Bad Krozingen und Münstertal – Baden, Kuren, Wandern mit Genuss

03.05.15

Die Vita Classica-Therme entdecken und erleben
Hüllenlos, schwerelos und sorglos liege ich in einem kleinen Becken aus Naturstein, gefüllt mit Thermalwasser aus der Nena-Quelle, das ist sehr gesund, hat einen hohen Mineraliengehalt, eine optimale Kohlensäurekonzentration und ist gut 39 Grad warm. Auf dem Rand stehen eine Kanne mit grünem Tee, scharfe Wasabi-Kräcker, getrocknete Früchte, Nüsse und ich harre der Dinge die da noch kommen sollen.

Aber erst Mal ist Entspannung angesagt im „Japanischen Bad“ in der „Vita Classica-Therme“ im Kurpark von Bad Krozingen. Dann werde ich von der freundlichen Behandlerin auf eine Futonliege gebeten und der ganze Körper abgerieben mit Kirschkernschaum, Peeling also. Das tut sehr gut und ich darf nach dem Duschen wieder in meinem Becken entspannen. Danach gibt es eine Ganzkörpermassage mit Kirschkern-Bodygelée und -Öl, wunderbar. Nach gut zwei Stunden schaue ich mir tiefenentspannt und duftend die Thermenanlage an. Gleich nebenan hier im Wohlfühlhaus gibt es ein Marokkanisches-, Indisches- und ein Türkisches-Bad, also eine schöne Auswahl weiterer Verwöhnmöglichkeiten, Die Preise dafür sind nicht ganz so entspannend, so zwischen 100 bis 160 Euro, aber allemal ihr Geld wert. Es gibt sehr viele Sonderangebote und spezielle Arrangements, auch in Verbindung mit Hotelaufenthalten, da lässt es sich gut sparen, die Tourist-Information neben der Anlage hilft da gerne weiter. Anfangs etwas verwirrend vielseitig ist die große Thermenanlage in stilvollem antiken Ambiente mit Thermalbad und Saunaparadies, viele Becken, Saunen, überall Pflanzen in kleinen Themengärten und Ruhemöglichkeiten, da braucht man Tage um alles auszuprobieren, das alles zu beschreiben würde hier zu weit führen. Dazu die medizinischen Einrichtungen, Sportmöglichkeiten, Kosmetik, Massagen usw., besonders fielen mir Fahrräder auf, die im Wasser stehen. Für fast undendliche viele Krankheiten, die es nun leider mal gibt, hat man in Bad Krozingen Behandlungsmöglichkeiten geschaffen und gekurt wird hier übrigens schon seit 1914.

Durch den Kurpark ins Städtchen und zum feinen Abendessen in Biengen
Der überaus gepflegte Kurpark, durch den das Flüsschen Neumagen fließt, mit den vielen schönen Blumenbeeten, eigentlich eher eine Kurlandschaft, ist riesig, spazieren kann man hier stundenlang, oder sich im Café hinsetzen und dem virtuosen Kur-Orchester lauschen. Das will ich auch, habe aber Mühe einen freien Stuhl zu finden, begehrt sind die Plätze nicht nur von älteren Leuten, auch jüngere Menschen genießen hier eine Auszeit. Später schaue ich mir Bad Krozingen an, klein, aber fein. Für den Gast gibt es Unterkünfte jeder Preisklasse, viele Kliniken und für das leibliche Wohl bietet eine breite Palette gute Wahlmöglichkeiten. Gepflegte Straßen, viele Geschäfte mit interessanten Angeboten, Leerstände (wie oft in anderen Kurorten) gibt es nicht, die Nähe zu Schweiz und Frankreich macht sich positiv bemerkbar. Das macht sich auch der Magen und so fahre ich in den Ortsteil Biengen ins „Gasthaus Zur Krone“ um mich vom innovativen Koch Sascha Kölsch überraschen zu lassen. Der verzichtet bewusst auf modisches Food-Design, legt dafür mehr Wert auf die einzelnen Geschmackskomponenten. Im gemütlich-rustikalen Innenhof kommt, nach der Empfehlung der gute Wein vom Weingut Heinemann aus Ehrenkirchen-Scherzingen, ein kleiner Gruß aus der Küche, serviert vom Koch selbst. Danach folgen gebratene Wachtelbrüstchen mit Morchelsauce und breiten Nudeln, eine Bärlauchsuppe mit gebratenen Zanderbäckchen mundet vorzüglich. Jetzt gegen Ende April ist im Markgräflerland der Spargel schon reif und so kommt ganz traditionell der Stangenspargel mit Sauce Hollandaise, Kalbsrücken und Kräuterflädle, hervorragend. Den Abschluss bildet eine Créme Brûlée mit Rhabarberkompott. Zum Glück scheint der Wein nie zu Ende zu gehen, dabei bleibe ich noch länger, bevor ich zurück gefahren werde ins angenehme Hotel „Eden“, gegenüber der Therme.

Vom Duft- Kräutergarten im Kurpark zum Weinerlebnispfad mit Weinproben
Wunderschönes Wetter am anderen Morgen, gut geeignet, um im Kurpark vorbei am neuangelegten See, der Übungsgolf-Anlage, dem Café am See und dem Kinderspielplatz zum Duft- Kräutergarten zu spazieren. Das ist das bemerkenswerte Refugium der Familie Hunder. Stefan ist Holzbildhauer, überall stehen die von ihm geschaffenen sehr unterschiedlichen Skulpturen harmonisch in der Landschaft, während Teresa sich um die gut 1000 qm mit den über 400 verschiedenen Pflanzenarten kümmert. Wer schon immer etwas über Kräuter und Pflanzen wissen wollte, hier ist man genau an der richtigen Stelle, die Frau weiß einfach alles und erklärt verständlich, schön, das man die Natur auch schmecken, riechen und anfassen kann. Über offenem Feuer hat sie in einem schweren Pott ein Eintopfgericht vorbereitet, das ich gleich probiere, na ja. Aber ich war zu schnell, es kommt noch eine Handvoll gerade frisch geschnittener Kräuter dazu und dadurch schmeckt es dann wirklich grandios, welche Veränderung. Besonders liegen Teresa Führungen für Kinder am Herzen, sind diese doch leider meistens gar nicht mehr mit der Natur vertraut und stark zunehmend erfreut der Kräutergarten immer mehr interessierte Besucher jeden Alters.

Dermaßen gestärkt bin ich fit für einen Teil des „Wein-Erlebnis-Pfades“, der beginnt gleich am Ortsrand südlich der Thermenallee. Unter kundiger Führung des jungen Winzers Herrn Scherer gestaltet sich die lockere Wanderung zur profunden Unterrichtsstunde, nicht nur in Sachen Wein. Der Mann weiß einfach alles, macht aus jeder noch so „dummen“ Frage eine kluge Antwort und demonstriert das anschaulich mit Blättern, Reben, Erden usw. Auch stehen große und kleine Tafeln am Weg, wo man vieles nachlesen kann. Dazu gibt es den tollen Rundblick über die sanft gewellte Gegend mit den Weinbergen bis hin zu den nahen Bergen des Schwarzwaldes, wie den 1414 m hohen Belchen, den 1165 m hohen Blauen, oder hinüber über die breite Rheinebene, zu den nahen Vogesen. Der angenehme Nahblick fällt auf einige Flaschen Wein der Sorten Gutedel, Riesling und Müller-Thurgau und somit gibt es nicht nur Sonne am Himmel, sondern auch im Glas.

Am späten Nachmittag besuche ich das mit vielen Preisen ausgezeichnete Weingut Waßmer im Ortsteil Schlatt und da gibt es eine richtig professionelle Weinprobe mit Weinen aus der idyllischen Hügellandschaft des Breisgau. Wie viele Weine ich probiere, weiß ich gar nicht mehr, Spitzenerzeugnisse der Sorten Sauvignon Blanc, Viognier, Muskateller, Gutedel, Rivaner, Syrah, Riesling, Chardonnay und besonders die Variationen der Burgundertraube. Am Anfang wird nur ein Schlückchen probiert, der Rest (leider) ausgegossen, aber anders ist das auch nicht zu schaffen. Bei Spätburgunder, Frühburgunder, Grauer Burgunder, Weißer Burgunder und Auxerrois werde ich zögerlich mit dem Ausgießen, zu gut schmecken die prachtvollen Erzeugnisse. Inzwischen ist es Abend geworden, Zeit etwas zu essen. Auf den Tisch kommen, geliefert von Feinkost Kopf aus Bad Krozingen, eine Spargelcremesuppe, Frühlingssalat der Saison, eine Quiche Lorrain, die Mousse au Chocolat lasse ich weg, widme mich dafür lieber meinem neu erkorenen Lieblingswein, einem trockenen 2011er Spätburgunder CCL, eine vollendete Harmonie aus Frucht und vollmundiger Kraft. Richtige Weinkenner beschreiben ihn so: „Strahlend leuchtendes, klassisch helles Burgunderrot mit blauen und orangen Reflexen. In der Nase ungemein fruchtig-herb und klar mit leichter Andeutung von Bitterschokolade. Intensive Beerennoten und ein Hauch vom Rumtopf bestechen auf dem Gaumen. Eine burgundisch offene Struktur verleiht dem Wein seine feine Trinkbarkeit“. Besser hätte ich es auch nicht sagen können, besonders nicht, als in angenehmer Gesellschaft der Abend spät endet.

Durchs Münstertal mit Käserei zum Teufelsgrund
Nur gut 10 km weiter von Bad Krozingen hat sich die Gegend völlig verändert, das Münstertal ist eingerahmt von hohen Bergen und es geht Richtung Belchen und dem 1284 m hohen Schauinsland. Hier liegen gleich zwei „Mystische Orte am Oberrhein“, nämlich der Belchen (Sonnenberg) und die ehemalige Benediktinerabtei „St. Trudpert“. Das mächtige Gebäude mit Friedhof, Kräutergarten und den markanten drei großen Bäumen in wundervoller Landschaft wurde wohl um 640 vom irischen Mönch Trudpert gegründet. Scheint aber kein angenehmer Chef gewesen zu sein, kurz danach wurde er von den eigenen Leuten mit einer Axt erschlagen. Am Ort des Frevels entspringt seit damals eine heute hochverehrte Quelle. In der interessanten Stiftskirche finden sich die verschiedensten Baustile, nicht immer harmonisch. Sehr harmonisch dagegen das Musikstück, das mir überraschend der örtliche Tourismuschef Thomas Coch auf der kleinen Orgel vorspielt. Heute dient das Kloster, geführt von den Schwestern vom Heiligen Josef, als Ort der Ruhe und Besinnung. Die Angebote wie geistliche Wandertage, Exerzitien oder Wüstentage und die Gästehäuser St. Josef und St. Agnes stehen allen Menschen offen, die Stille und Erholung oder einen Ort für Tagungen und Seminare suchen. Darüberhinaus gibt es verschiedene andere Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Bemerkenswert an der Gegend ist der fast hochalpine Charakter der Landschaft, es gibt viel Wald aber auch große freie Almflächen. Da weiden überall Ziegen und halten die Flächen frei, für Kühe sind die Almen viel zu steil. Unversehens sehe ich im Kaltwassertal ein Schild: „Käserei Glocknerhof“, da muss ich hin. Eigentlich ist noch Mittagspause, aber die freundliche und kompetente Frau Glockner – Brenneisen, macht eine Ausnahme und gibt Einblicke in die Käseherstellung und die verschiedenen Erzeugnisse. Natürlich probiere ich und erstehe überzeugt einen ganzen Bergkäse, der muss zuhause aber noch reifen, auch eine köstliche Ziegen-Salami geht mit. So nebenbei erfahre ich, das auf dem Gelände der Käserei die letzten Jahre so einiges los war, „ARTE“ drehte hier den Film “Wie das Land, so der Mensch”, es gab Dreharbeiten zu einem koreanischen Film über Bauern im Schwarzwald, der Heimatfilm "Schöne Aussicht" spielte hier und der bekannte Fernsehkoch Horst Lichter drehte eine Folge seiner Fernsehserie "Lichters Originale - Unterwegs im Markgräflerland", übrigens wohnt er nicht weit entfernt in Badenweiler.

Ich verlasse das Kaltwassertal und fahre auf engen Wegen und kurvenreichen Sträßchen weiter, wandere kurz in Richtung Neumagenquelle und lande schließlich am Fuße des Schauinsland im Teufelsgrund. Hier gibt’s es ein Besuchsbergwerk, in das man hinein laufen kann. Irgendwann zwischen 800 und 1028 begann hier der Silberabbau, später Blei und Flussspat, 1958 wurde die Anlage geschlossen und 1970 als Besuchsbergwerk wieder partiell geöffnet. Durch lange, tropfende Gänge und über Eisentreppen kann der Besucher die schwere Arbeit von damals nach vollziehen, an vielen Stellen schimmert und blinkt es zuweilen noch. Kalt ist es hier unten, aber die Luft ist im Stollen ist sehr rein, deswegen wurde eine spezielle Asthmatherapiestation in einem Seitenstollen eingerichtet, wo u.a. Asthmatiker große Linderung ihres Leidens verspüren.

Abends quartiere ich mich inmitten idyllischer Landschaft ins schöne Hotel Langeck am Fuße des Belchen ein und genieße im gemütlichen Restaurant ein vorzügliches „wildreiches“ Abendessen, bei dem auch das gute Bier der Region natürlich nicht fehlt, auch ein leckerer Obstbrand der Region findet seinen Weg. Herrlich ruhig ist es hier und so schlafe ich auch sehr gut.

Im kleinen Städtchen Staufen, überragt von einer Burgruine bummele ich noch über den Wochenmarkt, der Stand vom „Obstparadies Staufen“ weckt mein Interesse. Die befassen sich mit klassischer und biologischer Obsterzeugung, mehr als 40 Obstsorten werden kultiviert, besonderen Wert legt man dabei auf alte, fast vergessene Arten und auf Wildobstarten, über 200 verschieden Apfel- und Birnensorten kann man bei einer Führung besichtigen. All diese besonderen Erzeugnisse gibt es auch in einer besonders leckeren Form, nämlich als Obstbrände in kleinen Flaschen, die breite Wand mit der riesigen Auswahl hätte ich gerne eingepackt. Ungleich größer produziert hier im Ort die Firma „Schladerer“ ihre weltberühmten Brände. Im Rathaus hängt ein Bild von Johannes Faustus der berühmte „Faust“, der kommt von hier. Leider muss ich nun weg, die schöne Gegend verlassen. Schnell kaufe ich außerhalb an einem Büdchen am Wegesrand noch eine große Portion frisch gestochenen Spargel, im Weingut Heinemann in Ehrenkirchen-Scherzingen noch ein paar Flaschen 2013er Blauer Spätburgunder Alte Reben trocken, nehme also ein wenig Markgräfler Land mit nach Hause.

Fazit:
Ein bisschen habe ich gesehen, ungleich viel mehr kann man erleben, die überaus breite Palette der Möglichkeiten ist kaum zu beschreiben. Eine nützliche und gute Idee ist die „Schwarzwald-Gästekarte-Konus“, die hilft auch sparen, u.a. kann man damit mit Bus und Bahn den Schwarzwald gratis erleben. Eine landschaftlich sehr abwechslungsreiche Gegend mit vielen Attraktionen, Sport, Spaß und Genuss. Aber auch für Ruhe und Entspannung, wunderbar geeignet für ein Wochenende oder einen längeren Urlaub, bestens für eine Behandlung zur Wiederherstellung der Gesundheit oder zur Vorbeugung. Die netten Menschen der Gegend gibt es gratis dazu.

Tourismusämter:
www.bad-krozingen.de 
www.muenstertal-staufen.de

Nützliche links:
www.edenhotels.de/eden-hotel-an-den-thermen 
www.langeck.de 
www.zur-krone-biengen.de 
www.weingutfritzwassmer.de 
www.weingut-heinemann.de 
www.vita-classica.de 
www.bad-krozingen.de 
www.kloster-st-trudpert.de 
www.besuchsbergwerk-teufelsgrund.de 
www.kaeserei-glocknerhof.de 
www.muenstertal-staufen.de/Information-Anreise-Service/Tourist-Info-Staufen 
www.obstparadies-shop.de 

Diese Reise wurde ermöglicht durch Unterstützung der Kur- und Bäder GmbH Bad Krozingen und der Tourist-Information Münstertal-Staufen mit Partnern

Autor: Wolfgang Grüner



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