Kolumbien

Grüner Zauber zwischen Karibik und Pazifik

27.06.12

„Ich verstummte, als ich solche Schönheit vor mir hatte … Der Himmel, der Horizont, die Pampas und die Höhen der Cauca – all das macht den Betrachter sprachlos“ (Jorge Isaacs, María)

Wer den Inspirationsort für diese Zeilen kennenlernen möchte, der muss sich ins „Arkadien“ Kolumbiens, das von Landwirtschaft geprägte Valle della Cauca aufmachen und der „Hacienda El Paradiso“ einen Besuch abstatten. Denn dort entstand der oben zitierte Roman, der ein Meisterwerk literarischer Landschafts- und Menschenschilderung darstellt und in Südamerika seit seinem Erscheinen (1867) ein Longseller, in Deutschland jedoch trotz Übersetzung nahezu unbekannt ist.

Zu Kolumbien fielen einem bislang neben Drogenkartell, Guerilleros und Paramilitärs höchstens die Berühmtheiten Gabriel Marquez, Botero, Shakira und Íngrid Betancourt (die entführte Politikerin) ein.

Der ein oder andere wird sich vielleicht an eine verheerende Eruption erinnern, die zu einem geradezu klassischen Beispiel der Vulkanologie wurde: Der über 5300 m hohe Nevado del Ruiz war Ende 1985 ausgebrochen und hatte eine Schlammlawine (Lahar) ausgelöst, die die fast 50 km entfernte Stadt Armero unter sich begrub. 23.000 Menschen kamen damals ums Leben.

Kolumbien, das war in diesen Jahren ein Epizentrum der Gewalt, wo Entführungen, Erpressungen, Ermordungen und Überfalle an der Tagesordnung waren. Ein de facto-Feudalstaat mit raffgierigen Großgrundbesitzern, brutalen Milizionären und korrupten Rebellen (v.a. die sich als marxistisch bezeichenden Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, kurz: FARC), die Millionen von Kolumbianern von ihrem Land vertrieben und enteigneten. Ein ohnmächtiger Staat, der sein Gewaltmonopol längst verloren hatte, schaute dabei tatenlos zu. Und Drogenbosse wie „Don Pablo“ (Emilio Escobar) lachten sich auf ihrer Hacienda ins Fäustchen und trugen nachhaltig zum negativen Ruf des Landes bei.

Doch seit einiger Zeit tut sich etwas. Der Staat gewinnt wieder an Stärke und Souveränität. Diese positive Entwicklung wird der Sicherheitspolitik (Política de Seguridad Demócratica) von Ex-Präsident Uribe zugeschrieben, einem Hardliner, der 8 Jahre im Amt war. Die aktuelle Regierung versucht sogar mit einem Opfer-Gesetz (Ley de Victimas) das Unrecht wieder gutzumachen und in einem beispiellosen Projekt den Vertriebenen 2 Mio. Hektar Land zurückzugeben. Außerdem will sie mit einem ebenso ehrgeizigen Wohnungsbau-Vorhaben die Situation der armen Bevölkerung nachhaltig verbessern. Den „Ärmsten der Armen“ sollen 100.000 kostenfreie Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden. In der von Bergen umgebenen Großstadt Medellin, der Capital de la Montaña, gibt es immerhin bereits eine kostenlose, ca. 400 m lange Freiluft-Rolltreppe, die den etwa 12.000 Bewohner der berüchtigten, für seine jungen Auftragskiller bekannt gewordenen „Comuna 13“, einem der ärmsten und gefährlichsten Viertel der Stadt, einen bequem Zugang zu ihren Hütten erleichtert. Eine Nation im Aufbruch also, eine, die sich gerade neu erfindet.

Für Finanzleute und Börsianer ist die Sache ohnehin klar. Das Schwellenland Kolumbien, das bemerkenswert viele Rohstoffe (Kaffee, Bananen, Reis, Kohle, Erdöl, Eisenerz, Gold, Platin, Wasser) besitzt und mit seinen 46 Mio. Einwohnern das nach Brasilien und Mexiko drittbevölkerungsreichste Land Lateinamerikas ist, hat sich zu einem politischen und wirtschaftlichen „Musterstaat“ und damit zu einem sicheren und rentablen Standort für Investoren entwickelt. Die Tatsache, dass es seit ein paar Jahren stets sehr gute Plätze im Rentabilitätsranking belegt, scheint dafür zu sprechen, dass sich das Land tatsächlich radikal verändert hat und die Gewaltdelikte, für die es lange Zeit berüchtigt war, stark zurückgegangen sind.

Auch die Reiseindustrie, die das Land jahrzehntelang mied ist, sieht gute Chancen. Denn durch die Stabilisierung der Sicherheitslage hat das schöne, der Entdeckung harrende Land sein Image erheblich verbessert. Kolumbien, das lange als Geheimtipp galt, wird als Reiseland wieder entdeckt, besonders von den Deutschen. Dazu tragen gewiss auch bessere Flugverbindungen bei. Viele Destinationen haben das Zeug zum Touristenmagneten. Cartagena de Indias etwa, die bereits 1533 gegründete karibische Hafenstadt, ist seit sie von der UNESCO und diversen Filmstars „geadelt“ wurde, in aller Munde. Das Ambiente und die Infrastruktur sind hervorragend. Deshalb trafen sich dort gerade erst über 30 amerikanische Staats- und Regierungschefs zum Amerika-Gipfel. Ein weiterer Hotspot ist Cali, die „Zweigstelle des Himmels“ (Sucursal del cielo), wo - wie es so schön heißt - „die Füße nicht gehen, sondern tanzen.“

Und wahrlich, Kolumbien hat mehr als ein „gutes Geschäftsklima“ zu bieten. Und zwar fast für jeden. Zum Beispiel für Sprachschüler: es gilt als Land, in dem das beste Spanisch in Lateinamerika gesprochen wird, außerdem ist es das zweitgrößte Spanisch sprechende Land der Welt.
Oder für Kulturbeflissene: Hier gibt es nicht nur schöne alte Kolonialstädte (http://www.southern-sky-tours.de/blog/april-2012-kolonialstaedte/einfuehrung-monatsthema-april-kolonialstaedte.html) und rätselhafte präkolumbische Kultstätten (z.B. San Augustín und El Tablón), sondern auch die meisten Schriftsteller, die höchste Künstlerdichte Südamerikas und viele hochwertige Zeitungen und Verlage.
Oder für Wanderer: Urwald-Trekking durch Indianergebiet in der Sierra Nevada de Santa Marta zur terrassierten, über ca. 1200 Stufen zu erreichenden Ruinenstadt Ciudad Perdida, dem „Machu Picchu“ Kolumbiens.
Oder für Ostertouristen: die Procesiones de la Semana Santa in Popayán (http://www.southern-sky-tours.de/blog/juni-2012-fremde-kulturen-in-lateinamerika/el-peso-del-paso-semana-santa-in-popayn.html) und die spektakuläre Catedral de Sal de Zipaquirá (unterdirische Salzkathedrale).
Und und und …so könnte man noch langefortfahren!

Kolumbien, das in der nordwestlichen Ecke Südamerikas angesiedelt ist und deshalb als einziges Land des Subkontinents Küsten sowohl am Karibischen wie am Pazifischen Meer besitzt, verdient es, wieder als das wahrgenommen zu werden, was es auch ist: ein mitreißendes, und in vielerlei Hinsicht widersprüchliches und abwechslungsreiches Land. Ein fruchtbares Land, das die rechte Mischung hat. Die kolumbianische Landschaft ist so vielfältig wie sein Klima, seine Küche, seine Fauna und seine Menschen. Und im Herzen von Kolumbien, in den Bergen der Westkordillere, schlummert ein ganz besonderer Schatz: Der Smaragd, ein grüner kristalliner Stein, dessen inneres Feuer verzaubert.

Einen guten Überblick über die von deutschen Südamerikaspezialisten angebotenen Kolumbienreisen findet man z.B. unter www.suedamerika-reiseportal.de/laender/kolumbien/.



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