Trüffelsuche im Piemont

Mit Billie, Linda und Mirka auf der Suche nach dem „weißen Gold“ des Montferrato

24.11.11

Pierre-Luigi ist ein ruhiger und bedächtiger Mann. Wenn er so über die Wiese geht, erkennen wir seine Konzentration kaum, aber er ist höchst angespannt. Und er beobachtet seine drei „Mitarbeiter“ scharf.

Pierre-Luigi ist Trüffel-Sucher im Montferrato, einer Markgrafschaft im Piemont aus dem Mittelalter, zwischen Turin und Genua gelegen. Und seine Mitarbeiter sind die Hunde Billie, Mirka und Linda. Er hat sie selbst ausgebildet und kennt sie genau. Und ihren Wert natürlich auch – 5.000-10.000 € kostet ein gut ausgebildeter Trüffel-Hund.

Als wir Pierre-Luigi in seinem Fiat Punto treffen, sitzen die drei Hunde noch ruhig im Fahrzeug. Aber kaum wird die Heckklappe geöffnet, springen sie wie von der Tarantel gestochen heraus und rasen über Wiesen und Wege. Ausgelassen springen sie an uns hoch, verspielt und ungestüm. Linda ist Profi, sie sucht die Wiesen zuverlässig und konstant ab, Mirka lernt noch, aber Billie, ein undefinierbarer Mischling, sei „crazy“, verrückt, er benehme sich völlig unprofessionell und somit auch im Ergebnis unberechenbar, allerdings mit einer hohen Trefferquote – so stellt uns Pierre-Luigi sein Team vor.

Dann aber beginnt auch für sie der Ernst. Die Wiese, eingezäunt und „privat“, muss abgesucht werden, denn der weiße Trüffel wächst irgendwo unter der feuchten Erde.

Plötzlich ist es aus mit der Ruhe von Pierre-Luigi. Zwei Hunde graben wie wild an einer Stelle, ihre kurzen Schwänze schlagen heftig aus. Pierre-Luigi stürzt an diese Stelle, denn jetzt geht es darum, wer den Trüffel als erster bekommt. Die Hunde würden ihn sofort verschlingen, also müssen sie abgelenkt und von der Stelle abgedrängt werden. Pierre-Luigi wirft ihnen etwas Brot zu und schon balgen sie sich um diese kleinen Stückchen.

Nun beginnt Pierre-Luigi mit einer kleinen Hacke zu graben, er nimmt Erde in seine Hand, riecht daran und gräbt weiter und weiter. Einen kleinen Pilz, erdnussgroß, kaum ein Gramm schwer, klaubt er schließlich aus dem Boden. Sorgfältig wird das Loch geschlossen, denn vielleicht gibt es demnächst an dieser Stelle wieder einen Trüffel, dann aber einen größeren, gerne über 100 Gramm schwer.

Für uns ist es überaus faszinierend, dass die Hunde auch solch kleine Trüffel aufspüren.

Weißer Trüffel und roter Wein

Szenenwechsel – Abends in einem kleinen, privat geführten Restaurant, irgendwo in einem kleinen Dorf im Monferrato: Der ambitionierte junge Koch bringt das Körbchen mit dem „weißen“ Gold – in ein leicht feuchtes Tuch gewickelte weiße Trüffel unterschiedlicher Größe. Bruno, unser Fahrer und auch Trüffelsucher, kennt sich aus. Er riecht an den verschiedenen Trüffeln und berät uns. Überzeugend legt er uns dar, dass die Trüffel aus dem Monferrato die besten der Welt seien, den Unterschied würden wir schon auf dem Trüffelmarkt in Alba sehen bzw. riechen, dem Hauptort des für seine Weine sowie weißen Trüffel berühmten Hügellandes der Langhe im Piemont.
Wir verlassen uns auf Brunos Empfehlung. Und Emanuele, der Koch, zaubert ein mehrgängiges Trüffelmenü. Der jeweils passende Rotwein ist ein Gedicht. Wir schwelgen, genießen und philosophieren. Es heißt zwar „leben wie Gott in Frankreich“, aber wir sind sicher, dass der liebe Gott vorher im Piemont war.

For England

Ein italienischer „Champagner“ – so durfte sich der Spumante früher nennen. Produziert für das gesamte britische Empire, ohne Zusatz von Zucker, wurde er schon im 19. Jahrhundert in den Kellern der Firma Contratto in Canelli hergestellt. Diese Keller sollen demnächst auf der UNESCO Weltkulturerbe Liste stehen. Sie sind in ihrer Größe und Länge sehr eindrucksvoll, fast Kathedralen des Spumantes. Und die Schaumweinherstellung erfolgt immer noch auf traditionelle Art und Weise.
„For England“ steht heute noch auf dem Etikett. Zu wunderbarem Parmesan probieren wir diesen und andere Spumante Sorten vor Ort, angenehm begleitet von der Marketingchefin und Ehefrau des Besitzers, einer jungen Deutschen. Inzwischen kann man diesen guten Tropfen auch in Deutschland kaufen.

Alessandro fällt aus der Reihe

Alessandros Vater heißt Filippo, der Großvater hieß Luigi, der Urgroßvater hieß Filippo, der Ururgroßvater hieß Luigi und der Urururgroßvater wieder Filippo. Und der gründete 1846 in Altavilla eine Brennerei, in der „Grappe“ - Schnäpse destilliert wurden. Die Familie Mazzetti hat die Familientradition erhalten, und nicht ohne Stolz führt uns Alessandro Mazzetti durch seinen Betrieb mit den beeindruckenden Dampfdestillierkolben. Wir werden Zeugen des Destillierprozesses, um später im Museo della Grappa die außerordentlich feinen Endprodukte zu probieren.

Reisebericht von ARTE Reisen in Meerbusch



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