Reiseziel Asien

Inspiration Südkorea

16.08.11

„Ist es mehr Japan oder mehr China, oder vielleicht eine Mischung von beidem?“ – Diese Frage geisterte mir vor meiner Abreise nach Seoul durch den Kopf. Nachdem ich zuvor beide Länder bereist hatte, müsste es schon ähnlich sein…

Von Kimchi, Bulgogi und oder gar dem seltsam klingenden Wort Dolharubang hatte ich zuvor noch nie gehört… Den ersten großen Unterschied stellte ich schon beim Packen des Koffers fest. Der Reisemonat Juli ist für eine Reise nach China oder Japan nicht der schlechteste.
In Südkorea „regiert“ zu dieser Zeit der Monsun. Da der Anlass der Reise geschäftlich war, konnte ich mir es also nicht aussuchen und packte vorsorglich schon einmal die Gummistiefel und den Regenponcho in den Koffer. Beinahe hätte ich davon auch Gebrauch machen müssen.

Doch die beiden Tage, die einer „Freiluftdusche“ glichen, fielen glücklicherweise auf den Messebesuch. In vieler Hinsicht wird die Metropole Seoul unterschätzt. Hier sind neben den Spuren aus über 600 Jahren koreanischer Geschichte auch Architektur, Kunst und Design sowie kulinarische Genüsse und Mode allgegenwärtig.

So überrascht es nicht, dass das sechstgrößte Museum der Welt in Seoul zu finden ist. Nicht nur architektonisch lässt das Koreanische Nationalmuseum seine Besucher staunen. Die Sammlung ist so umfangreich, dass man schon allein hier einen ganzen Tag verbringen könnte.

Erschlagen von Geschichte, Jahreszahlen, Gemälden und Skulpturen, fuhren wir in das Zentrum der Stadt. Zwischen der Hektik der umliegenden Büros und Hochhäuser versteckt sich das kleine Viertel Insa-dong. In einem der gemütlichen Teehäuser gönnten wir unserem Kopf zunächst eine Pause, bevor wir durch die charmanten Lädchen und Galerien bummelten. Hier findet man wirklich alles: angefangen von der traditionellen, antiquaren Schatztruhe bis hin zu zeitgenössischer, namhafter Malerei. Dazwischen singen koreanische Bonbon-Hersteller im Duett und schwingen ihre Zuckerschleifen durch die Lüfte, bis die süße Leckerei verkostet werden kann.

Neugierige Blicke und eine heiße Angelegenheit

So eine ausführliche Stadtbesichtigung macht schon hungrig und was sonst muss man in Korea probieren, wenn nicht das koreanische Essen. Unsere Reiseleiterin führt uns in ein von außen sehr unscheinbares Lokal abseits der Touristenpfade.

Als ungeschickte Langnase, die versucht sich an dem flachen Tisch auf dem Boden irgendwie gemütlich einzurichten, ziehe ich wirklich fast alle Blicke der Gäste des kleinen Restaurants auf mich. Doch das beste Grillfleisch dieses Sommers lässt die kleinen, neugierig daher blickenden Schlitzaugen ganz schnell zur Nebensächlichkeit werden.

Das Lokal ist auf Bulgogi, was so etwas wie Feuertopf bedeutet, spezialisiert. In der Mitte des Tisches geht es heiß her: über glühenden Holzkohlen wird das marinierte, tellergroße Fleischstück zubereitet. Die flinken Kellner übernehmen nicht nur das Drehen und Wenden des „halben Schweins“. Sobald das Fleisch fast fertig gegart ist, wird es mit einer Spezialschere in mundgerechte Stücke geschnitten. Dazu isst man so allerhand Kleinigkeiten, vom gewöhnlichen Salat, über marinierte Zwiebeln und Lotusblüten bis hin zu Kimchi, dem koreanischen Gemüse schlechthin. Den eingelegten Kohl gibt es in unzähligen Varianten. Nicht wegzudenken aus der koreanischen Küche, wird er zu fast allem gereicht, ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen.

Die grüne Vulkan-Insel und lustige Gesichter aus Lavagestein

Wir kehren der „Boom Town“ Seoul den Rücken und fliegen für zwei kurze Tage mit Korean Air
in den Süden des Landes. Und auch hier begegnen uns wieder Dinge, deren Bedeutung wir weder kennen, noch das Wort sprechen können.

Bevor es moderne Transportmittel gab, war eine Reise auf die Insel Jeju sehr beschwerlich und vor allem gefährlich, so dass sich, abgeschieden von der Zivilisation, eine ganz eigene Kultur mit einer Reihe von ungewöhnlichen Ikonen entwickelte. So spiegeln die „Haenyeo”, der „Dolharubang, „Galot" und „Bangsatap" die Einzigartigkeit der Insel wider.

Wir trafen eine der seltenen Haenyeos, der Perlentaucherinnen, die noch heute Muscheln und andere Meerestiere aus dem Ozean fischen. Nicht nur, dass diese Arbeit von einer Frau gemacht wird, ist besonders. Sie tauchen ohne Sauerstoff-Ausrüstung, d.h. sie pressen ihre Lungen so zusammen, dass sie bis zu 30 Meter tief tauchen können. Unglaublich!
Ein „Galot“ ist ein orangefarbenes, leichtes Kleidungsstück und weiteres Markenzeichen der Insel. Und zu guter Letzt werden wir auf unserer Reise immer wieder von den Dolharebang, den lustigen Gesichtern, die aus Lavastein geschnitzt wurden, und den „Bansatap“, Türmchen aus vielen Steinen, die das Böse abwenden sollen, begleitet. Und neben den witzigen Kuriositäten bietet die Insel (UNESCO-Weltnaturerbe) auch eine eindrucksvolle Natur, z.B. den Berg Hallasan und den Seongsan-Ilchulbong, den Sonnenaufgangsgipfel, sowie die gigantischen Lavahöhlen. Das Fazit der kurzen Reise: Es ist nicht Japan und auch nicht China. Wenn auch gewisse Ähnlichkeiten bestehen, hat das Land seinen ganz eigenen Reiz und Vieles zu bieten. Auf jeden Fall werden wir wiederkommen, um auch die übrigen Landesteile, am besten im Goldenen Herbst, kennen zu lernen. Dann kleidet sich das Land in ein bunt leuchtendes Gewand, welches an den Indian Summer der Ostküste der USA erinnert.

Reisebericht von ARTE Reisen



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