Reisebericht

Texel – Insel Erlebniss

05.06.14

Ein Schäfchen...Zwei Schäfchen...Drei Schäfchen... Nein, ich zähle keine Schäfchen um einzuschlafen, sondern die Schaffelle, die um mich herum gewickelt werden.

Ein Schäfchen...Zwei Schäfchen...Drei Schäfchen... Nein, ich zähle keine Schäfchen um einzuschlafen, sondern die Schaffelle, die um mich herum gewickelt werden. Ich mache nämlich gerade „Woolness“ in einer kleinen Holzhütte im Garten des „Hotel Texel“, www.hoteltexel.com , im Örtchen De Cocksdorp auf der Insel Texel in den Niederlanden. Nachdem viele der grob gereinigten, überhaupt nicht kratzigen Felle um mich gewickelt, die Füße noch mit einer Fettcreme massiert wurden, lege ich mich in ein Holzbett und werde noch zugedeckt. Mein „Wollbad“, das es welteinmalig nur hier gibt, hat begonnen und tatsächlich schlafe ich auch bald ein. Zu angenehm sind die sanfte Wärme, die unaufdringliche Musik und das vielstimmige Vogelgezwitscher draußen. Das Lanolin in der Wolle sorgt für ein zartes Gefühl auf der Haut, ist sehr entspannend und gut gegen Rheuma und Hautkrankheiten, Schaf müsste man sein. Auf Texel leben etwa genauso viele Schafe wie Menschen. Jedes Frühjahr werden rund 11.000 Lämmer auf der Insel geboren. Am Ostermontag findet die traditionelle Lämmerwanderung statt. Außerdem gibt es eine spezielle Lämmerfahrradroute, die eine herrliche Tour durch die malerische Insellandschaft bietet. Nach dreißig viel zu kurzen Minuten werde ich wieder geweckt und während ich eine Tasse Tee schlürfe, überlege ich, warum ich überhaupt hier bin.

Indirekt hat es etwas mit den Schafen zu tun, ich möchte die größte Insel des Landes kulinarisch entdecken, um den leider weit verbreiteten Eindruck, hier gibt es nur Pommes, Fisch und Gouda, entgegen zu wirken. Dazu bin ich mit der großen Fähre in nur zwanzig Minuten von Den Helder hinüber gefahren und beziehe erst mal ein hübsches Zimmer im Hotel „De Lindeboom“ im Örtchen Den Burg. Örtchen deswegen, weil hier alles klein und überschaubar ist, denke ich jedenfalls, später weiß ich es besser.

Schon das Abendessen im Hausrestaurant „`t Schoutenhys“, www.lindeboomtexel.nl , ist groß, die Portionen klein, heißen deswegen „Gerechies“ (kleine Gerichte), sind aber dafür vielfältig ohne Ende. Es beginnt mit einem Kokosbrötchen mit Hühnchen, gefolgt von Lammwurstsalat, Kartoffelsalat mit Pesto und Pilzen sowie einer Bauern-Paté. Alles einzeln in kleinen Schalen oder Gläsern hübsch angerichtet, dazu eine Stange gegrillten Spargel mit einer sanften Jakobsmuschel. Gelungener Einstieg, dem eine Spargelsuppe mit Muscheln folgt. Das erste Hauptgericht ist Fisch, gedünsteter Kabeljau, bewacht von gebratenen Garnelen auf Risotto mit Gemüsestückchen. Das zweite Hauptgericht ist Fleisch und beginnt mit Schweinefilet und Ganda-Schinken, es folgt ein Rindereintopf, dazu kommt eine Quiche mit Rhabarber. Erst einmal eine kleine Pause, die aber unterbrochen wird von einem Teller mit einer Auswahl vom Käse der Insel, Kümmelkäse, Kuhmilchkäse und Schafskäse. Schließlich das Dessert, eine Crème Brulée, Fruchteis, Charlotten-Rolle mit marinierten Erdbeeren und einem Parfait. Ich entscheide mich, ganz prosaisch, dazu durchgehend das süffige einheimische „Texels-Bier“ zu trinken, Wein steht natürlich in angemessener Auswahl auch bereit. Ein Glas „Juttertje“, der Inselbrand aus vierzehn Kräutern mit einem Alkoholgehalt von 30 Prozent, verschönt mit seinem weichen, sanften Geschmack den rundum gelungenen Abend. Geschmack und Kreationen sind perfekt kombinierte Herrlichkeiten, dazu stilvolles Ambiente in einem Gebäude von 1652, einem ehemaligen Amtsgericht. Spannend ist, dass schon morgen die Zusammenstellung der „Gerechies“ wieder komplett anders sein kann, Überraschungen warten also darauf, wieder und wieder entdeckt zu werden.

Nach einem ausgezeichneten Buffet-Frühstück beginne ich, die Insel zu entdecken, ideal wäre das mit dem Fahrrad, Auto geht aber schneller, schließlich will ich nicht zu spät zum Mittagessen kommen. Vorbei an einer schlichten alten Kirche komme ich zum ältesten Haus der Insel, die übrigens hier „Tessel“ ausgesprochen wird und bin dann mitten im Wald. Den gibt es tatsächlich und der ist gar nicht klein. Ich klettere auf den Aussichtsturm, es gibt einen schönen Ausblick auf die Natur des Schutzgebietes De Slufter und den Strand in der Ferne.

Da wandere ich doch ein bisschen, Strand wie gemalt, weißer Sand, sanfte Dünung, über mir ein paar Wolken und viel Sonne, in der Ferne ein Leuchtturm, den Aufstieg spare ich mir. Später werde ich die Insel von viel höher sehen. Eine Windmühle kommt in Sicht, natürlich, das Klischee muss ja auch bestätigt werden, laut klingelnd reklamieren ein Dutzend Radler ihr Wegerecht, nebenan hat man eine Schafherde eng zusammengedrängt, die wird gerade markiert. Ich denke an das weitberühmte Lammfleisch von Texel, wegen seines speziellen "pré salé" Geschmacks ist es sehr beliebt. Durch den salzigen Boden und die Meeresluft ist das Fleisch der Lämmer, die hier geweidet haben, von Natur aus leicht gesalzen.

Aber Lammfleisch gibt es jetzt nicht, denn der kleine Hafen von Oudeschild wartet und dort speziell „De Oude Vismarkt“, www.deoudevismarkt.nl mit seiner herrlichen Fischauswahl. Den bekommt man sozusagen „auf die Hand“ und die Angebote sind alle verlockend. Da gibt es den frischen Fisch, eine Sektion mit Räucherfisch, Fisch- und andere Salate und drinnen noch Hummer Muscheln und Austern. Ich entscheide mich für „Kibbeling“, mundgerecht geschnittene Stücke vom frischen Kabeljau im Backteig, dann frittiert. Dazu eine „Joppiesauce“ aus Öl, Wasser, Zwiebeln und Curry und natürlich hervorragende Pommes Frites. Dann wandern noch eine dicke Salzgurke und ein Garnelenspieß auf den Teller, ich sitze in der Sonne und genieße das einfache, aber umso leckere Mahl, begleitet von einem Texel-Bier. Dann kommt der Chef und erklärt den Gästen die richtige Hummer-Zubereitung, mir aber genügt meine Auswahl, lecker kann so einfach sein.

Jetzt muss ich unbedingt etwas laufen und mein Weg führt mich in das unweit gelegene „Strandräuber-Museum Kaap Skil“ www.kaapskil.nl und bestaune, was man im Watt so alles findet, oder was die Nordsee an die Ufer schwemmt, „de zee meemt en de zee geeft“. Schließlich ist Texel 25 km lang und 8 km breit, eine Fläche von 58 ha, allein die Sandstrände im Westen, Norden und Süden sind zusammen genommen 30 km lang, dazu bieten die Deiche im Osten viel Fläche. Vom Flugzeugmotor über allerlei Gebrauchsgegenstände bis hin zu 8400 Flaschen, die eine Insulanerin gesammelt hat. Merkwürdigerweise kommen hier meist nur linke Schuhe an, die rechten schwimmen nach England. Das „strandräubern“ der „Jutter“ ist zwar offiziell verboten, wird aber durchaus immer noch gemacht, der Nachschub für das Museum ist also gesichert. Das Freilichtmuseum mit einer großen Windmühle bietet noch viel mehr, eingerichtete Wohnungen von Fischern und Handwerkern, gute Stuben, arme Katen und vieles mehr aus der Vergangenheit, hier kann und sollte der „Overkanters“ (Nicht-Texelaars) viel Zeit verbringen.

Die habe ich jetzt nicht mehr, denn ich schaue mir in der Nachbarschaft die „Texelse Bierbrouwerij“ www.texelsbier.nl an, wo das süffige Insel-Bier herkommt. Ein kurzer Vortrag bringt mir die verschiedenen Biersorten näher, bis auf eines nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, zehn Sorten des obergärigen Bieres mit einem Alkoholgehalt zwischen 5-10 % gibt es, manchmal kommen noch Biere zu einem bestimmten Anlass dazu. Sehr angenehm begleitet die Vorstellung des „endemischen“ Bieres (alle Zutaten kommen von der Insel, das Wasser dazu aus den Dünen) kleine Probiergläser mit der entsprechenden Sorte. Später im Biergarten setze ich die Probe fort, vier Biere stehen auf dem Tisch in kleine Holzbrettchen und verschwinden auch sehr zügig.

Im Hotel Texel lerne ich später eine weitere Spezialität kennen, die neben Getreide, Gemüsen und Saatkartoffeln angebaut wird, den Spargel. Zum Glück ist gerade Saison und ich gönne mir eine große Portion der leckeren Stangen, der Geschmack kann mit dem anderer bekannten Anbaugebiete ganz locker mithalten. Auf dem Teller finden sich dazu eine Art „Holländische Soße“ mit Ei, Schinken und Persilienkartoffeln. Als Vorspeise hatte ich eine Auswahl diverser Fleisch- und Schinkensorten als Carpaccio, umlegt mit Salat, rohem Gemüse und Sprossen. Zügig funktioniert der Nachschub, Spargel satt, bis zum Abwinken. Mäßig bleibt die Zufuhr alkoholischer Getränke, es geht früh ins Bett, denn am nächsten Tag will ich hoch hinaus.

Und so stehe ich früh am Morgen auf dem kleinen Flugplatz www.paracentrumtexel.nl und klettere in eine kleine Propellermaschine mit vier Plätzen und wir starten zum Inselrundflug. Ein besonderes Erlebnis die verschiedenen Landschaftsformationen von oben zu sehen, die Küsten von Insel und Festland mit Stränden und Deichen im Wechselspiel von Wasser, Watt, Strömungen, Wolken und immer wieder das wunderbare Licht in einem Meer von Weite. Hier oben könnte ich länger bleiben, andere stürzen sich dann aus dem Flugzeug nebenan raus und gleiten allein oder im Tandem zurück auf den Flugplatz. Hätte ich mich das auch getraut?

Wieder auf dem festen Boden setze ich meine Inselrundfahrt fort, es gibt ja noch so viel zu entdecken, Golfplätze, Hofläden mit feinen Inselprodukten, Dünen, die lebendigen Dörfer, schöne Gebäude, kleine Häfen, romantische Ecken überall, immer wieder Radfahrer, Kühe und Schafe und lande dann doch wieder in einem Museum. Das heißt „ecomare“ www.ecomare.nl , ein Zentrum für Wattenmeer und Nordsee, ist riesig und deshalb kaum an einem Tag zu schaffen. An Dutzenden von Plätzen lernt man alles über Meer und Land, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und wie wir mit diesen Gegebenheiten umgehen, was falsch ist oder richtig. Gerade für Kinder ungeheuer interessant, besonders beim mit- oder selber machen. Es beeindrucken die riesigen Walskelette (2012 wurde ein großer Pottwal hier an den Strand gespült) , die vielen verschiedenen lebendigen Wesen aus dem Meer und vom Strand in kleinen und großen Innen- und Außenbecken, besonders die Seehunde und Kegelrobben in der Aufzuchtstation, so nahe, das man sie fast berühren kann.

Schauen und erleben macht hungrig und so nehme ich Platz im „Strandpavillon Paal 17“ www.paal17.com direkt am langen Sandstrand, übrigens der ausgezeichnete „Beste Strandpaviljon van Nederland 2014“. Als Vorspeise nehme ich eine sehr wohlschmeckende Shi-Take-Pilzsuppe mit würzigem Körner-Gewürz-Brot, die Pilze werden –natürlich- auch auf Texel angebaut. Danach folgt –endlich- ein grandioses „Dreierlei vom Lamm“, Keule, Steaks und Würstchen, begleitet von Kräuter-Kartoffelsalat, Pommes satt und einem gemischten Rohkost-Salat. Ein Bier passt dazu. Dinieren „Aan Zee“ im Sonnenschein mit Blick auf Strand und Meer, muss man mehr haben um glücklich zu sein?

Eigentlich nicht, einkaufen will ich aber dann doch noch, einige der besten Produkte mitnehmen und beschließe meinen Aufenthalt auf der wunderbaren Insel bei „Oesters & Meer“ www.oestersenmeer.nl in der Inselhauptstadt Den Burg. So ganz nebenbei probiere ich im Laden frische Austern der verschiedenen Sorten, ein weiteres genussvolles Erlebnis.

So viel habe ich auf Texel erlebt, gesehen und genossen und doch war es nur ein kleiner Ausschnitt vorhandener Möglichkeiten, viel mehr wartet noch darauf, entdeckt zu werden. Das heißt definitiv: wiederkommen! Es bewahrheitet sich wieder mal der Spruch: Man muss nicht so weit reisen, das Gute liegt so nahe, eben auf Texel.

Mehr Informationen unter: www.texel.net und für Feinschmecker gibt es eine besondere Veranstaltung: „Texel Culinair“ www.texelculinair.nl vom 12. bis 14. September 2014. Dort werden Sie mich finden!

Autor: Wolfgang Grüner



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