Reisen in das Salzburger Land

Bauernherbst im Salzburger Land

07.10.15

Der Herbst ist eine der schönsten Jahreszeiten in den Alpen. Also auf ins Salzburger Land, zum größten Nationalpark der Alpen, dem Nationalpark Hohe Tauern. Der umfasst, in einer West-Ost-Erstreckung von über 100 km und in einer Nord-Süd-Erstreckung von 40 km, Höhenlagen zwischen 1.000 m in den Tälern und 3.798 m am Gipfel des Großglockners, dem höchsten Berg Österreichs und der Ostalpen sowie einen repräsentativen Ausschnitt der Ostalpen mit 266 Berggipfel über 3.000 Metern darunter Großvenediger, Hoher Sonnblick und Ankogel.

Eine gute Gelegenheit mehr über den Nationalpark zu erfahren, gibt es im Zentrum Nationalparkwelten Hohe Tauern in Mittersill. Die "360°-Nationalparkwelt" bietet ein einzigartiges Natur- und Gipfelerlebnis. Gezeigt wird ein Panoramafilm der Gipfelwelt der Hohen Tauern. Dank aufwändiger Zeitrafferaufnahmen, wechselnden Wetter-, Licht- und Schattenverhältnissen sowie einer eindrucksvollen Soundkulisse erlebt man die Hohen Tauern wie auf dem Gipfel, in einer Gletscherspalte, im Bergbach und in einer Klamm oder man schwebt aus dem Rauriser Urwald heraus. In acht Erlebnisstationen lernt man die außergewöhnliche Vielfalt kennen.

Aber diesmal zieht es mich nicht hinauf ins Hochgebirge –auch weil das Wetter nicht so recht mitspielen wollte-, denn ich möchte, gemäß meinem Motto: Im Bekannten das Unbekannte finden, mir anschauen, was der „Salzburger Bauernherbst“ so bietet. Seit 20 Jahren feiert das ganze Salzburger Land mit seinen Gastwirten, Bauernschaft, Vereinen und Handwerkern bei fast 2.000 Festen in insgesamt 73 Bauernherbstorten das bäuerliche Leben von seiner unterhaltsamen Seite.

Das Hotel Unterbrunn in Neukirchen, nicht weit von Mittersill, ist dafür ein guter Ausgangspunkt. Zum Abendessen aber fahre ich in den historischen „Via Culinaria“ Betrieb Bräurup in Mittersill. Stolze 600 Jahre hat dieses Gebäude mit seinen urigen Stuben schon auf dem Buckel. Der Bräurup verfügt über eine eigene Landwirtschaft, Fischwasser und Jagd. Wie schon der Name verrät, hat hier auch das Bierbrauen Tradition und wurde wiederbelebt – mit hellem Hefeweizen und ungefiltertem Märzenbier. Beides probiere ich und werde nicht enttäuscht, eine Kaspressknödelsuppe und leckerer Zwiebelrostbraten mit Nockerln passen gut dazu. Auch ein süffiger Obstler findet sich ein.

Für die Liebhaber guter Küche weist die Via Culinaria mit insgesamt 220 Genusspunkten den Weg sowohl zu urigen Hütten und traditionsreichen Gasthöfen als auch zu ausgewählten Gourmetadressen. Auf acht Genusswegen in Salzburg, im Flachgau, Tennengau, Pongau, Lungau und im Pinzgau wurden die führenden Gastronomen des Landes und die besten heimischen Produzenten mit deren regionalen, hochwertigen Produkten zusammengeführt. Die entscheidenden Ingredienzien und der hehre Anspruch für die Via Culinaria sind Regionalität, Originalität, Qualität und Authentizität. Sicher interessant, das alles Mal auszuprobieren.

Am nächsten Morgen geht es auf nach Bramberg am Wildkogel, heute ist handwerkliches Geschick gefragt im „Salzburger Wollstadl“ von Hildegard Enzinger. Hier wird das gemacht, was Politiker so gut können: „Filzen“, eine der ältesten Textiltechniken der Menschheit. Für mein zu fertigendes Sitzkissen liegt dafür ein großer Haufen Schafwolle bereit, die muss ich auseinander zupfen und schichtweise wieder auflegen, wahrlich ein dicker Packen. Der wird nun mit sehr viel warmen Wasser und Kernseife kräftig gewalkt, immer wieder genässt und so geht das fast eine Stunde. Dann ist schon ein flaches Kissen entstanden und ich kann die vorbereiteten Applikationen auflegen, schön bunt soll es werden. Und wieder Wasser und Seife und wieder walken, ganz schön anstrengend. Schließlich ist mein Kissen fertig, später wird es noch von den Enzinger-Schwestern noch mal gewaschen und getrocknet. Beim Frühstück am anderen Morgen halte ich stolz mein Filz-Kissen in den Händen, ist doch schön geworden! Aber kein Vergleich zu den hübschen Sachen, die man bei Frau Enzinger im Laden kaufen kann, Pantoffeln, Hüte, Kleidung und vieles mehr. Wer selbst mal filzen will, es gibt hier Kurse, wo man das lernen kann.

Nach so viel Arbeit muss ich etwas trinken und das geht sehr gut gleich nebenan in der „Bramberger Obstpresse“. Frischer kann der leckere Apfelsaft gar nicht sein, eben noch feste Frucht, Minuten später Saft. Es herrscht schon viel Betrieb, immer wieder halten Fahrzeuge, die Äpfel werden in den Auffangbehälter einer großen Maschine geschüttet und am Ende läuft der Saft in Plastikbehälter. Dort hält er sich bei kühler Lagerung sehr lange. Über die Reste der Früchte freuen sich im Winter die Rehe, jetzt schon die Schweine und später auch der Mensch. Denn die Masse kann getrocknet und zu Mehl verarbeitet werden, z.B. Apfelkuchen mit anteiligem Apfelmehl, gibt es etwas Besseres? Ja, Apfelbrot, in Apfeltrester gepökelter Speck oder Pinzgauer Apfelschmalz, Apfel-Schokolade, um nur Einiges zu nennen. Wer möchte, kann auch den frischen Saft im Hofladen, andere Produkte in der Umgebung kaufen. Obstanbau hat gerade in dieser Region schon eine lange Tradition erklärt mir der der Obmann des Obstbau-Vereins Toni Lassacher, in zahlreichen Hinweisen über die historische Entwicklung des Obstbaus im Pinzgau wird Bramberg als der beste Platz für Gedeihen und Pflanzung von Fruchtbäumen bezeichnet. Bereits um 1850 werden in Berichten die kultivierten Apfelsorten Zwiebler, Borsdorfer, Weinling und Spitzling erwähnt, aber auch schon ein reichliches Birnensortiment ist vorhanden, z. B. Rotbirne (Salzburger Birne) oder Kaiserbirne. Um die Tradition zu erhalten, bekommt jedes Schulkind bei Erreichen der höheren Schule einen Apfelbaum geschenkt.

Ein kurzer Besuch führt mich, auch gleich nebenan, in das Museum Bramberg „Wilhelmgut“. Es gehört zu den ältesten Häusern Brambergs, 1350 erstmalig erwähnt. Neben den vielen Besonderheiten aus dem Dorf und der Region („schreckliche“ Krampus-Masken) sind hier Bilder des Josef Stoitzner ausgestellt. Die Bienenausstellung im Dachgeschoß bildet einen weiteren Schwerpunkt. In der Ausstellung "Mensch und Kultur" wird Geschichte zum Leben erweckt. In der Nationalpark Ausstellung „Smaragde und Kristalle“ werden die Geheimnisse der Mineralentstehung und der Kluftbildung anschaulich erklärt, ausgewählte Smaragde, der größte Rauchquarz der Ostalpen, bizarre Epidote, der riesige Skelettquarz, Bergkristalle, Sphene und Fluorite zeigen die Vielfalt heimischer Mineralien. Filme und Animationen veranschaulichen wie die Mineralien in der Natur vorkommen und wie sie früher abgebaut wurden. Dem Museum angeschlossen ist ein großer Freiluftbezirk mit Mühle, Brennhütte, Säge und Rechenmacherhütte.
Viel sehr feine und wohltönende Arbeit gibt es bei meiner nächsten Station zu bestaunen, ich fahre nach Uttendorf zur „Harmonika-Tischlerei“ von Günther Lerch. Dort werden die besonderen „Alpengold-Harmonikas“ hergestellt. So ein Instrument besteht aus über 2.500 Einzelteilen, jedes ist eine Sonderanfertigung. Vom ersten Arbeitsschritt bis zur Fertigstellung sind an der Herstellung sieben Personen beteiligt. Rund 150 Arbeitsstunden fließen in die „Alpenharmonika“, bis sie an den Kunden ausgeliefert wird. Dafür braucht es auch ein besonderes Holz, wie der Handwerker aber die „Klangfichte“ auswählt, bleibt sein Geheimnis. Die Fichten dafür wachsen auf 1300-2000 m Höhe und sind zwischen 200-250 Jahre alt. Die Klangwunder sind nicht ganz billig, von ca. 2.000 € bis über 10.000 € muss man schon dafür ausgeben, hat aber dann dafür auch etwas ganz Besonderes. Zum Schluss bekomme ich noch ein kleines Konzert zu hören, ein Obstler bereitet mich auf die nächste Station vor.

Nach so viel geballtem Wissen braucht es ein gutes Essen. Das bekomme ich im Pinzgauer „Landgasthaus Weixen“ im idyllischen Seidwinkeltal/Raurisertal. Der Erlebnisgasthof hat eine eigene Brauerei, selbstgemachtes Eis, Spielplatz, Streichelzoo und Fischteiche, wo man sich sein Essen selber angeln kann. Da schwimmen Saiblinge, Eismeersaiblinge, Lachsforellen, Regenbogenforellen, sogar Störe. Sehr beliebt übrigens bei arabischen Gästen, die mit wahrer Begeisterung stundenlang die Angel schwingen. Eigentlich hatte ich mir schon mein Essen aus dem Fischangebot zusammengestellt, da überrascht mich der Hausherr mit der freudigen Mitteilung, heute gäbe es auch Gamsbraten mit Knödel. Das ist was für mich, schnell den Plan geändert, als Vorspeise einen bunt gemischten Teller mit Salat, Speck, Wurst und Käse der Gegend mit natürlich ganz viel Forelle, danach die Gams mit Knödel, saurem Kürbis, Preiselbeeren und Sahne, dazu ein süffiges Hausbier. Lecker war´s, gut tut der Spaziergang durch das weitläufige Gelände mit eigener Quelle, geführt vom Chef Daniel Brandstätter. Und die arabischen Gäste angeln immer noch.
Weiter geht es für mich im Raurisertal hinauf zur Kalchkendelalm, dem Gebiet mit der größten Dichte von Holzbacköfen Europas. Der Geruch von frischem Brot weht durch die ganze Alm, denn an diesem Tag wurden die Brotbacköfen angeheizt zum internationalen Brotfest. Seltsame Klänge empfangen mich, das ist keine „Alpenmusi“, etwas ganz anderes. Eine gemischte Gruppe aus Albanien musiziert und tanzt, hört sich sehr schön an. Am Vormittag haben auch sie schon ihr eigenes Brot vorbereitet. Während draußen die verschiedenen Brote in die Öfen geschoben werden, erfahre ich in der großen Halle von, die mal eine Schule war, in einem engagierten Vortrag von Roswitha Huber alles zum Thema "Eigenbrötler", vom Bau des Backofens bis zum fertigen Brot. „Echtes Brot kommt aus dem Feuer“ erklärt die weit über die Grenzen hinaus bekannte Rauriser Holzofenbäckerin. Inzwischen sind die Brote aus den Öfen und dann steht dem Genuss einer g`schmackigen Jause mit dem herrlich frischem Brot, selbstgemachter Butter, Wurst, Geselchtem, Salat, Senf, Kren und natürlich auch Bier nichts mehr im Wege, Saft hätte es auch gegeben. Auch auf dem Weg zurück nach Neukirchen halte ich noch ein paar Mal an, immer wieder gibt es frisches Brot zu probieren. Im Hotel Unterbrunn warten noch ein paar Obstler darauf, bei der Verdauung behilflich zu sein.

Gut gestärkt geht es am nächsten Morgen zu einem Höhepunkt, den Wasserfällen von Krimml. Mit noch anderen, geführt von einem Nationalpark-Ranger, gehen wir nicht den bequemen Touristenweg, sondern steigen auf dem alten Saumpfad hoch. Der Mann ist gut zu Fuß, ich weniger, es wird ziemlich anstrengend, ich wäre lieber ganz normaler Tourist. Immer wieder kommen wir an Aussichtspunkte mit schönem Blick auf die insgesamt drei Fälle bis auf 1.400 m Höhe. Von da fällt das Wasser der Krimmler Ache gut 385 m runter, so um die 42.000 Liter im Schnitt pro Sekunde aus einem Einzugsgebiet von 110 Quadratkilometern mit 23 Gletschern.

Unten in der Gischt sitzen Leute, denen das Wasser Linderung bei u.a. Atemwegs-Problemen und Allergien bereitet, also der sich gebildete Sprühnebel, dessen Aerosole sind 200 Mal kleiner als die von Asthmaspray, dringen so tief in die Lunge ein und reinigen auch die Flimmerhärchen der Nase, nach einigen Minuten soll sich sogar die Herzfrequenz senken. Ich bin froh, dass ich auf dem Touristenweg langsam zum Tal absteigen darf und laufe bis in die Ortschaft hinein.
Die hat so um die 850 Einwohner, liegt in einem Talkessel und ist umgeben von 30 Dreitausendern und da ist heute ein Festtag, der Bauernherbst wird gefeiert. Ich muss mich erst Mal stärken, sitze auf der Terrasse des Gasthofes „Zur Post“, genieße ein kühles Bier und ein vorzügliches Gericht aus gemischtem Wildfleisch mit Semmelknödel. Danach ist ein Spaziergang dran, aber erst zieht der kleine Festumzug an mir vorbei. Zwar gibt es heuer keine geschmückten Kühe, wenn im Laufe des Jahres ein Bauer stirbt, macht man das nicht, aber bunt und kurzweilig ist es schon. Prächtige Pferde ziehen die Wagen, darauf die großen Kuhglocken, die festliche Erntekrone aus Ähren, Tannengrün und Blumen, Ziegen werden vorbeigeführt und kräftige Widder mit opulentem Gehörn, da ist man schon stolz drauf. Dann stellt sich einer von der Schnalzergruppe auf sein Pferd, ein „Goaselschnöller“, der lässt seine lange Peitsche knallen. Gut, das ich oben sitze, da möchte man nicht getroffen werden, da sieht man auch die hübschen Trachtenfrauen besser. Auf dem Bauernmarkt schaue ich mir die vielen Stände an, überall wird gekocht und gebraten, heimische Spezialitäten, eine traumhafte Auswahl an feinen Kuchen und Gebäck, hungrig geht hier keiner weg. Ein alter Bauer bietet Zirbenschnaps an, den habe ich zuletzt im Süden von Sibirien getrunken, im Geschmack leicht süß nach dem Harz des Zirbenbaumes, hier wie da süffig. Kunsthandwerk der verschiedensten Arten kann man bestaunen, natürlich auch kaufen. Der ganze Ort ist schön geschmückt, es gibt Trachtenmodeschauen und allerhand anderes Kurzweil, immer spielt die Musi, halt der festliche Bauernherbst. Über allem die schöne Stimmung, es war ein gutes Jahr.

Im Hotel erhole ich mich etwas, bevor es zum Abendessen geht. Dazu fahre ich hoch auf den Berg mit der prächtigen Aussicht auf die Berge des Nationalparks. Heute aber nicht, die Wolken hängen tief, dafür schaue ich mir an, was sich da so neben dem Gasthof „Abelhof“ am Sonnenhang tut.

Direkt beim Hof befinden sich zwei große Wildgehege mit einer Gesamtfläche von 6 ha, in denen es über 55 Stück Rotwild zu sehen gibt. Hier kann man die sonst so scheuen Wildtiere hautnah und ganz aus der Nähe erleben. Jetzt im Herbst beginnt die imposante Zeit der Hischbrunft, aber jetzt gerade röhrt kein Tier. Stolz erklärt uns der Chef, Herr Scharler, das der Abelhof über eine eigene Jagd verfügt, die Wildspezialitäten aus der Küche sind ein Genuss für den Gaumen. Das will ich ausprobieren und bestelle mir Hirschschlegel mit Knödel, Rotkohl, zwei verschieden Soßen und frittierten Zwiebeln. Das war keine schlechte Wahl, einfach grandios lecker, ich liebe halt Wild. Dazu passt ein vollmundiger Rotwein „Carnuntum St. Laurent 2013“ aus Göttlesbrunn/Österreich vom Weingut Franz Taferner, ein gehaltvoll fruchtiger Wein, sattes Rubingranat, in der Nase Schlehen und Sauerkirschen, zarte Röstaromen, etwas Waldboden, am Gaumen elegantes Aromenspiel, weich-fließend mit lebendigem Säurespiel, einfach gut und trinkanimierend, was ich dann auch gerne tue. Der Abend in netter Runde wird noch lang, allenthalben wird noch feiner Nachtisch serviert. Süßes ist nicht so mein Fall, ich nehme später lieber einen kräftig-bitteren Vogelbeerschnaps.

Einen kleinen Ausschnitt der vielen verschiedenen Aktivitäten im Salzburger Land habe ich sehen können, mehr wartet darauf, im Bauernherbst noch entdeckt zu werden. Viele gute Gründe im nächsten Jahr wieder in die schöne Landschaft des Nationalparks Hohe Tauern zu fahren. Vielleicht ist ja dann das Wetter auch besser.
Die Reise wurde mit freundlicher Unterstützung durch den Salzburger Land Tourismus ermöglicht.
Autor: Wolfgang Grüner

Nützliche links:
www.salzburgerland.com
www.nationalpark-hohetauern.at
www.bauernherbst.com
www.wasserfaelle-krimml.at
www.wollstadel.at/
www.alpengold-harmonika.at

www.obstpresse.at

www.museumbramberg.at
www.schule-am-berg.at
www.braurup.at/ 
www.weixen.at/
www.abelhof.com/ 



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