Kurztrip nach Thüringen

Auf den Spuren Luthers in Erfurt und Eisenach

05.08.11

Als ich mich vor wenigen Wochen nach Thüringen aufmachte, um ein Wochenende in Erfurt zu verbringen, rechnete ich mit Vielem, nicht aber mit so einem spannenden Wochenende voller Sonne und mittelalterlicher Geschichte.

In Erfurt selbst waren wir Teil einer Reisegruppe. Unsere Reiseleiterin schien besorgt um uns. Sie fragte mehrfach, ob wir uns auch nicht langweilen würden und freute sich, dass wir den Altersdurchschnitt der Gruppe auf „so charmante Art senken würden“. Sie konnte ja schlecht wissen, dass wir uns sogar freiwillig noch mehr Geschichte antaten…

Luthers Wartburg

Mit dem Auto fuhren wir zunächst Richtung Eisenach und bis zur ehemaligen deutsch-deutschen Grenze kamen wir auch gut voran. Doch dann waren wir plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes „lost in Ost“. Die nagelneuen Autobahnen um Erfurt herum waren unserem Navi vollkommen unbekannt. Nach zahlreichen „In 20 Metern bitte links abbiegen!“ oder „Wenn möglich bitte wenden!“ (zur Erinnerung: wir waren auf einer Autobahn!) erreichten wir unser erstes Ziel für den Tag: die Wartburg. Schon als Kind wollte ich sie besuchen und nun stand ich endlich davor! Wir hatten sie uns majestätischer vorgestellt. Die Burg, auf der Martin Luther die Bibel übersetzte und die ihm als Zufluchtsort diente, war schon ein toller Anblick. Weiße Mauern mit Fachwerk, die alten Pflastersteine und die fantastische Aussicht auf das Umland machten den Besuch auf der Burg wirklich lohnenswert. Wenn Luther beim Übersetzen auch aus dem Fenster gucken konnte, so war er wirklich zu beneiden!
Im Jahr 2017 jährt sich die Reformation zum 500. Mal und Thüringen wird das „Lutherjahr 2017“ feiern. Sicherlich wird die Wartburg dadurch noch interessanter für Touristen und ein Ausflugs-Muss, wenn man in Thüringen unterwegs ist.
Nach einer Weile verabschiedeten wir uns fürs Erste von der Wartburg und vor allem von Martin Luther und fuhren gen Erfurt. Sie wissen schon, wenn möglich bitte wenden!

Ist Erfurt ein Dorf?

Unser Weg führte uns vorbei an Wäldern und Feldern und wir fragten uns, ob die thüringische Hauptstadt in Wirklichkeit ein Dorf ist. Wir erwarteten ein kleines, verschlafenes Städtchen auf dem Land…

Doch schon beim ersten Blick auf die Stadt mussten wir unsere Meinung revidieren. Wir checkten im 5*-Hotel „Pullman am Dom“ ein und nach kurzer Zeit zum Entspannen, ging das Erfurt-Programm los. Begrüßt wurden wir mit einem Orgel-Konzert in der Severi-Kirche. Eine wohlklingende Orgel, deren Töne man wirklich im ganzen Körper spüren konnte. Und noch etwas war zu spüren: die Aufgeregtheit der Erfurter, die sich auf den bevorstehenden Papstbesuch im September freuen. Wie sagen sie so schön? Vor 500 Jahren musste Luther nach Rom, nun kommt der Papst aus Rom zu uns. Schon jetzt ist er bereits allgegenwärtig. Sogar die Apotheken machen mit seinem Gesicht Werbung für „Klosterfrau Melissengeist“.

Anschließend wurden wir im Kaisersaal, einem wunderschönen, festlichen Tanzsaal aus dem 18. Jahrhundert, von Napoleon empfangen. Napoleon? War das nicht der kleine Franzose, der über halb Europa herrschte? Was macht denn der in Erfurt? Auch wir waren überrascht ihn hier zu treffen, aber bereits 1808 lud er zum Fürstenkongress und viele gekrönte Häupter folgten seiner Einladung. Er fühlte sich anscheinend wohl, blieb und empfängt noch heute Gäste im Kaisersaal zu Erfurt. Geschichte ist eben noch sehr lebendig in Erfurt! Naja, also Napoleon entpuppte sich dann hinterher als Mitglied einer Comedy-Truppe. Er brachte uns den Kaisersaal aber auf sehr unterhaltsame Art und Weise näher!

Flower Power im „egapark“

Am nächsten Morgen besuchten wir zunächst den „egapark“, die ehemalige Internationale Gartenbauausstellung der DDR aus dem Jahr 1961. Duftende und leuchtende Blumen lockten uns bei schönstem Sonnenschein auf die Wiesen und zu einer kleinen Abkühlung an die Springbrunnen. Während das Thermometer immer weiter in die Höhe kletterte, wanderten wir durch die Gewächshäuser des „egaparks“. Tropische Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, Schmetterlinge, exotische Pflanzen, freilaufende Leguane und Chill- äh Schildkröten weckten Dschungelcamp-Gefühle.
Übrigens möchte der egapark die Bundesgartenschau 2021 ausrichten. Sie sehen, Erfurter planen langfristig!

Anschließend begann unsere Stadtführung am Dom. Severikirche und Dom bilden ein beeindruckendes Ensemble und man kann sich nur zu gut vorstellen, wie die Domstufen die Kulisse für die alljährlichen DomStufen-Festspiele werden.
Auf unserem Weg durch die Altstadt stellten wir fest, wie pulsierend Erfurt ist. Überall tummelten sich Menschen in Straßencafés oder sonnten sich auf den Wiesen am Fluss. Und noch etwas stach ins Auge – überall liefen junge Menschen in Trachten durch die Stadt. Auf unsere verwunderte Frage was denn da los sei, erfuhren wir, dass das internationale Folklorefestival in Erfurt stattfindet. Trachtengruppen aus der ganzen Welt waren dem Ruf Thüringens gefolgt und präsentierten ihr Können auf zahlreichen Bühnen in der Stadt.

Unser Weg führte uns über die Krämerbrücke, auf der wir uns fühlten wie auf der Ponte Vecchio in Florenz. Besonders empfehlenswert ist es, hier einmal den „Krämerbrückentrüffel“ zu probieren!

Dann besuchten wir das Augustinerkloster, in dem Martin Luther Novize gewesen war. Im wunderschönen Kreuzgang und im Innenhof nahmen wir Kaffee und Kuchen zu uns und spazierten dann weiter zum nächsten Gotteshaus, diesmal einem jüdischen. Die älteste noch erhaltene Synagoge Europas wurde vor einiger Zeit in Erfurt wiederentdeckt und zu einem Museum umgebaut. Zwischendurch wurde sie sogar als Ballsaal und Lagerhaus genutzt. Heute lagert sie wieder etwas – den Erfurter Schatz. In nur wenigen Tagen fand man bei Bauarbeiten in der Nähe der Synagoge einen alten jüdischen Schatz von unermesslichem Wert.

Abends wanderten wir auf die Zitadelle Petersberg, die mächtige, steinerne Festung, die hoch über der Altstadt thront. Nach einem Abendessen in der alten Peterskirche unternahmen wir einen nächtlichen Ausflug in die mittelalterlichen Horchgänge, zum Teil 25 Meter unter der Zitadelle. Horchgänge dienten dazu, herauszuhören, ob der Feind die Burg untergräbt. War dies der Fall, wurde ebenfalls ein weiterer Gang untergraben.
In der Dunkelheit liefen wir durch die Gänge und fühlten uns beinah wie die Soldaten, die im 17. Jahrhundert die Festung bewachten.

Nach einem langen, anstrengenden Tag voller Geschichte ging unsere Reise nach Erfurt zu Ende. Natürlich fuhren wir nicht nach Hause, ohne noch eine Tüte Krämerbrückentrüffel gekauft zu haben…

Reisebericht von www.arte-reisen.de




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