Daarbij die molen

Zandfort, Haarlem, Beemster, Edam und Zanse Schanz erleben

04.06.15

Ach Holland, war ich schon so oft, kenne ich alles. Eben nicht! Das kleine, große Land hat so viel mehr zu bieten. Also auf, im Bekannten das noch Unbekannte entdecken!
„Daarbij die molen, die mooie molen, daar woont het meisje waar ik zoveel van hou.
Daarbij die molen, die mooie molen, daar wil ik wonen als zij eens wordt m'n vrouw“.

Beim Anblick des Mühlenpanoramas der Zaanse Schans in Zaandam kommen mir diese Worte des alten holländischen Evergreens unwillkürlich in den Sinn, wo gibt es das schon? 27 Windmühlen auf einem Blick, ob vom Wasser oder vom Land, beeindruckend! Aber der Reihe nach!

Da die Deutsche Bahn mal fährt, komme ich von Köln aus in Amsterdam Centraal an und vor dem Bahnhof auch schon ein Bild, das einen förmlich erschlägt. Gefühlte Millionen von Fahrädern stehen da auf mehreren Ebenen, wie findet man da bloß sein eigenes Rad? Das erste Klischee, das sich bestätigt, schließlich gibt es in Holland ca. 18 Millionen Räder bei ca. 16.6 Millionen Einwohner. Und die haben ausreichend Platz auf knapp 30.000 km Radwegen.

Zum Glück fahre ich mit dem Auto, verlasse Amsterdam das überraschend nahe am Meer liegt und bin auf dem Weg nach Zandvoort. Das lebendige und gemütliche Zandvoort ist einer der ältesten Badeorte der Niederlande. Die Bewohner lebten seit Jahrhunderten vom Fischfang, aber im 19. Jahrhundert änderte sich das. In England kamen die „Seebäder“ auf und der Zandvoorter Arzt Mezger führte diese Freizeitgestaltung für die Elite ein. Schon bald lockte der Badeort Berühmtheiten an, wie die österreichische Kaiserin Sissi. Auch der Bau einer direkten Bahnverbindung nach Amsterdam im Jahr 1881 förderte den Zustrom von Touristen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Zandvoorts Beliebtheit weiter schnell zu. Heute kommt fast die Hälfte der Einnahmen Zandvoorts aus dem Tourismus, besonders viele sind aus Deutschland. Und die kommen natürlich hauptsächlich wegen dem breiten, feinsandigen Strand. Auf den mehr als 9 km findet jeder sein Plätzchen, egal ob Textil oder FKK.

Erste Station ist das NH Hotel Zandvoort, kurz einchecken und umziehen. Das Hotel liegt günstig direkt gegenüber der berühmten Rennstrecke. Das ist etwas für mich, aber erst muss ich auf ein Fahrrad umsteigen, eher nichts für mich, aber was soll´s, Holland eben. Am Strand essen wir im Strandpavillon „Thalassa“ ein paar lecker belegte Broodjes und dann entdecken wir den Nationalpark „Zuid-Kennemerland“. Wir fahren durch die einzigartige Dünenlandschaft und sind überrascht. Die hügelige Landschaft bildet einen großen Kontrast zu der normalerweise völlig ebenen niederländischen Polderlandschaft. In einem Moment fährt man noch an grünen Weiden und ausgedehnten Blumenfeldern vorbei, im nächsten ist man in einer völlig anderen Welt, eine viele Kilometer große Ruhezone voller hoher Sandhügel mit Dünengras, Dünenseen und einer reichen Flora und Fauna. Überall hüpfen Kaninchen herum, halbwilde Pferde, Rinder und man sieht hier sogar Rehe. Die Dünen sind unlösbar mit den Niederlanden verbunden. Schon seit Jahrhunderten schützen Sie das Land vor dem Wasser. Zwischendrin entdecke ich nicht so hübsche Sachen aus Beton, Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, von Deutschen –nutzlos- gebaut, es gibt sogar geführte Bunkerwanderungen. Mitten im Dünengebiet zwischen Zandvoort und Haarlem liegt der Kennemer Golf & Country Club und die Motorsport-Rennstrecke. Eines wird mir dann auch schnell klar: Ich habe immer gedacht, Holland wäre ein völlig flaches Land, aber hier in den Dünen eben nicht! Kondition wäre jetzt gut und ich bin froh, nach mehr als zwei Stunden endlich das Rad am Eingang der Rennstrecke „Circuit Park“ abgeben zu können.

Heute gibt es da leider keine Autos die um die Strecke brettern, nur Motorräder und die machen auch gerade Schluss. Auch gut, so kann ich auf der Strecke herumlaufen und bin erstaunt, wie eng es hier zugeht, im Fernsehen sieht das immer so breit aus. Die Streckenlänge liegt zurzeit bei 4320 m mit 13 Kurven, charakteristisch ist dabei die „Achterbahnfahrt“, da es stetig über Hügel, aber auch tückische Kuppen und Bodenwellen geht. Ebenfalls sehr speziell ist der ständig vorhandene Dünensand, der vom Küstenwind auf und über die Fahrbahn geweht wird. Der Streckenrekord liegt immer noch bei 1:11:074 min. Wir dürfen in das Allerheiligste hinein und die Kontrollräume besichtigen, wo die Rennleitung sitzt und gegebenenfalls sehr schnell Entscheidungen treffen muss. Vom Dach aus hat man einen guten Überblick, natürlich stelle ich mich auch auf das Siegerpodest. Zu Recht, schließlich habe ich die Radtour überstanden!

Mit einem wesentlich langsameren, dafür aber strandtauglichen „Beach Car“ fahren wir am Abend auf dem Strand zum Strandpavillon „Safari Club Zandvoort“. Unterwegs halten wir öfters an, der Fahrer erklärt Besonderheiten des Strandes, zeigt diverse Muscheln, dabei auch eine etwas längliche Art. Die hat sehr scharfe Kanten und man kann sie wie ein Rasiermesser aufklappen, tatsächlich wurde sie früher auch dazu benutzt. Entspannt endet spät der Abend mit einem leckeren Grill-Barbecue, bei dem süffiges Bier (das gibt es tatsächlich!), Wein und auch ein Schnäpschen nicht fehlten.

An nächsten Tag geht es nach Beemster, dort wartet ein „tuk tuk“ und fährt mich durch einen riesigen See. Also genau gesagt, war das mal ein See, bis 1612. Mit Hilfe des Windes und 42 Mühlen wurde im 17. Jahrhundert, innerhalb von ein paar Jahren, Land aus tausenden Hektar Wasser gewonnen. Wenn man irgendwo die Poesie der geraden Linie erleben möchte oder geometrische Schönheit, ist man hier genau richtig, Kurven gibt es einfach nicht. Das führt oft zu Unfällen, Autofahrer sind verunsichert, in Holland sagt man dazu „polderblindheid“. Das leere Land wurde mit quadratischen kerzengeraden Parzellen von 1850 m x1850 m und einem vollendet symmetrischen Wege- und Kanalnetz versehen. So als wolle man deutlich machen, dass ab jetzt der Mensch hier das Sagen hat. Mit seiner streng geometrischen Einteilung ist der Beemster noch immer ein Meisterstück der Technik und Landschaftsgestaltung des 17. Jahrhunderts, an der Landschaft hat sich seit dem eigentlich nichts geändert. Gerade deswegen wurde der Polder als Ganzes zum Weltkulturerbe erklärt. Auch die stattlichen Bauern- und Gutshöfe mit ihren oft reich verzierten "städtischen" Fassaden auf den Poldern passen vollständig in das geometrische Raster: Ein perfektes Quadrat mit dem so charakteristischen "Pyramidendach", das Menschen, Vieh und Nahrung Unterkunft bot. Milchwirtschaft gibt es auch heute noch, der Käse ist sehr berühmt und auch sehr lecker. Mittendrin liegt das sehenswerte Dorf Middenbeemster, auch da sieht es im Prinzip noch so aus wie vor 400 Jahren. Ein wenig vom damaligen Leben kann man auch in einem kleinen Museum anschauen.

An einer Windmühle halten wir an, die kann man besichtigen, interessant, auch weil sie noch in Betrieb ist. Drinnen erklärt ein Spruch, was hier gemacht wird: „Hier wordt door wind en minne kracht het fijne graan tot meel gebracht“. Die Konstrukteure kann man nur bewundern, fast alles ist aus Holz, alles sehr alt, aber noch voll in Funktion. Ich sehe die unterschiedlichen Getreidesorten, die verschiedenen Mahlgrade und lerne, wie man die einzelnen Funktionen steuert, Muskelkraft braucht man auch dazu. Erstaunlich, welche enorme Kraft die Flügel erzeugen, dabei krächzt, kracht und zittert die ganze Holzkonstruktion.

Ich fahre weiter Richtung Edam, halte aber einem Schild „Fort Resort Beemster“ am Nekkerweg an, das will ich mir anschauen. Genau Hundert Jahre nach seiner Erbauung wurde aus einem militärischen Objekt zur Verteidigung der Straßen nach Amsterdam ein schickes 5-Sterne Hotel mit zwei Restaurants und SPA. Aus den alten Soldaten-Butzen wurden luxuriöse Hotelzimmer, viel militärisches Gut wurde belassen, eigentümliche Atmosphäre, irgendwie faszinierend. Super Idee, könnte man weltweit machen, mal was Sinnvolles. Rund um Amsterdam gibt es noch viele ehemals militärische Anlagen, die kann man auf einer Tour „The Defence Line“ besichtigen. Hübsch ist die kleine Stadt Edam mit den kleinen Häusern und den schmalen Grachten, oben vom alten Kirchturm hat man eine schöne Aussicht. Die bietet auch der kleine Marktplatz mit dem Denkmal für die Käseträger, schwerer Job damals. Ein Geschäft dahinter hat auch gute Aussichten, auf Käse ohne Ende. Da kaufe ich schon mal ein, viele Sorten, Riesenauswahl, muss man mitnehmen, vielleicht gibt es ja anderswo keinen Käse mehr. Preislich übrigens im angenehmen Bereich. Im Restaurant „Hof van Holland“ nehme ich ein Mittagessen ein, Fisch natürlich, bevor ich mich auf den Weg mache zu den Windmühlen.

Heute gibt es in den Niederlanden noch 1.048 Windmühlen und 108 Wassermühlen und bei der „Zaanse Schans“ in Zaandam gleich 27 Stück auf einmal. Wuselig ist es im Freilicht-Museums-Dorf, viele Touristen, halb Asien hat wohl heute Ausgang. Deshalb gehe ich erst Mal in das ruhigere „Zaans Museum“. Im modernen Gebäude wird anschaulich die Lebens- und Arbeitswelt verschiedener Zeitepochen gezeigt, besonderer Wert wird auf das industrielle Erbe gelegt, z.B. auf Schiffbau und die frühere Zeit des Walfangs. Es finden sich auch viele Gemälde, Trachten und Gegenstände des täglichen Lebens. Glanzstück ist eine komplette Fabrik der Firma „Verkade“ aus dem frühen 20. Jahrhundert, wo man sieht, wie Schokolade und Kekse hergestellt wurden. Alles kann auch interaktiv erlebt werden.

Draußen haben sich die Besucher etwas verteilt, also hinaus in ein einzigartiges Stück niederländisches Kulturerbe. Ein Dorf mit landestypische Wohn- und Industriebauten, wie es im 18. und 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Im ersten Industriegebiet der Welt findet man die historischen Windmühlen, Lagerhäuser und Werkstätten mit Vorführungen traditioneller Handwerkskunst. Ab 1961 wurden die verschiedenen Gebäude aus der Region an diesen Ort gebracht, um sie für künftige Generationen zu erhalten, es wird ständig erweitert. Viele der charakteristischen Häuser des Dorfes sind heute Museen oder Souvenirläden, andere sind nach wie vor private Wohnhäuser. Der innovative Schiffbau im Zaanstreek war für den russischen Zaren Peter den Großen Anlass für einen dreitägigen Besuch im Jahre 1697, sozusagen eine Studienreise. Er logierte im engen Alkoven eines Freundes, dessen 'Zar Peter Haus' von 1632 immer noch steht. Alles das kann man übrigens kostenlos besichtigen, es lohnt sich wirklich.

Schlafen werde ich die kommende Nacht im modernen „Intell Hotel“ in Zaandam, das sieht putzig aus, wie viele holländische Häuser übereinander gestapelt. Merkwürdig ist nur, das man beim einchecken 50 € Kaution hinterlegen soll, mache ich aber nicht, geht auch so. Haben die schlechte Erfahrungen mit den Gästen gemacht oder warum?

Am frühen Abend besteige ich ein Boot, das mich diesmal auf dem Wasserweg entlang historischer und noch aktiver Industriegebäude zurück zur Zaanse Schans bringt, genau zur Windmühle „De Kat“. Dort werde ich freundlichst empfangen, mit Musik und einem Schnäpschen. Diese Mühle ist etwas ganz Besonderes, nämlich die weltweit letzte erhaltene „Windfarbmühle“, hier wurde und wird immer noch Farbstoff aus Farbhölzern, Erdpigmenten, Kreide und Schmirgel erzeugt. Draußen lagert zum trockenen das Rohmaterial dazu in luftigen Schuppen. Drinnen zeigt uns der Besitzer, bei einer faszinierenden Vorführung, wie man aus dem gewonnenem Pulver mit Hilfe von verschiedenen Flüssigkeiten wie Öl und Eigelb dann die wunderbaren Farben entstehen, die wir von den weltbekannten Gemälde der berühmtesten holländischen Meister vieler Epochen kennen. In seiner Arbeitsstube lagern tausende Tüten der verschiedensten Farben, die man auch kaufen kann, weltweit kommen Künstler dazu hier her. Der Meister, Piet Kempenaar, entpuppt sich als wahrer Spezialist, Künstler und Kenner mit wahnsinnig viel Wissen und Fertigkeiten, der Mann ist wirklich ein Wunder. Das sieht man ihm in seiner bescheidenen und freundlichen Art gar nicht an, dabei hat er auch noch einen extrem feinen Humor.

Den kann ich auch später noch erleben, bei einem feinen Abendessen in der Mühle. Das hat der Koch Jeroen Groeneveld aus Zaandijk gezaubert, der hat sich auf die Herstellung und Lieferung für Gruppen spezialisiert. Alle Komponenten des Essens stammen direkt aus der unmittelbaren Umgebung, regional also wie es auch sinnvoll sein soll. Zu Beginn wird eine „Zaanse Senfsuppe mit Aal und natürlichen Aromen“ serviert, wohl eine der besten Suppen, die ich je probieren durfte. Zum Glück war ein satter Nachschlag drin. Es folgt „Duivenkater“, süßes Brot, belegt mit langsam geröstetem Entrecote und kräftigem Brandy-Gelee überzogen, sehr fein. Ein Spieß mir Hühnerfleisch, mariniert und gebraten mit typischen Gewürzen der Ost-Indien-Company kommt, sehr würziger Ausflug in die holländische Geschichte. Süß geht es weiter mit „Boffers“, kleine Pfannkuchen mit Ingwer, Rosinen und Honig, gefolgt von einem luftigem Parfait mit kleinen Kuchenstückchen, der dezente Kaffeegeschmack und der Zimtsirup darüber ergänzen sich vorzüglich. Die Schokoladentrüffel „Zaans Gedaan“- „erledigt“- schaffen mich dann wirklich. Was für ein grandioses Essen in wundervoller Umgebung und netter Atmosphäre.

Haarlem und seine Schönheiten gilt es am nächsten Tag zu entdecken und so wandere ich durch moderne Viertel, finde ganz alte, fast verwunschene Sträßchen mit kleinen Häusern, alle sehr liebevoll dekoriert, schön. Manche kleinen Straßen sehen aber auch sehr gleichförmig aus, jedes Haus wie das andere, die Liebe der Holländer zur Geometrie eben. Irgendwann lande ich am Großen Markt mit den beeindruckenden Bauten, die viel vom Reichtum vergangener Zeiten künden. Leider hat die Schänke der „Jopen-Brauerei“ noch nicht auf, ein Bier wäre jetzt nicht schlecht.

Dann stehe ich vor dem „Teyler Museum“, es ist das älteste Museum der Niederlande. Schon seit 1784 sind hier Besucher willkommen, um Objekte aus Kunst und Wissenschaft zu bestaunen. Zur Sammlung gehören Millionen Jahre alte Fossilien, viele wissenschaftliche Instrumente, Münzen, Gemälde, Drucke und Zeichnungen, unter anderem von Rembrandt und Michelangelo. Schon das Interieur des Museums - mit dem monumentalen Ovale Zaal als Prunkstück- ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Authentischeres Museumsinterieur aus dem 18. Jahrhundert bekommt man sonst nirgends zu sehen. Besonders gefallen hat mir die monumentale Bibliothek mit den sehr alten Büchern, die man (nach Voranmeldung) auch alle einsehen und studieren kann, selbst die teuersten.

Gegenüber vom Museum wartet ein kleines historisches Boot und ich kann mir die Schönheiten Haarlems vom Wasser, besonders die großen, sehr verschiedene Kirchen, in aller Ruhe ansehen. Leckere Broodjes und natürlich ein Bier runden die Fahrt über Fluss und Grachten ab, so schön entspannt klingt mein Kurz-Ausflug in die Niederlande aus.

Viel überraschend Unbekanntes im Bekannten habe ich gefunden, manchmal sind es nur ein paar Schritte weg vom Hauptweg, wenn man es denn weiß. Umfangreiche Informationen mit vielen Detailangaben findet man unter: www.iamsterdam.com

Die Recherche wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von: amsterdam marketing.
Autor: Wolfgang Grüner



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