlos und das (meinige!) ständige Übergepäck hat erstaunlicherweise nirgendwo Probleme bereitet – dank der Hilfe der Guides. Also – die Rahmenbedingungen waren klasse. Etwas schwierig waren die rechnerischen Umrechungsübungen mit den Landeswährungen (man hatte immer große Summen oder viele dicke Scheinpakete…) – aber eigentlich wurde in beiden Ländern in Dollar gehandelt. Man konnte überall (selbst an der Garküche) mit Dollar bezahlen, bekam meistens sogar Dollar-Wechselgeld, allerdings keine Münzen.

Bratreis, Pho und Limettensaft

An das regionale Essen haben wir uns sehr schnell gewöhnt – meistens gab es morgens schon zum Frühstück Bratreis und gedünstetes Gemüse. Ein Rührei schmeckte uns gar nicht mehr. Wir haben uns allerdings nicht getraut, bei den vielen, verführerisch durftenden Garküchen zu essen; weniger des Essens wegen – was „durchs Feuer oder Fett gegangen ist“, ist ja für den Magen eher ungefährlich. Aber das Geschirr sah nicht immer so sauber aus. Deshalb haben wir überlegt, dass wir auf die nächste Reise in ein „Abenteuerland“ eine kleine Schale und Besteck mitnehmen. Dann sind wir diesbezüglich autark. Köstlich war auch der grüne Tee und das regionale Bier war richtig erfrischend. Besonders gemocht haben wir die mittägliche frische Suppe, die Pho. Es gab richtige Suppenrestaurants, in denen man die Zusammen-stellung der Zutaten auswählen konnte: Basis war eine Fleischbrühe, die u.a. mit Ingwer und Knoblauch gewürzt wurde, in diese fertige Brühe wurden dann Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchte nach Wahl gelegt, dazu kamen Reisnudeln, Gemüse und viele frische Kräuter, gewürzt wurde mit Salz, Chilli und Limettensaft. Lecker.

Mein Mann, das Fotomodell

Besonders hervorzuheben ist auch in diesem Land, dass mein Mann mal wieder die wohl meist-fotografierte Person der Reise war. Genau wie bereits in Indien und in Usbekistan wurde er immer wieder aufgefordert, als Fotomodell zur Verfügung zu stehen: entweder allein auf einem Bild, meistens aber mit mindestens einer anderen Person oder am besten mit einer ganzen Gruppe von Leuten. Eine typische Situation war: Wir gehen irgendwo entlang, z.B. an einem Flußufer. Auf der Ufermauer sitzen Jugendliche und „chillen“. Wir gehen vorbei und hören und sehen sie lachen, auf uns zeigen, verlegen kichern. Wir lachen zurück. Und dann traut sich eine Person aus der Gruppe, kommt mit einem Handy auf meinen Mann zu und bittet ihn (meistens mit gutem Englisch) um ein Foto. Und dann stellt sich besagte Person neben ihm auf und man fotografiert beide mit dem Handy. Und flugs – stehen die Leute der Gruppe nacheinander in einer Reihe und wollen auch mal… Großes Dankeschön und Riesengelächter am Schluss! Unsere Guides meinten – auf unsere Frage, warum das so sei - dass er eine besonders offene und freundliche Ausstrahlung hätte, ganz anderes, als die meisten anderen Europäer, die persönlich zurückhaltender „rüberkämen“. Und außerdem – das haben wir aber selbst spekuliert: mein Mann hat jetzt eine rotgoldene Hautfarbe, einen rundlichen Kopf mit der prägnanten Nase, die wenigen Haare auf 1 mm rasiert und ein ständiges Lächeln. Das Bäuchlein erwähnen wir nur am Rande. Und wenn man sich die verschiedenen Buddha-Statuen ansieht, gibt es da auch einen der „friendly“ oder „laughing“ genannt wird. Ähnlichkeiten sind nur rein zufällig… J

Mundschutz, Minis und Motorradhelme

Die Menschen in den Städten sind westlich gekleidet, die jungen Mädels richtig „scharf“. Highheels, enge Jeans, knackige Oberteile, Jackie-O.-Sonnenbrillen und Glitzis wo immer was hinpasst. Allerdings tragen die meisten von ihnen auch einen Mundschutz. Den kennt man als einfaches weißes Modell aus unseren Kliniken oder auch aus den Berichten über die Vogelgrippe in Asien. Wir haben die Mode-Varianten davon gesehen: in allen Farben, bemalt, bestickt, mit Glitzer – alles was man sich denken kann.

Richtig schick sind auch die Moped-Helme. Erst seit kurzem gibt es eine Helmpflicht, um die Todesrate bei Unfällen zu reduzieren. Und das sind nicht so einfache „Dinger“ wie bei uns. Auch die gibt es in allen Farben und mit allen denkbaren Dekos. Allerdings scheinen sie deutlich weniger auszuhalten, als die Helme, die bei uns zu tragen sind. Die Jungs treten cool auf – mit Motorradjacken und ebenfalls mit großen Sonnenbrillen. Der Gang ist gern mal „John-Wayne-mäßig“.

Man hat aber auch überall die klassischen Vietnam-Strohhüte gesehen – die sind einfach praktisch und zu allem Möglichen nützlich – zur Not auch als Transportmittel. Auf dem Land geht es natürlich kleidungsmäßig traditioneller zu. Aber auch hier gibt es Jeans und überall T-Shirts.

Spaghetti auf vietnamesisch und fernsehen ohne Strom

Hingucker in allen Städten sind die „vietnamesischen Spaghetti“ - die Stromleitungen. Alles wird auf den Außenwänden und quer über die Straßen geführt und ist derartig verheddert – aber die Stromversorgung funktioniert, wo es denn Strom gibt. Es gibt allerdings auch Regionen auf dem Land, in denen es keine Stromleitung gibt. Oftmals sind zwar Telefonleitungen verlegt, aber kein Strom. Und es gibt sehr ländliche Regionen „ohne alles“. Was aber überall funktioniert sind Handys und Fernseher. Selbst in den entlegensten Gegenden gibt es Antennen auf den Stroh- bzw. Holzhütten oder sogar „Schüsseln“! Ohne Strom??? Ja, mit Autobatterien betrieben. Die cleveren Japaner haben Fernseher gebaut, die über eine solche Batterie laufen. Die Batterie hält (für ein bisschen Licht und das Fernsehen sowie die Ladestation für das Handy) ca. 3 Tage, dann wird sie von einem speziellen Lieferservice (der mit Moped und Hänger kommt) gegen eine geladene ausgetauscht. In den größeren Dörfern gibt es dann entweder Stromanschluss oder Generatoren. Weitere Stromfresser, wie z. B. Kühlschränke werden nicht benötigt – man verbraucht alles taggleich oder macht Lebensmittel haltbar (salzen, trocknen etc.). Man muss sich eben nur zu helfen wissen.

Apropos haltbarmachen – überall in den Dörfern haben wir Lebensmittel zum Trocknen liegen sehen. Entlang der Straßen – auf dem Randstreifen, würden wir bei uns sagen - wurde fein gefegt und dann der Reis circa 2 cm dick und auf einer Länge von mehreren 100 Metern zum Trocknen ausgelegt. Vor den Häusern lagern dann Nüsse auf Tüchern, oder Brennholz oder Reisstroh oder Obst – alles wurde getrocknet. Etwas derb rochen die zum Trocknen ausgelegten Fische.

Überlebensregel im Verkehr

Das größte Abenteuer des Urlaubs bestand zunächst darin, über die Straßen zu kommen. Die üblichen Gefährte sind Mopeds bzw. Vespas und Fahrräder (beladen mit allem möglichen, mit und ohne Anhänger) und eine stattliche Anzahl von meistens großen Autos. Die fahren alle durcheinander und hupen wie verrückt, allerdings relativ langsam – so mit ca. 40 km/h – trotzdem - es war kein System erkennbar. Es gibt zwar Verkehrsregeln, aber es gibt auch die „erste Grundlebensregel“, die lautet: „Darf man nicht, kann man aber“! Und so funktioniert auch der Verkehr. Es hat keinen Zweck am Straßenrand zu warten, bis die Straße frei ist, man muss durch das Gewimmel, d. h. einfach langsam (!) auf die Straße gehen und langsam (!) weiter gehen – wichtig ist langsam (!), denn die diversen Verkehrsteilnehmer fahren dann hinter dem Fußgänger her und vorbei. Wenn man zu schnell geht, können die nicht mehr reagieren. Das kostet zunächst heftige Überwindung; der Fluchtreflex muss bewusst ausgeschaltet werden. Aber dann funktioniert es problemlos. Wir haben verhältnismäßig wenig Unfälle gesehen. Man achtet wohl deutlich mehr aufeinander.

Alternatives Tanken

Interessant ist auch das „Tankstellen-Wesen“. Neben den normalen Tankstellen, die genauso aussehen, wie bei uns, gibt es eine Alternative, die vor allem auf dem Land auffällt. Am Straßenrand stehen häufiger Stände mit Flaschen unterschiedlicher Größe – ungefähr von ½ l bis zu 10 l. Alle Flaschen sind mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt, von denen wir annahmen, es sei Speiseöl oder ähnliches. Nein, es ist Benzingemisch für die Mopeds. Und wird dort in kleinen Einheiten, deutlich günstiger als an der Tankstelle, verkauft. Und zwar steuerfrei! Darf man nicht, aber kann man!!! Das weiß bestimmt auch die Polizei, dass dort kein Eistee verkauft wird.

Kuriose Lasten

Das Transportwesen ist ebenfalls erwähnenswert – an Land wird das meiste auf den Mopeds mit oder ohne Hänger transportiert: Unmengen an Körben, Getreide bis 2 m hoch um den Fahrer herum drapiert, mindestens zwei Erwachsene und zwei bis drei Kinder, es können aber auch mehr sein, Hühner in Kisten, Hühner an den Beinen zusammengebunden und aufgehängt, bis zu zwei Schweine (liegend auf einem Spezialbrett festgeschnallt) und und und …

Vor allem werden Tiere hin und her gefahren. Da es oftmals keine Kühlung gibt, und die Tiere unmittelbar vor dem Verzehr geschlachtet werden müssen, ergibt sich das von selbst. Bereits geschlachtete Tiere erzielen keinen vernünftigen Preis mehr, es sei denn, das Fleisch wird portioniert auf den vielen Märkten verkauft.

Auf Krach folgt Flußromantik

Auf den Flüssen gibt es viele unterschiedliche und verschieden große Boote, die aber fast alle mit einem besonderen Außenbord-Motor angetrieben werden. An einer sehr langen Achse hängt ein kleiner Propeller, der als Antrieb aber auch als Steuerinstrument dient. Das Ganze wirkt eher zierlich, scheint aber effektiv zu sein und macht einen Mordskrach!
Ein Abend am Flussufer ist deshalb erst dann idyllisch, wenn der Hauptverkehr zur Ruhe gekommen ist.
Daneben sind Ruderboote unterwegs, die oft mit den Füßen gerudert werden.
Das kann man nicht beschreiben, sondern muss es sehen …

Dieser Reisebericht wurde von Andrea Iris D. aus Duisburg zur Verfügung gestellt

Individualreise mit ARTEARTE
im Februar 2011 nach Vietnam und Kambodscha


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