Faszination Andenhochland

Rundreise durch Ecuador auf der Straße der Vulkane

01.08.11

Sie bringen einen ins Staunen, die Anden. Da stehe ich vor dem höchsten Berg Ecuadors, dem 6.310 m hohen Chimborazo und denke, so hoch ist der ja gar nicht. Nur einen Moment hatte ich vergessen, dass ich mich schon auf fast 4.000 m Höhe befinde.

Marco Cruz, die Bergsteiger-Legende Südamerikas

Unser sogenanntes „Basislager“, die „Estrella del Chimborazo“, ist eine ansehnliche „Hütte“ mit sensationellem Blick auf den Chimborazo. Ein uriger Speiseraum mit großem Panoramafenster, eine kleine Bar und ein mächtiger, offener Kamin zeugen von der heimeligen Atmosphäre dieser Herberge. In zwei Nachbarhäusern kann man komfortabel übernachten. In der Nähe weiden Alpakas und der Hund des Hauses begrüßt mich freundlich.

Diese Idylle hat Marco Cruz geschaffen. Er, die Bergsteiger-Legende Südamerikas, hat allein den Chimborazo über 50 Mal in seinem Leben bestiegen. Davon, und von anderen Bestei-gungen der Gipfel dieser Welt, zeugen die Erinnerungsstücke, mit denen die Wände dekoriert sind. Leider kommen wir unangemeldet, und so ist nur sein freundliches Personal anwesend. Beim nächsten Mal wollen wir uns aber sicher treffen, denn er weiß spannend zu erzählen, und dies sogar auf Deutsch.

Hier an diesem fantastischen Ort zumindest einen Lunch-Stopp einzulegen, ist ein Muss, wenn man den Chimborazo von Riobamba aus umrundet. Der höchste Parkplatz befindet sich auf 4.700 m, und von dort kann man mit etwas Zeit und viel Ruhe zu Fuß auf 5.000 m steigen. Ein großartiges Erlebnis an diesem Berg, der wie ein Solitär aus den Höhenzügen der Anden ragt.

Auf der Traumstraße der Welt, der Panamericana

Sie ist eine der bekanntesten Straßen der Welt, die Panamericana. Und sie verläuft, sehr oft auch recht spektakulär, von Alaska bis Feuerland. In Ecuador ist sie Teil der von Alexander von Humboldt so benannten „Avenida del Volcanoes“, der Straße der Vulkane. Diese verläuft in einem Hochtal von 1.800 bis 3.200 Metern, ist fast 500 km lang und 20 bis 30 km breit.

Die beste Jahreszeit, um sie zu bereisen, sind die Monate Juli und August, da sich dann die Vulkane nicht in Wolken oder Nebel hüllen. Und so eröffnet sich uns ein gewaltiges Panorama, die grandiosen Bergketten rechts und links, eindrucksvolle, teils schneebedeckte Gipfel der einzelnen Vulkane und unglaublich weite und tiefe Seitentäler, die in einem Fall sogar den Blick bis zum weit entfernten Pazifik freigeben. Alles scheint uns in den Anden größer und weiter zu sein als wir es z. B. aus den Alpen kennen.

Zehn Minuten Zeit zum Evakuieren

Die Menschen leben damit, dass elf Vulkane im Land aktiv und trotz dauernder Beobachtung dennoch unberechenbar sind. Der 5023 m hohe Tunguraho, an dessen Fuß das hübsche, aber direkt gefährdete Städtchen Baños mit seinen Thermalquellen liegt, hatte seinen letzten größeren Ausbruch 2006 und war gerade noch im Mai 2011 aktiv.

Auch jetzt, sechs Wochen später, sieht man noch die Spuren von Erdrutschen und gesperrte Straßen. Gerne hätten wir in der ehemaligen, 300 Jahre alten Jesuiten Missionsstation übernachtet – denn heute ist sie eine großzügige und komfortable Hotelanlage mit eigenem Thermalbad, das „Samari Spa & Resort“ – aber solange es keine Entwarnung gibt, haben alle Bewohner von Baños nur zehn Minuten Zeit sich bei einem eventuellen Ausbruch des Tungurahos in Sicherheit zu bringen.

Das will man den Gästen nicht zumuten, zumal es außerhalb von Baños eine gute Alternative gibt: die Hacienda Leito, mit herrlichem Blick auf den mächtigen und großartigen Tunguraho.

So probieren wir im Samari Resort nur das großzügige Spa aus und speisen in dem hervor-ragenden Restaurant.

Schweine und Kaffee – frisch geröstet!

Unterwegs in den Anden gibt es in einigen Dörfern immer wieder herrlich bunte Indio Märkte. Quirlig geht es dort zu, das Angebot an Früchten und Gemüse ist vielfältig. Farbenfroh die Trachten der Indio Frauen und bei ihnen obligatorisch der Typ Hut, den in Europa meistens Herren tragen.

Großes Staunen bei uns, als wir den Preis für die wunderbaren, großen Ecuador Rosen erfahren: 0,25 USD das Stück. Nun, wir haben in der Nähe von Quito die riesigen Treibhäuser gesehen, wo die Rosen für den Export angebaut werden.

In den Dörfern sehen wir immer wieder kleine Läden vor denen draußen ein komplettes Schwein hängt – frisch geröstet –, das dann stückweise verkauft wird.
Die Spezialität der Einheimischen und traditionelle Speise an hohen Fest- und Feiertagen, das „geröstete Meerschweinchen“, findet man hingegen nur in wenigen Geschäften. Dieser Genuss ist für dortige Verhältnisse relativ teuer – im Straßenverkauf zahlt man für ein zubereitetes Meerschweinchen etwa 20 USD.

Und dann gibt es, vor allen Dingen in den Städten, die kleinen Kaffeeröstereien. Obwohl ich keinen Kaffee trinke, hat mich der Geruch von frischem Kaffee sehr begeistert. Er ist für seinen fruchtigen, leicht scharfen Süßholz- und Lakritz-Geschmack bekannt. Frisch geröstet wird er verkauft, mit Schütten und aus Behältern, wie sie vor 100 Jahren bei uns üblich waren. Er duftet herrlich, und zurück Zuhause ist unser Koffer noch immer voll des Aromas.

Modern Talking, DJ Bobo und der Wasserabfluss

Der 5.897 m hohe Vulkan Cotopaxi liegt der Hauptstadt Quito am nächsten. Ein großer Nationalpark umgibt ihn. Auch hier kann der ungeübte Wanderer die 5.000 m Marke erreichen.

Quito fällt zunächst einmal dadurch auf, dass es sich über viele Hänge erstreckt, ein Durcheinander an hochmodernen und alten Quartieren. Slums, wie in anderen Metropolen Südamerikas, gibt es in diesem Sinne nicht. Denn obwohl Quito praktisch auf dem Äquator liegt, wird es wegen der Höhe zum Teil empfindlich kalt und macht somit ein Leben in Wellblechhütten unmöglich.

Ganz zentral, im historischen Zentrum, liegt das wunderschöne Boutique Hotel „Plaza Grande“. Da die gesamte Altstadt UNESCO Weltkulturerbe ist, gehört dieses Hotel zu Recht auch dazu. Es macht Spaß durch die engen, schachbrettartig angelegten Straßen zu bummeln. Viele kleine Geschäfte laden zum Verweilen und Schauen ein.

Touristen aus Europa sind in Quito offenbar selten, aber unser Kellner im Feinschmecker Restaurant mit dem bezeichnenden Namen „Mea Culpa“ will uns mit seinen Kenntnissen über Deutschland und die Schweiz beeindrucken. Er offenbart uns, dass er ein glühender Verehrer der deutschen Band „Modern Talking“ sei. Zur Schweiz fällt ihm dann alsbald noch DJ Bobo ein, ob er ihn ebenfalls verehrt, erfahren wir allerdings nicht mehr.

Ob der Äquator nun genau an der Stelle verläuft, an der er am Rande von Quito innerhalb eines Äquator Freilichtmuseums auf dem Boden aufgemalt ist, ist heftig umstritten. Der Streit ist uns egal, uns beeindruckt mehr, gleichzeitig auf der Nord- und Südhalbkugel dieser Welt zu stehen. Ebenfalls faszinieren uns die angebotenen physikalischen Vorführungen zur Gravität und hier besonders das berühmte „Wasserabfluss-Experiment“. Gehört habe ich davon, glauben kann ich es erst jetzt, wo ich es sehe: Je nachdem, ob sich der Abfluss im Norden oder im Süden befindet, läuft das Wasser entweder links oder rechts herum ab. Und es funktioniert schon, wenn sich der Abfluss nur 1 bis 2 m vom Äquatorstrich entfernt befindet.

Eine Woche Festland Ecuador: Eine spannende, wegen der Höhe aber auch anstrengende Reise mit schöner Kolonialarchitektur in Cuenca und Quito, mit grandiosen Landschaften und atemberaubenden Vulkanen, mit bunten Märkten und kleinen Geschäften entlang der Traumstraße der Welt, und mit zurückhaltend freundlichen und sehr liebenswerten Menschen – ein faszinierendes Erlebnis in den Anden!

Reisebericht von www.arte-reisen.de



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