Reisebericht Galicien

Galicia – Genüsse an Spaniens wilder Küste

07.08.15

Vor einiger Zeit flatterte mir eine Einladung ins Haus, ich möge doch mal Kalbfleisch aus Galicien „Ternera Gallega“ probieren. Das tat ich dann auch – und war total begeistert. Mir kam die Idee, mal raus zu finden, wo dieses Qualitätsprodukt denn genau herkommt. Gedacht, getan, hingefahren.

“Un canto a Galicia, tierra de mi padre,
un canto a Galicia, que es mi tierra madre”
Von La Coruna nach Santiago de Compostela
Jetzt stehe ich mit noch drei anderen Kollegen in La Coruna, der kleinen Stadt am Meer. Eigentlich regnet es in diesem Landesteil zwischen Atlantik und Kantabrischen Meer oder auch Golf von Biskaya genannt, gerne und viel, wir aber haben Glück, tagelang nur Sonne. Was wiederum die Einheimischen ziemlich beunruhigt, bisher war es viel zu trocken, für eine landwirtschaftlich geprägte Gegend gar nicht so gut.

Da es bereits Mittag ist, fahren wir durch die kleine, schöne Stadt hinunter zum Hafen, um etwas zu essen. Wir hätten auch im Flugzeug etwas kaufen können, aber das was die Fluggesellschaft IBERIA so anbietet, will man nicht wirklich essen und ist auch richtig teuer. Vom Service und der Freundlichkeit ganz zu schweigen, da gibt es bessere Alternativen.

In einem der vielen schönen Restaurants finden wir Platz und bestellen Verschiedenes aus dem Meer, darauf sind sie im „Adegas Abica“ spezialisiert. Ein kühles Bier, „Estrella Galicia“, kommt zusammen mit frischem, knusprigem Bot und der Vorspeise, Schinkenbrot mit Spiegelei, dazu kleine frittierte Fischbällchen. Es folgen Kartoffelscheiben mit Fischtartar und darauf kunstvoll gefaltete Tintenfischtuben, sanft gebraten und herzhaft mit Kräutern gewürzt, sehr gut. Thunfisch-Steak, saftig auf den Punkt gebraten und Doraden-Filet, außen kross und innen zart, schmecken danach allen gut, die erste Begegnung mit der galicischen Küche ist gelungen. In der Stadt gibt es ein exquisites und abwechslungsreiches kulinarisches Angebot, Meeresfrüchte, Fisch, Fleisch, Käse und Wein der Region. Bodenständig oder innovativ modern zubereitet lässt die Auswahl keine Wünsche offen, preislich durchaus angenehm, kommt halt auf das Restaurant an, Sterneküche gibt es auch. Leider schaffen wir es nicht in die Markthallen oder zu den Marktständen am Plaza de Lugo. Ein wenig Zeit durch die Stadt zu bummeln haben wir aber. Direkt am Hafen sind die Galerie-Häuser, die haben Fenster vor den Fenstern oder den Balkonen, sind somit geschützt vor dem salzigen Seewind, der hier richtig kräftig toben kann. In der Altstadt sind Romanische Kirchen durch enge Gassen mit bunten Jugendstil-Häusern zu sehen, auf dem Plaza Maria Pita wird eine Stierkampf-Arena aufgebaut, am Wochenende findet überall ein Mittelalter-Fest statt, schön bunt das alles. Viel haben Stadt und Umgebung zu bieten, das weltberühmte Aquarium Finisterrae, Klöster, alte Brücken, Herrenhäuser, herrliche Gartenanlagen, Burgen und vieles mehr, sicher eine extra Reise wert.

Wir fahren hinaus ans Meer zum Wahrzeichen der Stadt, dem „Torre de Hércules“, in herrlicher Umgebung. Der 59 m hohe Turm ist der einzige Leuchtturm aus der Antike, der heute noch in Betrieb ist, und das seit dem 1. Jahrhundert, von den Römern gebaut. Weit geht von hier der Blick über die dramatische Küstenlandschaft und die Stadt, wirklich schön die Gegend. Auf dem Weg zurück schauen wir uns vom Monte de San Pedro nochmal den wilden Atlantik und die schroffen Klippen an. Hier stehen zwei riesige Kanonen, die sogar ein paar Mal abgefeuert wurden, 17 km weit sollen die Geschosse geflogen sein. Einen wesentlich besseren Zweck bieten sie gerade, eine hübsche Braut lässt sich dekorativ fotografieren. Wir aber setzen uns ins Auto und fahren nach Santiago de Compostela.

Diese Stadt hat wirklich etwas Magisches, aber dazu später, erst Mal geht es zum Abendessen. Wir laufen durch die Altstadt, ein Restaurant neben dem anderen, verlockend die Auslagen, viele Meter lange Tapas-Theken mit schier unendlicher Auswahl, alles aus Meer und Landwirtschaft in breiter Vielfalt, man weiß gar nicht, wofür man sich entscheiden soll. Unsere spanischen Freunde haben ein schönes Lokal „Los Caracoles“ ausgesucht. Es beginnt mit einem Gläschen Tomatensuppe mit Brot, raffinierter Geschmack, gefolgt von Tomatensalat mit feinen Peperoni-Streifen und würzigem Olivenöl, eine fein legiert Gemüsesuppe mit Knoblauch folgt. Als erstes Getränk habe ich mich für einen Rotwein, „Silva Daponte Mencia Monterrei 2014“, entschieden. Die folgenden Schnecken in kräftig-scharfer Soße mit Schinkenstreifen sind ein Gedicht. Der Wein wechselt zum „Emilio Moro 2011 Valladolo Ribere Del Duero“, passend zu den butterweichen kräftig gewürzten Stücken vom Pulpo, dem leckeren Kraken, dazu gebratene kleine grüne Peperoni. Kunstvoll geschichtete Stabmuscheln auf grünem Salat folgen, sanft gedünstet haben sie einen leicht salzigen, angenehm milden Geschmack. Und dann komme ich dem galicischen Kalbfleisch schon näher in Form eines dicken Lomo Alto, am Knochen mit kräftigem Fettrand, dazu gegrillte rote Paprika und Pommes Frites. Aber wer braucht eine Beilage, wenn das gebratene Kalbfleisch, nur gewürzt mit etwas schwarzem Pfeffer und grobem Meersalz, so grandios schmeckt? Nachtisch soll es auch gegeben haben, ich erinnere mich nicht daran, nur noch an die Auswahl edler Kräuterliköre aus La Coruna und feine Edel-Brände zum Abschluss. Gut, das unser Hotel so nahe liegt.

Von der Weide auf den Teller
Am nächsten Tag geht es entlang des „Camino de Santiago“, also dem weltberühmten Pilgerweg, hinaus aufs Land, wir wollen einen traditionellen Aufzuchtbetrieb der Rinder besuchen. Den zu finden stellt sich als gar nicht so einfach dar, wild und hügelig ist die Gegend, die Straßen werden immer schmaler, Netz gibt es auch nicht, irgendwie haben wir uns verfahren, erreichen dann doch schließlich den Bauernhof in Palas de Rei, Marmoelas. Der gehört zu „Ternera Gallega“, eine 1989 entstandene geografische Bezeichnung für die galicischen Kalbfleischerzeugnisse. Dazu gehören über 7.600 Viehzuchtbetriebe und 40 Fleisch verarbeitende Fabriken, über 120.000 kontrollierte Kälber, 18 Millionen Kilo zertifiziertes Fleisch, sowie 1250 Betriebe die vermarkten. Schon seit prähistorischen Zeiten ist die Viehzucht eine der Achsen, um die sich das Leben in vielen Dörfern und Städten Galiciens dreht. Auf den guten Weidegründen leben hauptsächlich Rinder der Arten „Rubia Gallega“ und „Morenas Gallegas“ deren Fleisch Hell-Rosa bis Zart-Rot ist, es hat eine zarte und saftige Textur und einen intensiv-angenehmen Geschmack, das Fett ist Perlmutt-Weiß oder Blass-Gelb, von cremiger Struktur und homogen verteilt. Also alles vorhanden für einen exquisiten Genuss, 99 % der Kälber werden geschlachtet, bevor sie 10 Monate alt sind. Und wie das aussieht schauen wir uns in einem Schlacht- und Zerlege-Betrieb der Firma „Coren Novafrigsa“ in Lamablance Coeses an, auch für mich eine neue Erfahrung.

Geschlachtet wird heute nicht mehr, aber bevor wir hinein gehen, müssen wir Schutzkleidung anlegen, werden desinfiziert, bekommen eine ausführlichen Vortrag und dann stehe ich in der ersten Halle. Kalt ist es hier, laut und es riecht auch etwas merkwürdig. An langen Fördereinrichtungen hängen von der Decke hunderte Tiere, die zuerst in Hälften gesägt werden, dabei intensive Kontrollen der IGP-Aufsichtsbehörde an jeder Ecke, alle Stücke bekommen diverse Kontrollzettel und Stempel. Das einige Tage abgehangene, gereifte Fleisch wird dann weiter manuell zerteilt, fast beängstigend, wie geschickt die Fachkräfte dabei zu Werke gehen, sie tragen besondere Kleidung und Kettenhandschuhe, berechtigt, den die Messer sind, salopp gesagt, sauscharf. Automatische Anlagen verpacken die diversen Fleischstücke, ganz so wie der Kunde das bestellt hat. Zum Schluss liegt das Erzeugnis so da, wie wir es aus dem Supermarkt kennen. Allerdings gibt es das Fleisch von „Ternera Gallega“ in Deutschland noch gar nicht zu kaufen, das soll sich in Kürze aber ändern. Irgendwann wird es mir dann doch zu kalt, auch zu viele Eindrücke und ich bin froh, hinaus gehen zu können. Aber noch nicht ganz erlöst, gleich nebenan wird der berühmte spanische Schinken hergestellt. Und so wandere ich wieder durch unendlich Reihen von, diesmal wohlduftenden, Schweineschinken. Auch hier Perfektion an allen Ecken, bis das verkaufsfertige Produkt vor mir liegt. Das war es dann aber auch, den angebotenen heißen Kaffee nehme ich gerne, bevor wir in die Ortschaft Sarria zum Restaurant „Roma“ fahren.
Das unauffällige Restaurant liegt im Keller eines Hotels und der Chef hat nur ein Hobby: grillen! Alles was nur möglich ist wandert auf den heißen Rost und so genießen wir, verfeinert mit diversen passenden Soßen, wieder das gute Kalbfleisch, mal vom T-Bone-Steak, als Rippenstück, Lendenfilet, Nackensteak und anderen Teilen mehr, besonders gut und sehr delikat waren die kräftig gewürzten und sehr scharf gegrillten Würstchen „Chorizo Extra Lomo Curado“, Bier passt sehr gut dazu.

Von Lugo zur Kathedrale
Nachmittags erreichen wir Lugo, mit über 2000 Jahren die älteste Stadt Galiciens. Umgeben ist die Altstadt ringsum vollständig von einer begehbaren zwei Kilometer langen römischen Mauer aus dem 3. Jahrhundert mit halbkreisförmigen Bastionen. Die Mauer ist zwischen acht und zwölf Meter dick und an der höchsten Stelle etwa zwölf Meter hoch. Schnell ist man durch die kleine Innenstadt mit den zum Teil engen Straßen durchgebummelt, römische Spuren finden sich überall, natürlich wird die romanische Kathedrale Santa Maria aus dem 12. Jahrhundert mit den interessanten und kunstvollen Altären besichtigt. Unaufgeregt und ruhig geht hier das Leben, die Cafés rund um den zentralen Platz mit dem Rathaus sind gut besucht, Touristen sind kaum zu sehen. Außerhalb der Mauern, in der Nähe der römischen Brücke, sind natürliche warme Quellen die auch schon die Römer nutzten, dort gibt es einen SPA-Komplex.

Es wird Abend, Zeit um zu essen, diesmal im „Restaurante Espana“, es beginnt mit einem Cocktail auf der Terrasse. Mit Schinken gefüllte knusprige Brotstückchen und diverse andere Kleinigkeiten locken zum Naschen, dann setzen wir uns zu einem Rinds-Tartar mit Kapern und Oliven, als Wein nehme ich den roten „Ribeira Sacra ´Régoa 2011“, dazu kommen ganz kurz gebratene Filetstücke mit Salatdekoration, alles auf Schieferplatten serviert. Als Hauptgang dicke Steakstücke mit Fettrand, das gibt den vorzüglichen Geschmack, sparsam gewürzt, Kartoffeln und gebratenes Gemüse runden den exzellenten Genuss ab. Eis, Mangosauce und flambierte Grießscheibe geben einen erfrischenden Nachtisch. In der lauen Nacht verweilen wir lange auf der Terrasse, machen aber dann doch noch einen schönen Spaziergang durch das nächtlich leere, aber hell erleuchtete Lugo.

Während es am anderen Morgen noch einige Teilnehmer in einen weiteren Zerlegebetrieb zieht, schaue ich mir einen kleinen Markt in Castro Riberas de Lea an, keine Touristen zu sehen, Einheimische kaufen und verkaufen an Einheimische. Angeboten werden allerlei geflochtene Körbe, Taschen, sogar einen Esel aus Stroh. Gemüse, Obst, selbstgemachten (sehr würzigen) Käse, geräucherte Speckseiten, Schinken, Würste und viel verschiedenes Brot. Aktivität am Rande lockt mich dahin, in großen Kesseln wird mit dicken Holzscheiten Wasser erhitzt, große Kraken aus Kisten geholt, gewaschen und dann in das kochende Wasser gelegt. Die würde ich gerne probieren, aber das dauert leider zu lange, wir müssen weiter zu einer besonderen Einrichtung. Die Fachleute unter uns schauen sich aufmerksam im Molekularlabor Genética Fontao um, dem Zentrum für Zuchtstiere und Samenbank. Es wird viel präzise erklärt, praktisch demonstriert, hier wird in Zukunft investiert und geforscht, alles soll verbessert werden, Nutztiere jeder Art stehen auf dem Programm.

Aus der sterilen kleinen Welt geht es hinaus in die Natur, wir folgen dem Pilgerweg Camino de Santiago, wir im Auto, die Pilger zu Fuß oder auch mal hoch zu Ross. Im Vorraum der kleinen Kirche in Parroquia de Santiago de Boente Arzua sehen wir einen Tisch, darauf ein Stempel, keiner da, also stempeln wir uns den offiziellen Pilgerstempel auf ein Stück Papier, einen Pilgerpass haben wir ja nicht, eine schöne Erinnerung. Im Restaurant „Mesón A Brea“ in A Brea Palas de Rei Lugo, machen wir Mittagspause, lassen wir uns gebratenen Fisch schmecken, es gibt u.a. auch Schnitzel, die Karte trägt dem Geschmack der vorbei laufend internationalen Pilger Rechnung. Das Essen war ausgezeichnet, sehr reichlich, dabei nicht teuer, der Service angenehm freundlich. Das Besondere aber hier sind die Pilger, eine Unterhaltung kommt schnell in Gange, es gibt viel Interessantes zu erfahren. Über allem liegt eine ganz spezielle Atmosphäre, denn von hier aus ist es nur noch einen Tag bis Santiago de Compostela, das Ziel der langen Pilgerreise ist greifbar nahe.

Auf der Fahrt dahin halten wir in Arzua Ulloa Palas de Rei bei einer ganz besonderen Käserei „Queixeria Arqueixal“ an, hier werden die Produkte: Milch Jogurt und Käse, noch nach den Rezepten wie vor 400 Jahren hergestellt, auch die Gebäude sind so alt und original eingerichtet. Von der Decke in der Küche hängen Speck und Schinken, trocknet Gemüse, wenn man will, kann man sich hier auch ein paar Tage im Haus einmieten und in der Vergangenheit leben. Der sehr reine Käse aus Kuhmilch, einmal als ein Frischkäse mindestens einen Monat alt, einmal mindestens sechs Monate alt, tendiert etwas in Richtung Parmesan und schmeckt hervorragend. Natürlich wird davon etwas mit nach Hause genommen. Da hat er sich aber gar nicht lange gehalten, begeistert war er schnell verputzt.

Wir erreichen Santiago de Compostela, ein Stadtrundgang in der Altstadt steht an. Durch die wuseligen Gassen gehen wir zum von allen Pilgern heiß ersehnten und hart erarbeiteten Hauptziel und Endpunkt der Pilgerreise, zur Kathedrale. Die steht über einer Grabstätte, die dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird und dessen Gebeine in einem kleinen silbernen Sarg liegen sollen. Ein kleiner Gang führt hinten durch den Altar, da steht die Statue des heiligen Jakob, dem muss man beide Hände auf die Schultern legen, ein paar Meter weiter in einer Nische ist der Sarg. Zu zweit haben wir großes Glück, nach uns wird der Zugang geschlossen, eine Messe hat begonnen. Leider erleben wir nicht, wie der berühmte "Botaufumeiro", ein 54 kg schwerer Weihrauchkessel an einem 21m langen Seil in einem hohen Bogen von 65 m Weglänge durch das gesamte Querschiff der Kathedrale geschwenkt wird. Andere Kollegen haben das gesehen, dafür aber nicht die Hände aufgelegt. Es gibt, allein rund um die Kathedrale, sehr viel zu sehen, dafür reichen ein paar Tage gar nicht aus. Auch sehr viel zu kaufen, ohne ein Souvenir verlässt niemand die Stadt, wie die berühmte Jakobsmuschel in jeglicher Form und Funktion und die „Tarte de Santiago“, ein flacher Mandelkuchen, geziert mit dem Schwertkreuz von Santiago, immer rot auf weißem Grund. Das „Cruz da Espada“ war das Symbol der Santiago-Ritter aus dem 11. Jahrhundert. Auch die Tarte wird mit nach Hause genommen, Ergebnis: siehe Käse.
Zum Abendessen geht es zu einer sehr feinen (und je nach Raum teureren) Adresse der berühmten spanischen Paradores Kette, dem „Hostal de los Reyes Católicos“, unweit der Kathedrale. In einem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert, direkt an der Plaza do Obradoiro, steht eines der ältesten, luxuriösesten und schönsten Hotels der Welt. Nicht ganz so förmlich wie im Saal „Dos Reis“ sitzen wir im „Enxebre“, einem angenehmen Gewölbekeller und harren der Dinge, die da –serviert- kommen sollen. Es beginnt mit knackigem Brot und einem bunten Salat mit Walnüssen und Hühnerfleisch, gefolgt von einer Platte mit dem berühmten würzigen Iberico-Schinken, dazu passt gut der rote Wein „Joaquin Rebolledo, Mencia, 2014 Valdeorras“. Natürlich ist das Meer auch nicht weit entfernt, es kommt in Form von kleinen Jakobsmuscheln mit Kräutern in reichlich Olivenöl (gut, das Brot da ist) und als Rasiermesser-Muscheln, kaum gewürzt, aber mit viel Eigengeschmack, sowie im Ganzen frittierte Sardinen mit kleinen grünen Paprikaschoten. Ein dickes Kalbssteak, innen noch fast roh, verfeinere ich mit grobem Salz und schwarzem Pfeffer, einfach großartig. Die Pommes bleiben fast alle liegen. Am Nachtisch koste ich, drei verschiedene kleine Käsekuchen, mehr geht jetzt nicht. Ein Gang nach draußen entpuppt sich als sehr gute Idee, am großen Gebäude gegenüber wird eine opulente Light- und Soundshow für das Wochenende geprobt, eine gute halbe Stunde voller schöner Bilder und mitreißender Musik. Drinnen beschließen wir dann den schönen Abend mit Kaffee und einem sehr guten milden spanischen Brandy.

Bis an das Ende der Welt
Der letzte Tag ist angebrochen, früh verlassen wir das Hotel, es geht zur „Costa de la Muerte“, wilde Küste mit vielen Felsen und vielen Schiffen, die aber unter Wasser. Die kleinen Küstenorte strahlen eine angenehme Ruhe aus, Touristen sieht man nicht. Die Strände schön aber leer, gut, das Wasser hier ist auch nicht sehr warm, auch der „Praia de Carnota“, mit sieben km der längste Strand Galiciens. In Hórreo de Carnota steht ein mit fast 35 m beeindruckend langer Getreidespeicher auf 22 Paar Füßen, breit ist er gut zwei Meter, neben einem schönen Herrenhaus und einem Taubenschlag, gebaut 1783. Die Kirche nebenan, Santa Comba, hat einen interessanten altenFriedhof. Ein ganz besonderes Naturschauspiel gibt es unweit des Ortes O Ézaro zu bewundern, den Wasserfall des Flusses Xallas, Europas einzigem Fluss, der mit einer Falltiefe von 100 m ins Meer stürzt. Eine beeindruckende Schlucht mit wilden Felsformationen bildet die Umgebung, nachts beleuchtet. Auf der Weiterfahrt stoppen wir kurz bei Cee am „Praia de Canelinas“, hier wurden noch bis 1957 Wale angelandet und verarbeitet, gut dass das vorbei ist. Die verkommene Anlage hat einen morbiden Charme. Viel, viel mehr gibt es hier im großen Umkreis noch zu entdecken, genug Sehenswürdigkeiten sind vorhanden, leider fehlt aber dafür die Zeit.

Unser Ziel nähert sich, weiter geht es auch nicht, wir sind am Ende der Welt angelangt, am „Cabo Fisterra“. Jedenfalls glaubten die Römer das, ein paar Kilometer nördlich geht das Land noch weiter hinaus, der westlichste Punkt Europas ist das „Cabo da Roca“ in Portugal. Aber hier, am Leuchtturm gut 250 m über dem Meer, ist auch das absolute Ende des Pilgerweges, ein Stein zeigt es an: 0.00 km. Weit geht der Blick auf das Meer hinaus, oder hinunter zu den wilden Felsen, Delfine spielen im Wasser. An zwei Stellen brennen kleine Feuer, die Pilger verbrennen hier die Pilgerkleidung und die Wanderstöcke, werfen die durchgelaufenen Stiefel ins Meer. Wie Santiago de Campostela ist das hier auch ein wirklich magischer Ort, man spürt förmlich seine tiefe Bedeutung für gläubige Menschen, die Erfüllung aller Träume, ja Glückseligkeit, Stolz, Ende des Leidens, neue Kraft und das seit mehr als Tausend Jahren. Es ist sehr belebt, gute Parkmöglichkeiten und einige Geschäfte, aber die Souvenirs sind gar nicht so teuer. Ungern reiße ich mich los, der Sonnenuntergang hier muss grandios sein, und mache mich auf den Weg nach La Coruna, denn dort steht das Flugzeug nach Hause.

Über kurvige Straßen erreichen wir das Örtchen Muxia mit seinem „Sanktuariums da Virxe da Barca“, ein wichtiger Wallfahrtsort und Ziel vieler Pilger, aber nicht unseres. Wir gehen ins Restaurant „A Casa do Peixe” am Strand und essen, ganz schnell zubereitet, eine große gemischte Fischplatte mit Gemüse, viel Knoblauch, Zwiebeln, Paprika und Kartoffeln, dazu wieder die kleinen Jakobsmuscheln und natürlich den leckeren Pulpo, scharf und würzig. Ein genussvoller Abschied von Galicien.
Ein ganz anderes Spanien durfte ich kennen lernen, seine fantastischen Erzeugnisse genießen und mich von liebenswerten und freundlichen Menschen begleiten lassen. Es hat sich mehr als gelohnt, wiederkommen will ich auf jeden Fall!

Autor: Wolfgang Grüner
Die Reise wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von Ternera Gallega und Partnern.

Nützliche links:
www.terneragallega.com
www.jakobsweg-pilgern.de
www.jakobs-weg.org
www.galicia.es/de/turism



Weitere Nachrichten













Hotels buchen bei hotel.de Buchen Sie Hotels von hotel.de bequem auf unserer Seite
» Hotelbuchung