Reisebericht

Von Sozopol nach Kaliakra – Bulgariens schöne Küste

14.07.14

Eigentlich wollte ich noch ein wenig in Burgas spazieren gehen, aber die Fluggesellschaft BULGARIA hatte wohl etwas dagegen. Dabei hatte es so gut angefangen. Mit Lufthansa von Köln nach München und weiter nach Sofia, überpünktlich!

Dann drei Stunden Aufenthalt und um 16.35 Uhr weiter mit BULGARIA nach Burgas. Kurz vor dem Termin eine undeutliche Lautsprecherdurchsage, der Flug ist auf 22.35 Uhr verschoben, angeblich technische Gründe. Eine Auskunft am Schalter bestätigt das leider. Das heißt, gute sechs Stunden warten auf dem wenig einladenden Flughafen, auch weil mitgeteilt wird, eventuell doch früher. Aber nichts tut sich, Betreuung, Service, weitere Informationen: Fehlanzeige! Nach zwei Stunden, auf Nachfrage am Schalter, gibt es eine 03 l Flasche Wasser und ein Plastikhörnchen, bei dem die Verpackung wahrscheinlich besser geschmeckt hätte, was für ein Service! Auf dem Münchner Flughafen hatte ich am Morgen so am Rande eine Durchsage mitgehört: „Fluggäste der Fluglinie XY werden ins Restaurant gebeten, da sich der Abflug um ca. zwei Stunden verzögert“. In Sofia: nichts! Schließlich geht es dann um 22.35 Uhr wirklich die gut 50 Minuten nach Burgas, meine Abholer schauen müde und wir fahren gleich weiter ins Hotel nach Sozopol. An der Bar spülen ein Bier und ein doppelter Rakija den Ärger weg und geben die notwendige Bettschwere. Wieder zu Hause werde ich mich um die Fluggesellschaft kümmern.

Strahlender Sonnenschein am anderen Morgen beim Frühstück auf der Terrasse des familienfreundlichen und nicht teuren Hotels „Laguna Beach Resort & Spa“ www.lagunabeachresort.net direkt am Pool. Alles da am Buffet, nur die Schwalbennester direkt über dem Tisch stören ein wenig. Später schaue ich mir den feinen Sandstrand an, da muss man weit rein laufen, bevor man schwimmen kann, das ist gut für Kinder. Allerdings ist das Wasser recht trübe, liegt aber an dem schweren Unwetter, das die Küste Mitte Juni getroffen hat, Spuren davon finden sich noch überall. Auch die Stadt Sozopol selbst hat schöne Strände mit Sand, wer lieber Steinstrand mag, auch den gibt es. Ich bummele durch die engen Gassen, schöne alte Holz-Häuser, nette Restaurants auf den Klippen mit guter Küche und Aussicht auf die Bucht und drei Inseln. Die Preise sind durchaus angenehm, um nicht billig zu sagen. Das gilt auch für die vielen Geschäfte in der Altstadt, um was wirklich Gutes zu finden, muss man aber lange suchen. Mich zieht es ins Museum „Südliche Festungsmauer und Turm“, das mir die Geschichte der 2600 Jahre alten Stadt in interessanten Stücken und Gebäudeteilen näher bringt. Es gibt einen Laufzettel auf Deutsch, stimmige Konzeption, alles sehr liebevoll und gut gemacht. In einer Kirche nicht weit entfernt, werden stolz Überreste eines Menschen gezeigt, es sollen die von „Johannes der Täufer“ sein, die man 2010 auf eine der vorgelagerten Inseln in einer antiken Klosterkirche gefunden hat. Wesentlich frischer sind dagegen die Torten, Kuchen und das Speiseeis, das in verlockender Vielfalt überall angeboten wird, Schritt für Schritt schmilzt der Widerstand. Viele ältere Männer sitzen auf niedrigen Mauern, freuen sich über die Sonne und den Ruhestand, die Renten aber sind niedrig. In einem der Restaurants auf den Klippen genießen wir ein wohlschmeckendes Abendessen, das wie üblich in Bulgarien, mit einem großen Salatteller beginnt. Besonders lecker die grüne Paprika, gefüllt mit „Sirene“, aromatischen Schafs-Frisch-Käse, danach gefüllte Champignons und Weinblätter. Während über den Inseln die Sonne spektakulär untergeht und sich in den gut gefüllten Weingläser wider spiegelt, kommt in einer irdenen Terrine unter der ein Feuerchen brennt, mit Käse überbackenes Fleisch mit Gemüse und Kartoffeln gerade recht. Längst ist die Sonne weg, aber die Weinflaschen noch nicht leer, da müssen wir noch lange sitzen.

Das nächste Ziel heißt Nessebar und dahin fahren wir mit dem Tragflügelboot aus alter russischer Produktion, robust und schnell, vorbei an Hotelkomplexen und einer riesigen, hohen Sanddüne mit Strand hinein in den kleinen Hafen. Der Stadt soll die schönste bulgarische Stadt an der Schwarzmeerküste sein. Die Altstadt, seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe, bietet viele historische Gebäude, gut erhaltene antike Ruinen, Reste einer ehemaligen gewaltigen Festung, teilweise noch nicht ausgegraben und Kirchen mit sehenswerten Wandmalereien. Mehr antike Stadt liegt in der Bucht unter Wasser, im Laufe der Jahrhunderte versunken, tauchen wäre hier interessant. Im Museum „Alt Nessebar“, auch wieder gut und interessant vorgestellt, wird die Vergangenheit lebendig, erstaunlich wie „modern“, fast surrealistisch, Darstellungen auf Tonscherben uns aus der Tiefe der Zeit anschauen.

Bildung macht hungrig, es ist Mittagszeit und in einem schön gelegenen Restaurant hoch über dem Meer gibt es heute ein „Gastmahl des Meeres“, um mal eine alte DDR-Bezeichnung zu benutzen. Der unerlässliche Salat ist diesmal mit frittierten Fischstreifen aufgewertet, zwischendurch kommt ein gutes inländisches Bier dazu, es folgt ein Vorspeisenteller. Darauf liegen gegrillte Brotstücke mit einer Art Matjes, rote Zwiebeln und Tarama aus Fischrogen, Weißbrot, Öl und Zitrone gemischt, eine meiner Lieblingsspeisen. Zwischendurch schaue ich mir die Speisekarte an, die Auswahl ist groß, die Preise klein und das gilt hier für eigentlich alle Restaurants. Dann steht ein großer Teller frischer Muscheln da, gleich gefolgt von einer Platte mit allerlei Fisch, gesotten, gegrillt, frittiert, gefüllt, mit Gemüse und Kartoffeln, das ist gar nicht zu schaffen, auch weil das alles wirklich ausgezeichnet schmeckt.

Weiter geht die Fahrt, wir erreichen Varna. Von einer Brücke sehe ich die Stelle, an der leider einige Menschen im Unwetter starben, die Meeresbucht ist ganz schlammig und Wasser läuft noch aus dem Hinterland über die Fläche, wo einst Häuser standen. Die quirlige Stadt durchqueren wir ohne uns groß aufzuhalten, unser Ziel ist das „Thracian Cliffs Golf & Beach Resort“ www.thraciancliffs.com ,für die nächsten Nächte ist die spektakuläre Anlage unser Heim und das werden wir genießen, geboten wird hier nämlich sehr viel. Das Resort liegt in der Nähe der Stadt Kavarna. Die ist kein Badeort, weil es kaum Strand gibt, aber unter Musikfans bekannt und berühmt. Das Kavarna-Rock-Fest lockt jedes Jahr Ende Juni Tausende von Heavy Metal-, Hard Rock- und Rockfans an, der Bürgermeister ist wohl der größte Fan. Viele weltbekannte Bands sind hier schon aufgetreten, in riesigen Bildern auf Hauswänden sind einige Künstler verewigt. Eine Alternative zum manchmal etwas aufdringlichen „Balkan-Pop“, der hier überall und jederzeit dudelt.

Die Zufahrt zum Bett allerdings gestaltet sich nicht ganz so einfach, unser Kleinbus hat alle Mühe die Straße zu benutzen. Die ist vom Unwetter unterspült, abgesunken, zerbrochen, manchmal nur über schmale Ränder befahrbar, gut dass der Fahrer zaubern kann, gerade beginnt man mit den Bauarbeiten. Ich beziehe ein Zimmer in der Hillside Village, 350m über dem Meer halbmondförmig in den Klippen gelegen mit spektakulärer Aussicht, dort gibt es 87 Suiten und 3 Außenpools, einer liegt genau unter meinem Zimmer und da bin ich auch bald drin. Es wird Zeit zum Abendessen, das Restaurant im Resort aber ist weit entfernt, laufen würde lange dauern, denn die sehr weitläufige Anlage besteht aus zwei Teilen, welche durch einen See getrennt sind. Aber kein Problem, ein Anruf an der Rezeption und kurz danach kommt ein Fahrer mit einem Golf Cart -ein Service, den man zu jeder Zeit nutzen kann, wie angenehm- und fährt mich zum Restaurant am Bendida Beach, nur ein paar Schritte vom Wasser entfernt. Das ist der Hauptstrand des Resorts und wurde im eleganten marokkanischen Stil mit hellem Sand angelegt. Er ist 1,8 Kilometer lang und bietet Besuchern und Gästen tagsüber sowie am Abend verschiedene Unterhaltungsmöglichkeiten. Zur Einstimmung gibt es eine kleine Weinprobe bulgarischer Erzeugnisse, der Weißwein ist gut, der Rosé hat kaum Flair, aber der „Santa Sarah Merlot“ 2011 vom Weingut Santa Sarah AD Region Donauland aus Stara Zagora überrascht positiv, bei dem bleibe ich. Eine kleine Auswahl diverser Käsesorten verkürzt die Zeit bis zum servieren. Ich wähle einen gemischten grünen Salat mit Rucola, verfeinert mit einem lauwarmen topping aus Blauschimmelkäse, gefolgt von einem Fisch mit umfangreichen Beilagen, auf den Punkt gebraten und kongenial gewürzt, sehr gut. Ein frischer Fruchtsalat rundet das Mahl ab, beim Rotwein bleiben wir noch lange in der zauberhaften Atmosphäre sitzen, bis uns das Golfwägelchen nach Hause bringt.

Der nächste Tag beginnt mit einem späten und entspannten Frühstück auf der Terrasse im „Geti“ Restaurant am Klippenrand. Unten schäumt das Meer, auch hier ist es noch hell gefärbt vom Unwetter. Später erkunde ich die Anlage zu Fuß und mit dem Cart, schaue mir die Golfanlage an, von der der bekannte Spieler Gary Player sagt: „"You will not find a golf course like this anywhere else on the planet". Ich verstehe nichts von diesem Sport, der 18 Loch Platz, umgeben von rauen Küstenkliffs und dem Türkis des Schwarzen Meeres, ist wohl einer der spektakulärsten und dramatischsten auf Erden, sagt man. Schön anzuschauen ist er allemal, auch die Spieler aus aller Welt äußerten sich ähnlich und waren wohl alle sehr zufrieden. Ich verziehe mich in den Spa & Fitness-Bereich, ein peeling und eine Kräuteröl-Massage kommen mir jetzt gerade recht. Das Spa ist elegant und geschmackvoll eingerichtet in einer Mischung aus thrakischen und marokkanischen Stilelementen. Besondere Spezialität sind Behandlungen und Anwendungen mit den weltbekannten Naturprodukten Bulgariens: Rosenöl aus dem Kazanlak-Tal, Joghurt mit dem Bacillus Bulgaricus, Mavroud-Trauben, Heilschlamm aus dem Schwarzen Meer und Kräuterhonig der Region. Außerdem gibt es einen originalen Hammam, in dem die besten marokkanischen Anwendungen für den ganzen Körper angeboten werden, genau richtig, um die vom Golf spielen angestrengten Körper wieder zu entspannen.

Am Nachmittag fahren wir nach Baltschik, eine kleinen Hafenstadt, die von 1913 bis 1940 zum Königreich Rumänien gehörte. Die damalige Königin Maria war von der Schönheit der Gegend begeistert und ließ 1924 ein kleines Sommerschloss „Stilles Nest“ und einen terrassenförmigen botanischen Garten errichten und das alles besichtigen wir jetzt. Und verstehen kann man sie, es ist wirklich sehr schön hier. Wir wandern durch bunte Blumenbeete, Baumalleen, vorbei an orientalischen Tempeln, Säulenhallen, vielen Wasserläufen mit Brücken, Wasserfällen und den an den Hang gebauten Gebäuden, alles sehr verwunschen und romantisch. Einen Kakteengarten gibt es auch noch, erstaunt erfahre ich, das die über 250 verschiedenen Pflanzen im Herbst in ein beheiztes Glashaus umgeräumt werden, weil es hier im Winter sehr kalt werden kann, was für eine Arbeit. Viel Arbeit hat sich auch Anna Koleva gemacht, die vor vielen Jahren, wie sie sagt, morgens aufwachte und beschloss –ohne jede Erfahrung- aromatisierten Wein herzustellen. Das ist ihr auch hervorragend gelungen und probieren kann man viele verschiedene Sorten im „Queens Winery House“ www.queenswinehouse.com im Schloss. Ungewöhnliches kommt da ins Glas, Wein mit Honig, mit Mandeln, aus Wassermelonen, mit Rosenöl, aus gefrorenen Äpfeln, Rauchwein, Brandy aus Kürbis und vieles mehr, fast alles schmeckt grandios. Die Köstlichkeiten kann man da auch kaufen, leider nicht die Flaschen in der kleinen Ausstellung, die sind zum Teil bis zu Hundert Jahre alt und immer noch gefüllt, da würde ich gerne mal probieren. Im Restaurant nebenan gibt es ein vorzügliches Abendessen, beginnend mit gefüllten Käse-Zucchiniröllchen, mit Jogurth-Kräuter-Soße, dann viel gegrilltes Balkangemüse und dazu einen aromatisch gewürzten Lamm-Rollbraten, sehr sehr lecker!

Am folgenden Tag schaue ich mir Strände, Kurkomplexe, Hotels und Ferienanlagen am Sonnenstrand und am Goldstrand an. Das heißt: Breite Strände mit Hunderten Sonnenschirmen in Reih und Glied, viele Hotels aller Preisklassen mit großen Poollandschaften, überall Souvenirstände, viele Läden und leider auch besonders am Goldstrand richtige Rummelplatz-Anlagen mit entsprechendem Publikum. Kurz zusammengefasst: Albena ist das größte Medi Spa- und Wellnesszentrum Bulgariens und gut geeignet für Gesundheitstouristen, am Sonnenstrand fühlen sich Familien mit Kindern sehr wohl und am Goldstrand besonders Jugendliche. Mit viel lauter Musik, Diskoatmosphäre, billigen Getränken (und davon viel) ist hier Tag und Nacht Party. Wer das mag, kommt hier voll auf seine Kosten und die sind gar nicht so hoch.

Ich verziehe mich lieber weiter nördlich zum archäologischen Reservat „Kaliakra“ am gleichnamigen Kap, Rumänien ist hier ganz nahe. Weit geht die schmale und gut 70 m hohe Felszunge ins Meer hinaus, ist stark zerklüftet und ausgehöhlt, rotgolden schimmernd ragt sie wie ein langer, rostiger Keil ins Meer hinaus. Tief unten spielen eine große Menge Delfine im Wasser, scheinbar ist heute gemeinsames Toben angesagt, es sind wirklich sehr viele und man kann sich kaum von dem schönen Schauspiel lösen, auch Robben gibt es hier. Auf dem Weg zum Ende, also zum Kap, gibt es viele, halb ausgegrabene bis zu 2500 Jahre alte Ruinen von Thrakern, Byzantinern und Römern, sowie ein Festungstor mit entsprechenden Mauerresten. Ganz oben auf dem Plateau steht eine halb leere Militäranlage, völlig überflüssig, da könnte man etwas viel Schöneres draus machen, wenn man denn die Chance erkennen würde. Etwas unterhalb führt der Weg zur Spitze zu einer kleinen Kapelle und einem Torbogen mit einem wunderbaren Ausblick, romantisch und ein wirklich schönes Fleckchen Natur. Es gibt ein kleines interessantes Museum und ein Restaurant, da steckt der Koch gerade ein Lamm auf den Spieß über dem Holzkohlegrill, das gibt es aber erst am Abend, also nicht für mich, schade. Wir beschließen den Tag mit einem Festessen auf der „Muschelfarm Dalboka“ www.dalboka.bg , direkt am Meer gelegen und über eine schmale, sehr steile Straße zu erreichen. Draußen in der Bucht liegen die Muschelbänke, das Meer wildbewegt, die Küstenfelsen steil und zerklüftet, schöne einsame Ecke. Zuerst freuen wir uns auf ein gepflegtes „Kamenitza“-Bier aus bulgarischer Produktion, süffig, wie die Biere hier im Allgemeinen, ein gekühlter fruchtiger Weißwein passt auch gut. Es gibt ca. 80 verschiedene Muschelgerichte, die Auswahl erschlägt. Also bestellt jeder etwas anderes, so kann auch jeder vieles probieren. Und dann kommen riesige Platten, gefühlte Tonnen von Muscheln, mal als Salat, gekocht, gegrillt, gebacken, als Würstchen, als Bällchen, in Paprika und so weiter in grandioser Vielfalt, dazu das übliche Balkan-Gemüse und gegrilltes Brot. Ich empfehle besonders die Suppe „Sea Mirage“ mit einer Gewürzsoße dazu, die schmeckt einfach toll! Stundenlang haben wir hier gegessen, ein besonderes und vor allen Dingen äußerst wohlschmeckendes Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Das gilt natürlich für die ganze bulgarische Schwarzmeerküste. Gesehen habe ich nur einen kleinen Ausschnitt, so viel mehr gibt es noch zu entdecken, da reichen ein paar Tage nicht aus. Überlaufen ist es nirgendwo und außerhalb der kleinen und großen Centren richtig einsam – aber immer wunderschön. Was heißt das? Öfters wiederkommen! Auf jeden Fall!

Autor: Wolfgang Grüner



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