Reisebericht Island

Island – Wellness, Gourmet und Natur

15.11.12

HRIMFAXI, das Pferd aus der nordischen Sagenwelt, das die Nacht über den Himmel zieht, braucht man heute nicht mehr, um nach Island zu kommen.

Dafür gibt es die Fluggesellschaft ICELANDAIR und die bringt einen von Frankfurt oder München (im Sommer auch von Hamburg) in gut 3 ½ Stunden auf die Insel hoch im Norden. Vom Ankunftsflughafen Keflavik unweit der Hauptstadt Reykjavik aus kann man noch gut 30 andere Ziele erreichen. Bei Flügen zu den 9 Destinationen in Nordamerika werden Stopover von 1 Tag bis 1 Woche angeboten um Island (mit organisiertem Programm oder ohne) etwas kennen zu lernen und dann weiter zu fliegen, gute Idee, um so gleich zwei Ziele mit einer Reise zu erreichen.

SKYGGNIR, das Wolkenpferd trabte gemächlich über die Insel uns so fuhren wir gleich vom Flughafen in die „Blaue Lagune“ auf halber Strecke zwischen Kevlavik und Reykjavik. Das ist ein von Menschen beim Bau eines Geothermalkraftwerkes geformtes Naturwunder, ein See mitten in einem Lavafeld gefüllt mit geothermalen Meerwasser, angereichert mit Mineralien, hohem Silicaanteilen und speziellen Algen. Das milchig-blaue Wasser kommt aus 2000 m Tiefe, ist dort 240 Grad heiß, hat oben noch gut 26 Grad, an manchen Stellen mehr. Eine einzigartige Mischung von Aktivstoffen die zudem noch sehr gesund ist, besonders gut bei Hautkrankheiten –es gibt sogar eine Klinik zur Behandlung- oder einfach nur zum wunderbaren Entspannen an grauen Tagen. Schön, so relaxed zwischen den großen Lavabrocken zu treiben, der Nebel lässt die Umgebung verschwimmen und man träumt ein bisschen von Brooke Shields aus der anderen Blauen Lagune. An der „Lagoon Bar“ am Rande holt man sich einen kalten grauen Klumpen Mineral (weiter hinten am „Jungbrunnen“ gibt’s noch mehr vom Schlamm-Peeling), den taucht man ein, da wird er weich und das schmiert man sich auf die Haut von Hals und Gesicht, lässt es trockenen, während man genüsslich ein Bier trinkt. Nach gut 20 Minuten wäscht man die Maske ab und hat eine wunderbar reine und weiche Haut. Das soll zudem noch verjüngen, bei mir hat es gewirkt. Wer noch mehr davon haben will, kann im Shop ganze Reihen von Pflegeprodukten kaufen, der Preis allerdings lässt einen dann schnell wieder altern. Wer mehr Wellness haben will, kann das reichhaltige Angebot nutzen, Massagen, Wasserfall, spezielle Behandlungen von Gesicht und Körper, Sauna, Dampfbad und einiges mehr. Natürlich hat es auch Ruheräume, ein Café , ein Restaurant mitten im Lavagestein mit Aussichtsplattform und die „Lava Bar“. Wer es professioneller haben möchte oder muss, kann in der Blauen Lagune und der nahegelegenen Eldborg auch Tagungen oder Konferenzen veranstalten.

All dass macht hungrig und weil der Wikinger zwei Sachen nicht mag, kaltes Wasser und leeren Magen, machen wir uns auf in den Stadtteil Hafnarfjödur ins „Wikinger Dorf“, ein Komplex aus nachgebauten Wikinger-Häusern mit Hotel, Wohnhütten und dem rustikalen Restaurant „Valhalla“. Darin wartet vor einem qualmenden Götterbild des „Thor“ umtost mit viel Blitz und Donner ein blonder Wikinger, der uns nach einem Begrüßungsschluck Met erst anschreit, mit Waffen bedroht und dann ein wildes Lied über sein wildes Land singt. Ist aber nett gemeint, weil er uns gleich darauf zum Tisch geleitet und dabei mildere Weisen anstimmt. Später gelingt es ihm, eine aufmüpfige Gruppe englischer Teenager nur durch Gesang zu beruhigen.

Noch aufgewühlt kommt die erste Mutprobe: das Wikinger-Menü. Es startet gleich mit etwas heftigem, „Hákarl“, Gammel-Hai! Kleine Stückchen am Holzspieß mit Nationalfahne, ein Geschmackserlebnis in drei Akten: erst etwas gummiartig, leicht nach Speck mit unbestimmten Fischgout, dann explodieren Ammoniak und Menthol in Mund und Nase (spätestens jetzt endet für die meisten die Toleranz, wer schon mal geröstete Ameisen gegessen hat, dem kommt der Geschmack bekannt vor) und schließlich die Erlösung im Glas durch den schwarzen Tod namens „Brennivin“, leicht mit Schnaps übersetzt. Der wird aus Kartoffelmatsch gemacht und hat ein scharfes Kümmel-Aroma, auch nicht jedermanns Sache. Dazu gibt es noch Brot und Fetzen von Trockenfisch, der erst durch langes Kauen Geschmack erschließt, ein Klacks gegenüber dem Hai. Gut das es auch ausgezeichnetes Bier oder einen frischen Weißwein dazu gibt, die ersten Gläser sind sehr schnell leer. Wer Hakarl und Brennivin nicht mochte, ich habe die Reste gerne verputzt. Danach wird es konventioneller, eine geschmackvolle sämige Seefrüchtesuppe mit Sahne und als Krönung eine überaus leckere geschmorte Lamm-Haxe von ausgezeichneter Qualität mit Kartoffeln, Salat und Gemüse, das Sonntagsessen der Isländer. Als Nachtisch gibt es „Skyr“, den traditionellen Jogurt mit Blaubeeren und auch der Brennivin war noch nicht alle.

Ein Ausflug am anderen Morgen bringt uns zum Kraftwerk Hellisheidarvirkjun und wir schauen uns an, wie im geothermischen Verfahrenen aus Dampf Strom für die Insel gewonnen wird. Kunstbegeistert wie die Isländer sind, gibt es auch hier wechselnde Ausstellungen wie die des bayerischen Künstlers Rudolf Reiter, der einige seiner großen Malereien an diversen Orten im Boden versenkt hatte, mal in heißen Quellen, mal in der Nähe heißer Lava und so kann man sehen, wie die Erde seine Kunst verändert. Dann sehen wir die sehr schönen Fotos des Isländers Emil Pór, der u.a. fantastische Bilder von Vulkanausbrüchen auf der Insel gemacht hat, bevor wir selber wieder die Natur in schönster Form erleben, am wohl bekanntesten Wasserfall Islands dem „Gullfoss“, auch goldener Wasserfall genannt. Er liegt im Südwesten des Landes, in der Nähe der heißen Quellen und Geysire des Haukadalur. Über zwei gewaltige, fast im rechten Winkel aufeinander stehende Kaskaden stürzt das Wasser des Gletscherflusses Hvítá in eine 2,5k m lange und 70 m tiefe Schlucht. An warmen Sommertagen donnern pro Sekunde bis zu 1200 Kubikmeter Wasser in die Tiefe. Die obere Stufe des Wasserfalls hat eine Höhe von 11 m, die untere Stufe erreicht eine Höhe von 20 m. Die Fallkante beider Stufen wird durch zwei Lavaschichten gebildet. Zwischen den beiden Lavaschichten befindet sich eine weiche Schicht aus Fluss schotter, auch unter der zweiten Basaltschicht. Das fallende Wasser kann diese weichen Schottereinlagerungen leicht abtragen, die Basaltschichten werden unterspült und brechen regelmäßig ab. So ist in den letzten 10.000 Jahren, also seit dem Ende der Eiszeit, die lange Schlucht entstanden. Es ist kalt, so um die Null Grad und rings um den beeindruckenden Fall hat sich die Gischt in feines Eis verwandelt, das sieht grandios aus. Zwar spielt das Wetter nicht ganz mit, es ist trübe, aber –und das ist für Island ganz selten- es ist völlig windstill. So können wir bis direkt an die erste Kante gehen, das viele Wasser bestaunen und bleiben diesmal ganz trocken. Der Gullfoss würde heute wahrscheinlich nicht mehr existieren, hätte sich nicht die Tochter des Bauern von Brattholt für ihn eingesetzt. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wollten britische Spekulanten den Gullfoss für die Energiegewinnung erschließen. Sigrídur Tómasdóttir führte vergeblich einen langjährigen juristischen Kampf gegen die Spekulanten. Erst als sie drohte, sich in die Fluten des Gullfoss zu stürzen, ließen die Briten von ihrem Vorhaben ab. Dankbare Isländer haben der Bauerntochter neben dem Wasserfall ein Denkmal gesetzt. Stundenlang könnte man das grandiose Naturschauspiel bestaunen, aber wir müssen weiter an die Südwestküste zu den Geysiren. Die Fahrt geht durch eine archaische Landschaft aus Lavafeldern und Schotterebenen, je nach Bodentemperatur mit weißem Frost bedeckt, oder ganz in bunt, mal rot, mal braun, mal schwarz. Dazwischen hohe Lavakegel und kleine Berge, mal ganz symmetrisch, mal verbogen und zerrissen, in der Ferne schimmern große Gletscherfelder, eine wundersame Natur mit ganz eigenem Reiz.

Angekommen beim Feld der Geysire wartet ein Koch, um uns in das Geheimnis des „Hverabraud“, des Quellenbrots, einzuweihen. Am Rande eines blubbernden Loches mit ca. 90 Grad heißen Schlammwasser gräbt er mit dem Spaten ein Loch in die heiße Erde und zieht einen schmutzigen Sack heraus, in dem sich ganz normale, aber mit Klebeband fest verschlossene Milchtüten, befinden. Die schneidet er auf und heraus kommt eine duftende Köstlichkeit, die eine Ähnlichkeit mit Pumpernickel hat, aber viel besser schmeckt. Das Brot aus Milch, Wasser, Weizen, Zucker, Salz und Hefe isst man mit „Sild“, fein eingelegten Fisch oder mit Marmelade oder mit frisch gekochten Eiern, die er vor zehn Minuten in einem Säckchen in ein anderes blubberndes Loch gelegt hat. Natürlich darf dazu ein Gläschen schwarzer Tod nicht fehlen. Dermaßen angeregt gehen wir ins Hotel „Geysir“ essen, wo ein köstliches Buffet mit isländischen und ausländischen Feinheiten auf uns wartet. Wir wandern wieder hinaus und streifen über das Feld mit den Geysiren, warten kurz darauf dass es in einem Loch brodelt, das Wasser fast verschwindet, um dann weit hinaus in die Höhe zu schießen, wo die Dampfsäule dank der Windstille noch lange in der Luft steht, bis zur nächsten Eruption. Heute sind die springenden Wasser etwas schlapp, aber immer nur dann, wenn man fotografieren will, geht man weg, sausen sie wieder in die Höhe, ich glaube, die machen das extra.

Aber hier draußen ist es kalt und wo geht der Isländer dann hin? Und schon landen wir im „Spa Fontana“ am malerischen See Laugarvatn und lassen uns in die wohlig warmen bis ganz heißen Wässer diverser Becken gleiten, Entspannung pur mit Blick auf spektakuläre Landschaften. Natürlich gehen wir in eine der beiden Dampfhütten, die unmittelbar über einem fauchenden Geysir gebaut wurden. Der 40-50 Grad heiße Dampf zischt im „Gufan“ um uns herum und es riecht nach Schwefel und Hölle und faulen Eiern. Man könnte noch hinunter in den eiskalten See gehen, aber wie war das nochmal mit den Wikingern? Die gingen doch da hinein, weil der Strand mit dem schwarzen Sand und das strandnahe Wasser angenehm warm sind und nachgewiesenermaßen schön gesund ist es auch. Hier und in den Becken könnte man bleiben, aber es steht noch etwas Spektakuläres auf dem Plan, also raus in die Natur und zu einem UNESCO-Weltkulturerbe, dem „Thingvellir“.

Das liegt rund 40 km nordöstlich von Reykjavik am größten Binnensee des Landes, dem 83 Quadratkilometer großen und bis zu 114 m tiefen Pingvallavatn. Nördlich des Sees öffnet sich der Blick in Richtung Kaldidalur auf den 1060m hohen Schildvulkan Skjaldbreiður, am südlichen Seeufer liegt das Thermalgebiet Nesjar. Das ist in einer der landschaftlich faszinierendsten Regionen des Landes ein wirklich magischer Platz und nicht nur für Isländer. Hier begann im Jahre 930 die Geschichte der isländischen Demokratie, im Übrigen die älteste der Welt. Da versammelten sich die alten Wikinger im „Allthing“ und regelten ihre Angelegenheiten, manchmal auch in nicht gerade zimperlicher Art. Aber Todesurteile gab es nicht, das Schlimmste war die Verbannung in die rauen Berge. Unter den ersten Siedlern Islands waren auch mehrere entmachtete norwegische „Goden“ genannte Häuptlinge. Sie hatten sich bei der Auswanderung aus Norwegen geschworen, ihre Unabhängigkeit nie mehr von einem König nehmen zu lassen und das funktionierte auch lange Zeit. Als die Christianisierung begann und die Häuptlinge im See getauft werden sollten, wollten die das da aber nicht, klar, das Wasser war zu kalt. Also ritten sie 30 km über die Berge zu einer warmen Quelle, wo man angenehmer untertauchen konnte. Aber noch etwas ist hier sehr bedeutend, die „Almannagja“. Das ist ein geologisch sehr eindrucksvoller Ort, denn die Allmännerschlucht ist im weiteren Sinne die Mitte zwischen Europa und Amerika. Genau durch das Tal verläuft die Grenze der Eurasischen und der Amerikanischen Krustenplatte. Vor etwa 9000 Jahren war hier statt des Tals eine Lavaebene zu finden. Durch die Bewegung der Platten bildeten sich Risse und ein Teil der Ebene begann sich langsam abzusenken. Im Laufe der Jahrtausende sank das gesamte Tal als Grabenbruch immer weiter ein. Die Bruchstrukturen sind im Bereich der Allmännerschlucht und am östlichen Ufer des Sees besonders deutlich zu erkennen. Wer durch die Schluchten wandert, kann die unermesslichen Kräfte der Natur erahnen, die hier am Werk waren und immer noch sind. Die Platten bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 1-2cm pro Jahr auseinander. Man kann hier praktisch mit einem Fuß in Amerika, mit dem anderen in Europa stehen. Nach einem letzten Blick auf den wie ein magischer Spiegel glänzenden See, der eine unheimlich Ruhe und Majestät ausstrahlt, geht es wieder auf die Straße. Aber langsam, die ist nämlich glatt und den Bus, der einige Minuten vor uns gefahren ist, treffen wir bald wieder, wo er gefährlich halb im Straßengraben liegt und auf Hilfe wartet. Zum Glück ist keiner verletzt, kompetente Hilfe ist unterwegs und wir fahren zurück nach Reykjavik, denn es nähert sich nach so einem anstrengend Tag wieder mal ein besonderes Abendessen.

Wir haben uns das Restaurant „Laekjarbrekka“ in der Innenstadt ausgesucht und da wartet bei der Vorspeise Wunderliches auf dem Teller: Gebratene Kormoranbrust mit Krähenbeeren, mit Birkensaft überzogene gedämpfte Stückchen vom Mink-Wal und Scheiben vom geräucherten Papageientauchervogel mit Algencrisp, ungewöhnlich aber sehr lecker, besonders der Kormoran. Vertrauter ist dagegen die Langoustino-Suppe mit Cognac und saftiges rosa-gebratenes Lammfilet mit Kartoffeln und Gemüse an einer Thymiansoße. Beliebt sind hier, wie übrigens in ganz Island, Gerichte vielerlei Art aus Pferdefleisch. Als Nachtisch gibt es „Eyafjallajökull“, eine Komposition aus Skyrschaum und Himbeermousse in einem überlaufenden Glas (wie vor ein paar Jahren der gleichnamige Vulkan) mit alkoholisierten Früchten. Heute Abend mal keinen Brennivin, oder vielleicht doch später in einer der vielen, trotz der hohen Preise, sehr belebten Kneipen Bars und Cafés, für einige wird es spät oder früh, ganz wie man es sehen will. Auf der Tour durch das Nachtleben ist man nicht allein, die Stadt die nie schläft wenn es Freitag oder Samstag ist, wird von Menschenmassen durchströmt, meist jung und schön und oft angetrunken, ohne allerdings allzu unangenehm zu werden. Den dazu notwendigen Stoff zum Vorglühen holt man sich im staatlichen Monopolladen, genannt „Das Reich“.

Wir bleiben am nächsten Morgen noch in der Hauptstadt und besuchen am Hafen in einer großen Halle den samstäglichen Flohmarkt. Neben dem üblichen Angebot kann man hier gut die bekannten Pullover, Jacken und Mäntel mit den berühmten Mustern kaufen, man kann sogar handeln, die Preise sind aber wie überall im Lande nicht immer angenehm. Es gibt auch eine kleine Eckhalle und da sollte man wirklich zuschlagen. Hier gibt es zum erträglichen Preis den wunderbaren, fangfrischen Lachs in vielen Versionen, gut eingeschweißt zum Mitnehmen nach Hause. Daneben Stockfisch in kleinen und gewaltigen Tranchen, jede andere Sorte von frischen Fischen, Pferdefleisch, die berühmte Pferdefleischwurst, Käse, Butter, Brot und Gebäck und andere Spezialitäten, nordische Vielfalt die begeistert. Die vielen Tüten werden untergebracht, wir spazieren ein wenig in der Stadt umher. Sehen uns dann eine interessante Ausstellung zur isländischen Geschichte an, schwanken, ob wir eines der vielen Museen besuchen, oder eine weitere der vielen anderen Ausstellungen zu Kunst und Kultur anschauen wollen und entscheiden uns dann, wieder ins heiße Wasser zu gehen. Reykjavik hat 6 große öffentliche Schwimmbäder mit Saunalandschaften und mehr als 100 „Hotspots“, heiße Quellen, wir gehen ins „Laugar Spa“, ein 5-Sterne Gesundheits- und SPA-Resort im Laugardalur-Tal. Da gibt es riesige Schwimmbäder drinnen und draußen, eine Fun-Anlage mit Rutschen, 7 Whirlpools und einen großen Thermalpool, Saunas etc. sowieso. Wer diverse Beauty-Behandlungen und Massagen haben möchte, oder nur einfach rundum an Körper und Seele verwöhnt werden will, ist hier genau richtig. Bevor wir wieder auf Tour gehen, essen wir in der Straße Skòlavördustig noch etwas im Restaurant „Sjavargrillid“, beliebt wegen der großen Auswahl Meerestiere, so nehmen wir den Lachs mit Hummer-Glasur, wunderbar aromatisch und saftig gegrillt, begleitet von Kartoffelpüree, Kaviarperlen und Gemüsedekoration. Nicht umsonst war der Jungchef, Gustav Axel Gunnlaugson, Islands „Chef Of The Year 2010“. Wir hätten auch in der Fußgängerzone essen können, es war „Tag der Suppe“ und viele Restaurants hatten große Töpfe draußen stehen und verteilten kostenlos verschiedene Suppen.

Zwei Ziele haben wir uns für heute noch vorgenommen und so fahren wir wieder Richtung Osten durch die wunderbare Landschaft und erreichen nach ungefähr einer Stunde unser erstes Ziel, eine kleine Ortschaft am Meer namens Selfoss mit ein paar bunten Häusern, sonst gibt es nichts ringsumher. Aber hier stehen das „Rauda Husid“, das Rote Haus, und das „Ölvisholt Brugghús“, eine kleine Brauerei. Seit 2007 stellt die 4 Sorten Bier mit 17 Untersorten her und die haben einen ganz besonderen Geschmack, den wir auch gleich testen. Vorher haben wir Abschied vom strikten deutschen Reinheitsgebot genommen und beginnen mit „Freyja“, ein helles Weizenbier aus 3 Sorten Malz, 2 Sorten Hopfen, gewürzt mit Orangenschalen und Koriander, gewagt, aber sehr süffig. „Skjalfti“, eine Kreation aus vielen verschiedenen Malz- und Hopfensorten, Duft und Geschmack erinnern an Karamell, Zitrus, Malz und genau in der Mitte zwischen süß und bitter. Ähnlich, aber kräftiger ist „Móri“, mit 7 Malzsorten, 4 Hopfenarten, rubinrot und ganz schön bitter, leichter Rauchgeschmack. Etwas für harte Genießer ist „Lava“, das hat nicht wie die anderen zwischen 4,5 – 5.5 % Alkohol, sondern gleich 9.4 %, aus 7 Sorten Malz und 2 Sorten Hopfen, schwarz mit dickem braunem Schaum, Geschmack erinnert etwas an Schokolade, geröstetes Malz, starken Rauch und warmen Alkohol. Da braucht es schon ein zweites Glas, langsam getrunken, um den vollen Geschmack zu erschließen. Schließlich gibt es noch jedes Jahr ein Weihnachtsbier und andere Kreationen. Auf die Idee mal eben eine Brauerei zu gründen, kamen zwei Farmer die keine Lust mehr hatten Schafe zu züchten und Milch zu verkaufen. Also baute man den alten Stall um und begann das Experiment. Bestens gelungen kann man sagen, schließlich verkauft sich das Bier recht gut in die skandinavischen Länder und Kanada. In den USA gab es für die Sorten beim Weltbierfestival gleich Gold- und Bronzemedaillen. Im Restaurant „Rauda Husid“ arbeitet man gerade dran, zu jeder Biersorte ein entsprechendes Gericht zu kreieren und so eine Bierprobe zu einem opulenten gastronomischen Erlebnis werden zu lassen. Also muss man da auf jeden Fall noch mal hin. Zwischendurch essen wir auch was, leckere mit Käse überbackene Hummerschwänze. Stichwort für das zweite Tagesziel.

Vorher laufen wir noch etwas durch das Örtchen und am Meer entlang, bevor es noch weiter in die Einöde zum ebenfalls kleinen Örtchen Stokkseryri geht. Da gibt es zwei bemerkenswerte Sachen, Islands größtes Gefängnis, ein kleiner Bau um den wir einen großen Bogen machen und „Fjörubordid“. Ein einfaches Restaurant mit sehr kleiner Speisekarte, aber weltberühmt, Legende sind die illustren Gäste und Gourmetpäpste die hier waren. Warum fragt man sich, wo es doch im Grunde nur eine Sache zu essen gibt, die aber hat es wirklich in sich: Hummer! Aber nicht am Stück, so braucht man kein schweres Werkzeug und manuelle Geschicklichkeit, ausschließlich kleine Hummerschwänze werden hier köstlich gegrillt, gut 1300 wandern an guten Tagen aus der Küche. Es beginnt mit der berühmten Hummersuppe, der besten in ganz Island, dick, mit viel Sahne und Tomatenstückchen, die kann man als Vorspeise oder Hauptgericht haben, eigentlich muss man dann gar nichts mehr essen, aber man sollte noch viel Platz lassen für das Hauptgericht. Und das kommt dann gewaltig in einem großen Topf auf den Tisch, goldgelbe Hummerschwänze auf kleinen schwarzen Kartoffeln mit Zitrone und Petersilie in einem würzigen Sud, der allein schon die Fahrt wert ist. Dazu gibt es Dillgurken, Tomaten mit Basilikum, grünen Salat und Couscous und natürlich guten weißen Wein oder Bier. Das alles ist nicht ganz billig, anmelden muss man sich auch, alle Plätze waren belegt, ganze Gruppen mussten an diesem Abend abgewiesen werden, aber auf jeden Fall ein absolutes Glanzlicht erlesener Kochkunst, einfach, aber Top-Gourmet. Den vollen Magen beruhigten einige Gläschen schwarzer Tod und die späte Rückfahrt war doch recht besinnlich. Vielleicht auch deswegen, weil am nächsten Morgen die Maschine von ICELANDAIR um 07.25 Uhr in Keflavik abhob, zurück nach Frankfurt. Viel zu früh, viel zu schnell vergingen die Tage. Auf jeden Fall muss man aber zurück nach Island, es gibt dort noch so viel zu entdecken. Schließlich haben wir die hier lebenden Elfen und Trolle noch nicht gesehen, an die viele Isländer fest glauben, oder doch? Was war das, was nach einigen Gläsern „Brennivin“ da um uns herum wuselte?

Quelle: von Wolfgang Grüner auf www.eturbonews.de



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