Reisebericht Island

Von Akureyri zum Myvatn - Islands schöner Nordosten

11.10.13

Nach gut 3 ½ Stunden von Deutschland landet die Maschine der ICELANDAIR in Kevlavik, Islands Tor zur Welt.

Eine weitere Stunde später sitzen wir in der kleinen Maschine nach Akureyri, die vom Inlandsflughaven der Hauptstadt Reykjavik gestartet ist und fliegen gut 40 Minuten über das verschneite Hochland nach Norden. Wir hätten auch mit Bus oder Auto dorthin kommen können, aber das dauert fast einen ganzen Tag und kann jetzt, Ende Herbst Anfang Winter, schon nicht ganz problemlos sein. Akureyri ist eine von Islands größeren Städten, mit ca.18 000 Einwohnern und liegt nur rund 50 Kilometer südlich des Nördlichen Polarkreises am Eyjafjödurfjord, dem längsten Einkerbung Islands mit gut 60 Kilometer Länge und bis zu 24 km Breite. Sie ist Ausgangspunkt vieler touristischer Aktivitäten und genau die wollen wir in den nächsten Tagen erleben www.visitakureyri.is/en .

Nach ein paar Minuten Fahrt checken wir im schönen ICELANDAIR-HOTEL www.icelandairhotels.com ein und schon wartet im nahen Restaurant „BAUTINN“ www.bautinn.is ein spezielles Abendessen. Zur Einstimmung kippen wir einen „Brennivin“, hergestellt aus fermentierter Kartoffel-Pulpe und mit einem Kümmel-Aroma versehen. Er schmeckt stark, hat 37,5 % vol. und wird auch“ Der schwarze Tod“ genannt. Dann liegen ein Mink-Wal-Steak und Papageientaucher-Filet mit Kartoffeln, Gemüse und verschiedenen Soßen auf dem Teller und schmecken ausgezeichnet. Ein „Thule-Bier“ passt sehr gut dazu.

Der nächste Morgen begrüßt uns mit einem schönen Sonnenaufgang und wir fahren von Akureyri über schmale Straßen, durch kleine Wälder, umgeben von schneebedeckten Bergen nach Nordosten zum Wasserfall GODAFOSS inmitten einer wilden Lava-Landschaft. Der stürzt über einer Breite von ca. 30 m etwa 12 m in die Tiefe und zwängt sich in vielen weiteren Stufen wildschäumend durch die Lavafelsen, die mit einer Art Heidekraut bewachsen sind und jetzt in vielen Rot- und Gelbtönen leuchten. Hier sollen der Sage nach bei der Einführung des Christentums die letzten heidnischen Götterbilder entsorgt worden sein.

Über verschneite karge Hochflächen fahren wir weiter zum großen MYVATN-SEE, über der faszinierend öden Landschaft schimmert ein fahles Licht. Große Zuckmücken-Schwärme geben diesem See seinen Namen. Im Sommer sollen sich regelrecht schwarze Säulen am Ufer des Sees bilden, stechen tun sie nicht, ernähren aber viele Vögel und Fische. Am südlichen Ende liegen die Pseudokrater von SKÙTUSTADIR, entstanden nicht durch reine Lavaausbrüche, sondern durch explodierendes Wasser, das tief unterirdisch in größeren Mengen auf Lava traf und dann regelrecht in die Luft flog, beeindruckende Aufwürfe. Im Sommer ist das hier ein riesiges Vogelparadies, jetzt knabbern viele Schafe friedlich die karge Grasnarbe ab. Wir fahren am östlichen Seeufer entlang, vorbei an unzähligen Inseln, Felsnadeln und Vulkankratern, man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll und das alles in diesem fast unwirklichen Licht.

Unser Ziel ist der Naturpark mit dem Lavalabyrinth DIMMUBORGIR, nicht benannt nach der norwegischen Metal-Band von 1993, sondern umgedreht. Übersetzt heißt die überaus skurrile Landschaft etwa Götter- oder Dämmerburgen und da laufen wir jetzt ein kurzes Stück durch, es gibt viele gut zu gehende Wege, alles zu sehen braucht aber viel Zeit. Wie mit großer Wut regelrecht hingeschmissen und dann noch ein paar Mal kräftig durchgerührt liegt die ca. 2500-3000 Jahre alte Lavaformation aus Tuffstein viele Meter hoch in faszinierenden Formen durcheinander und lässt der Fantasie im Erkennen von Strukturen wie Türme, Häuser, Burgen, Ruinen, Tiere, gedrehte Bögen, Felsen mit großen Löchern usw. alle Freiheiten. Jeder sieht etwas anderes und alle sind begeistert, kein Wunder das dieses Labyrinth von Elfen und Trollen bewohnt sein soll. Es gibt auch ein dreistöckiges Elfenhaus mit Balkonen, keine schlechte Wohnanlage. Hier wohnen auch die 13 isländischen Weihnachtsmänner und erst wenn die ihre zum Teil bösen Scherze gespielt haben, kann das Fest kommen. Wenn es dunkel wird, möchte ich da nicht durch die Geröllwelt laufen, irgendwie unheimlich.

Unterwegs halten wir an einer kleinen Räucherei an und kaufen uns leckere Lachsforellenfilets für zu Hause. Zur Weihnachtszeit räuchert der Meister hier Hunderte von Lammkeulen, dem traditionellen Weihnachtsgericht der Isländer. Auch wir haben Hunger und essen im KAFFI BORGIR www.kaffiborgir.is/en frische gebratene Forellen mit Salat und der isländischen Spezialität dem Quellenbrot Hverabraud. Das ist eine duftende Köstlichkeit aus Milch, Wasser, Weizen, Zucker, Salz und Hefe, die eine Ähnlichkeit mit malzigem Pumpernickel hat, aber viel besser schmeckt. Die Herstellung ist in Island ganz einfach: Am Rande eines blubbernden Loches mit ca. 90 Grad heißen Schlammwasser gräbt man mit dem Spaten ein Loch in die Erde und versenkt dort einen Sack, in dem sich ganz normale, aber mit Klebeband fest verschlossene Milchtüten mit dem Teig befinden. Die schneidet man nach 24 Stunden auf und heraus kommt die Köstlichkeit. Mehr über Essen auf Island unter: www.restaurantführer24.de/feinschmeckertipps .

Wir machen uns wieder auf den Weg zur Lavaspalte oder Grotte GRJÒTAGJÀ. Diese diente früher als Badehöhle oder Gesetzlosen als Behausung. Heute wäre auf Grund der hohen Wassertemperaturen (um die 50 Grad) ein Bad im Grottenwasser lebensgefährlich. Ein Warnschild weist außerdem auf die einsturzgefährdete Höhlendecke hin, da anscheinend immer wieder mal ein Stück Fels runter kommt. Übrigens wurden hier einige Szenen der Fantasy-Fernsehserie „Game of Thrones“ gedreht.

An Fantasy erinnert auch die Landschaft der Schlamm- und Schwefelquellen Teufelsküche in der Nähe von NÀMASKARD , die wir anschließend besuchen und uns dabei genau an die Anweisung halten nur nicht vom Weg abzukommen, das ist äußerst gefährlich, leidvolle Beispiele gibt es. Aus kleinen Steinpyramiden schießt kochender Dampf und hüllt die Gegend in Rauchschwaden, da muss man schon mal stehen bleiben und warten, bis man den Weg wieder sieht. Daneben blubbern graue Schlammlöcher mit unsicheren Rändern, schwefelig gelb ist der Boden, der auch schon mal ganz schön heiß ist. Unser Fahrer bittet uns Plastiküberzüge über die Schuhe zu ziehen weil er den aggressiven Schlamm nicht im Fahrzeug haben will, nutzt aber nicht viel, an einigen Stellen war es doch zu heiß.

Am VITI, dem Höllenkrater werfen wir eine Blick ins graue Wasser, stellen uns ob der Größe die Gewalt des Vulkanausbruchs vor, was aber nicht gelingt und erreichen schließlich inmitten einer regelrechten Steinwüste eine Erdspalte. Der folgen wir zu den Wasserfällen SELFOSS und DETIFOSS am Fluss Jökulsá á Fjöllum. Dort geht es tief hinunter, der Basalt bildet in kräftigen Säulen die Wände. Deutlich sieht man den Weg, den sich die Wassermassen durch die Lava gefressen haben. Der SELFOSS liegt oberhalb des DETIFOSS. Das Wasser stürzt zuerst über den Selfoss 10 m in die Tiefe und nach etwa einem Kilometer über den Dettifoss. Als dritter Wasserfall folgt noch der 27 m hohe HAFRAGILSFOSS einige hundert Meter flussabwärts. Der Weg zu den Fällen ist etwas beschwerlich und nicht ganz ohne weil Schnee liegt und leicht gefrorenes Wasser sich im Boden verbirgt. Hin und wieder brechen wir ein, kommen aber mit nassen Schuhen wieder raus. Der Detifoss ist Europas leistungsstärkster Wasserfall mit einer Breite von etwa 100 Metern und stürzt über 45 Meter in die Tiefe. Es dröhnt und rauscht, unfassbar die weiß-grauen Wassermengen die die Luft mit Dunst erfüllen.

Es ist kalt und feucht, genau der richtige Zeitpunkt, um ein warmes Bad in der Lava zu nehmen. Und so legen wir uns in das 36-41 Grad warme Wasser des MYVATN-NATUR-BAD JARBODIN www.jarbondin.is und wärmen uns wieder auf, ein frisches Bier darf dabei nicht fehlen. Das nehmen wir auch später im Landhotel SEL-MYVATN www.myvatn.is zu einer Vorspeise aus gebeiztem Lachs und flambiertem Forellenfilet, es folgt die beliebteste isländische Hauptspeise Lammkeule mit Gemüse, bevor wir zurück nach Akureyri fahren. Wieder ist die Traumlandschaft durch ein unwirkliches Licht mit Nebelfetzen, Wolken und einer fahlen Sonne förmlich verzaubert, wie schön kann Natur sein.

Früh am nächsten Morgen geht es wieder los, diesmal mit dem Boot hinaus in den Eyjafjord, wir wollen Wale sehen. Kapitän Magnus gibt eine hohe Garantie und tatsächlich sehen wir nach kurzer Fahrt den ersten Blas und einen Walrücken, später noch mehrere der großen Tiere, sogar zwei dicht nebeneinander. Unbeeindruckt vom Schiff liegen sie fast unbeweglich nur ein paar Meter entfernt an der Oberfläche im ruhigen Wasser des Fjordes. Die Ausbeute ist super, 7 sehr große Buckelwale gesehen und fotografiert. Blauwale, Minkwale, Orcas und Delfine sind hier auch zu sehen www.ambassador.is .

Auf der anderen Seite der Stadt fahren wir hinauf in die Berge und besichtigen die beliebtesten Skipisten Islands. Es gibt 7Lifte von ca. 500 m bis hinauf auf gut 1000 m, die längste Strecke ist 2.5 km lang, die Berge haben 1538 m und bis dahinauf wird jetzt ein Lift gebaut. Alles was zu einer guten Skianlage gehört, gibt es hier und das nur 10 min von der Stadt entfernt. Skifahren mit Blick auf Wale, wo gibt es das schon? www.hlidarfjall.is . Das möchte ich gerne nächstes Jahr ausprobieren, Skifahren mal woanders.

In Akureyri gibt es ein breites Kulturangebot, eine moderne Kunst- und Konzerthalle, wo wir im Restaurant gut zu Mittag essen, sechs Museen, einen erstaunlich schönen botanischen Garten direkt neben dem Psychiatrie-Krankenhaus, einige Galerien, viele empfehlenswerte Restaurants, ein lebendiges Nachtleben und gute Geschäfte mit breitem Angebot, leider aber immer ein wenig teurer als anderswo. Island ist kein billiges Land, vielleicht ist das aber auch ein Vorteil von ein wenig Exklusivität. Etwas außerhalb lohnt sich ein Besuch im „NONNI-HAUS“, hier wurde der weltbekannte Kinderbuchautor Jón Stefán Sveinsson 1857 geboren, der in einer Bombennacht 1944 in Köln starb und auf dem Melaten-Friedhof begraben liegt www.nonni.is .

Längst haben wir nicht alles in der kleinen Stadt gesehen, noch viel mehr Attraktionen und Aktivitäten bietet die Umgebung, ein guter Grund, bald wieder zu kommen in den wunderschönen Nordosten Islands.

ICELANDAIR fliegt, zum Teil täglich, von Frankfurt, München, Hamburg und Zürich nach Keflavik bei Reykjavik www.icelandair.de

Quelle: eTN



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