Amsterdam – Speeddating mit feinen Genüssen an besonderen Orten

26.10.15

Wieder Mal Amsterdam Centraal und noch immer ist der Bahnhofsvorplatz eine einzige Baustelle, fertig werden die wohl auch nicht, kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich warte auf das Taxi, das mich abholen soll, drehe mich um, da steht es schon. Völlig lautlos angekommen, eine elegante Limousine der Marke „Tesla“, Elektroautos hört man eben nicht.

In den Niederlanden ist Elektromobilität wesentlich weiter verbreitet als bei uns, was ja nur gut sein kann.
Die Fahrt geht durch die quirlige Innenstadt, entlang von Grachten, viele Brücken, stolze Gebäude und immer wieder, eigentlich verkehrsbeherrschend, Fahrräder. Direkt am Fluss Amstel, am Prof. Tulpplein 1, halten wir vor der Unterkunft für die kommende Nacht, dem „Intercontinental Amstel Hotel“, ein wahres Luxushotel, das Beste in den ganzen Niederlanden. Das kurze Einchecken ist fast vorbei, da werde ich freundlich begrüßt von der General Managerin Anita Bos, die nach prüfendem Blick entscheidet, ein Upgrade in eine schöne Suite wäre hier angebracht. Ich wehre mich nicht dagegen.

Seit 1867 gibt es das feine 5-Sterne-Hotel schon, es hat so um die 90 Zimmer und Suiten, sieben Bankett-Hallen, eine Bar, eine schöne Lounge, zwei Restaurants –das „La Rive“ mit Michelin-Stern-, einen Wein-Raum, sowie ein Gesundheits- und Fitnesscenter mit Schwimmbad, halt alles was so ein Spitzen-Hotel haben muss. Der unaufdringliche Charme des ehrwürdigen Hauses muss aber auch sehr teuer bezahlt werden, Luxus hat halt seinen Preis. Die beeindruckende Lobby mit der imposanten Treppe ist dekoriert mit Bildern des Malers Vincent Van Gogh, schließlich ist der im Juli vor 125 Jahren verstorben. Deshalb hat man auch eine Suite in seinen Farben gehalten und umgebaut, u.a. mit Holzfußboden, Gemälden, eine Staffelei, Ölfarben und Pinsel, falls man das Malen selbst ausüben möchte. Auf einem Tisch, neben einer Auswahl von Leckereien, eine Flasche Absinth, dem Lieblingsgetränk von Van Gogh und so vieler anderer Künstler. Dafür ist es mir aber noch zu früh, ich nehme einen Kaffee in der Lounge mit dem schönen Blick auf die Amstel und knabbere Gebäck.

Natürlich hat das „Amstel“ auch einen eigenen Anlegesteg unterhalb der Terrasse und da legt jetzt mein Boot ab zu einer Rundfahrt. Begleitet werde ich von netten Damen, u.a. von Amsterdam-Marketing, die sachkundig und kurzweilig mir alles erklären, was an der Strecke liegt. So ganz nebenbei stelle ich fest, dass auch Rückseiten von Gebäuden und Anlagen ihren eigenen Reiz haben, man sieht sie ja sonst nicht. Dabei muss ich auf meinen Kopf achten wenn ich den behalten will, manche Brücken sind schon sehr niedrig. Wie auch auf den Straßen herrscht auf den meisten Wasserwegen reger Verkehr, aber scheinbar ist man sich immer einig, wer gerade Vorfahrt hat. Vorbei geht die Fahrt am Königlichen Theater „Carré“, dem „Hermitage“ mit der Portrait-Galerie des Goldenen Zeitalters, dem Zoo, Botanischem Garten, der National-Oper, Rembrandt-Haus, alles im Stadtteil „Plantage“. Auf dem „Osterdok“ umrunden wir das Zukunfts-Center „Nemo“ und halten schließlich neben dem Nachbau einer Kogge am Nationalen Maritim-Museum. Das sind mehrere beeindruckende Gebäude unter einem riesigen Dach, gezeigt wird alles was Holland in der Vergangenheit zur Nation der Seefahrer gemacht hat.
Und hier gibt es dann auch das erste Essen für heute. Mehrere Gänge werden noch folgen, aber jeweils an anderen Orten, sozusagen ein Speeddating mit Genüssen und Informationen oder auch Walking Dinner. Zeit zu langen Besichtigungen bleibt dabei nicht, eben nur angereizt, aber nicht ausgespielt. Im Maritim-Restaurant „Stalpaert“ wird eine Tomatensuppe mit Basilikum-Pesto serviert, sehr aromatisch. Dazu stehen in Etageren die beliebten „Broodjes“ zur Verfügung, reichlich mit Obst und Gemüsen dekoriert, ist die leckere Auswahl groß, u.a. mit Roastbeef, Thunfisch-Salat, Wurst, Schinken, Käse und - was ich ganz besonders gern mag- „Ossewurst“ mit roten Zwiebeln, der Rinder-Hack braucht reichlich Pfeffer und Salz, dazu darf es schon ein Bier sein.

Gut gestärkt geht es nun zu Fuß weiter auf dem „Kadijksplein“ und „Mr. Visserplein“ zur Portugiesischen Synagoge und dem Jüdischen Kultur Quartier, da gibt es eine Fotoausstellung mit begleitenden Informationen über den Stadtteil: „Plantage Portraits“. Trotz des trüben Wetters können wir noch draußen sitzen und das tun wir vor dem seit 1695 dort stehenden pittoresken Lokal „De Slyswacht“ und lassen bei diversen Getränken die Boote und Menschen vorbei ziehen. Dann gibt es wieder Bildung, diesmal ohne Essen, im Rembrandthaus Museum. Der Maler hat dort von 1639 bis 1658 gewohnt und gearbeitet. Eine engagierte Dame zeigt uns sehr anschaulich wie Radierungen angefertigt werden, jeder darf mal probieren und das Ergebnis wird auch gleich mittels einer alten Druckerpresse präsentiert. Das Museum ist im Besitz der fast vollständigen Kollektion mit Radierungen von Rembrandt und die kann man partiell auch besichtigen. Es lohnt sich wirklich, mich fasziniert die Detailversessenheit.

Weiter geht es über den Waterlooplein zur „Hermitage“. Früher war das mal ein Pflegeheim, heute ist es ein sehr sehenswertes Museum mit wechselnden Ausstellungen, besonders aber wegen der Dauerausstellung „Holländer im Goldenen Zeitalter“. Die mehr als 30 faszinierenden Gildengemälde aus dem 17. Jahrhundert beeindrucken schon allein wegen ihrer schieren Größe, 8 mal 6 m ist keine Seltenheit, die meisten davon im Saal der „Schutterstukken“. Lange könnte ich hier bleiben, um den Erklärungen zu den einzelnen Bildern zu lauschen, unterstützt von stündlich wechselnden Lichtspielen, aber im historischen Direktionsbüro wird ein Amuse Bouche serviert. Zum feinen Taittinger-Champagner gibt es delikate Blinis mit Lachs und Waffeln mit Roquefort, ein kräftiger Espresso rundet ab.

Nur ein paar Schritte weiter durch einen Park liegt der älteste botanische Garten der Welt „Hortus Botanicus“, ein Ort der Ruhe und Gelegenheit für schöne Spaziergänge, vorbei an seltenen Pflanzen aus aller Welt. Die waren um 1638 leicht zu bekommen, fuhren doch die holländischen Schiffe überall umher. Auch die Samen wurden gesammelt und in einem gesicherten Raum „Zadencollectie“ verwahrt, allein in einem Schrank mehr als 1300 Sorten – und es gibt viele Schränke! Aber nur ein Gewächshaus „Palmenkas“, wo gedeckt ist und serviert wird. Und zwar ein Pilzrisotto mit Trüffelsoße, begleitet von Brot, Salat und Wein. Links und rechts stehen zwei Palmen einer besonderen Sorte, es sind die beiden letzten ihrer Art auf der ganzen Erde und schauen zu.

Im „Verzetsmuseum Junior“, einem besonderen Museum für Kinder, wird die Geschichte von vier Kindern während des 2. Weltkrieges anschaulich, mit großer Detailgenauigkeit und mit verschiedenen Medien erzählt. Eigentlich nicht gerade der Ort, um einen kleinen Salat mit Entenbrust, Feigen, Chicorée und süßer Soße zu genießen. Gut, es war lecker, aber für mich wirklich nicht die passende Umgebung.

Draußen warten die Tesla-Taxis, die bringen uns zu einem wahrlich grandiosen Gebäude, dem „Tropenmuseum“. Selten habe ich so ein schönes Haus mit einer solch beeindruckenden Halle gesehen, einer der versteckten Schätze Amsterdams. Das anthropologische-ethnologische Museum wurde 1910 errichtet, um die niederländische Bevölkerung über das Leben in den niederländische Kolonien zu unterrichten und das Interesse an anderen Kulturen, anderen Ländern und fernen Zielen zu befriedigen. Die Völkerkunde-Ausstellung ist in unterschiedliche Kontinente aufgeteilt. Im Erdgeschoss gibt es zusätzlich eine Ausstellung über Menschen und Umwelt, sowie das „Tropenmuseum Junior“, einen speziell für Kinder eingerichteter Bereich. Im kürzlich eröffneten Restaurant wird das heutige Hauptgericht serviert. Auf einem Taler aus Quinoa liegt gegrillter Wolfsbarsch, umgeben von Gemüsen und Salat, zwei verschiedene Soßen setzten passende Akzente. Natürlich fehlen die passenden Getränke nicht. Wieder geht es in die Elektrotaxis, um nach kurzer Fahrt im Zoo zu landen.

Im „Cafe Restaurant De Plantage Artis Royal Zoo“, einem schönem luftigen Gebäude mit ein etwas Industriecharakter, gibt es das Dessert. Süßes ist nicht so meine Welt, doch „Hemelse Modder“ aus Schokoladen-Mousse mit Mandel-Crunch, Schokolade-Stückchen und flüssiger weißer Schokolade, also der „Himmlische Schlamm“, war doch sehr lecker. Draußen kann man auch sitzen, aber jetzt ist kein Sommer und dunkel dazu.

Also ein paar Schritte weiter in ein Gebäude, zu „Micropia“, dem ersten und einzigen Museum für Mikrobiologie, das die unsichtbare Welt der Mikroorganismen zeigt. Mehr als nur Museum, ist es eine Plattform, eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Publikum. Es bietet die wirklich faszinierende Gelegenheit, die unsichtbare Welt der Mikroorganismen, also eine völlig unbekannte Welt, sehr anschaulich zu entdecken. 171 Billionen Mikroben trage ich gerade mit mir herum, sagt jedenfalls der Körperscanner im „Micropia“, kein Wunder, das ich den kurzen Weg durch den nächtlichen Zoo kaum laufen kann. Zu essen gibt es hier nichts, nach diversen Blicken durch Mikroskope und Ähnliches habe ich jetzt auch keinen Appetit mehr. Nach einem kurzen Spaziergang durch den nächtliche Zoo erreichen wir das letzte Ziel des „Walking Dinners“.

Und siehe da, ich kann doch schon wieder etwas zu mir nehmen, denn wir sind in einer typisch holländischen Kneipe namens „Eik & Linde“ für einen Absacker gelandet. Meine Mikroorganismen müssen sich jetzt mit einem süffigen „Texel-Bier“ und einem „Genever“ auseinandersetzen. Die Bedienung bringt ganz automatisch Teller mit sauren Gurken, Senf, Mayonnaise und „Bitterballen“. Das sind grob panierte und frittierte Fleischkroketten, auch mit Käsefüllung, -immer mit einem Durchmesser von 3 cm-, außen knusprig und innen heiß. Sehr beliebt zu alkoholischen Getränken „Bittergarnituur“, aber auch gefährlich, man kann gar nicht aufhören, immer wieder zuzulangen.

Es wird spät und das Taxi bringt mich zurück zum „Amstel“, kaum Gelegenheit meine schöne Suite richtig zu genießen. Aus der reichlich mit feinen Getränken bestückten, natürlich zum Raum gehörenden, Bar gehe ich mit einem edlen Malz-Whiskey zu Bett.
Und wache auch gleich wieder auf, tatsächlich, die Nacht ging so schnell vorbei und das Frühstück in der Lounge will ich nicht verpassen. Da fehlt es an nichts, distinguierte Opulenz, die Aussicht ist schön, am Nachbartisch sitzt der Sänger Don McLean (Riesenhit 1972: „American Pie“), der Tag fängt gut an. Draußen wartet das Taxi und bringt mich nach Amsterdam West. Da soll ich einen Kaffee bekommen.

Schon von Weitem riecht man den, Leute stehen Schlange vor dem Laden und ich gehe hinunter in einen kleinen Raum in der Klinkerstraat 112 bei „Lot Sixty One“. Wer schon immer mal in kurzer Zeit eine Ausbildung zum „Barista“ bekommen wollte, ist hier genau richtig. Adam Craig und seine Mitarbeiter, alles ausgewiesene Kaffee-Experten, erklären Sorten, Röstungen, Geschmacksrichtungen und unendlich viel mehr Tipps und Tricks. Diverse Maschinen zum Rösten, Abfüllen und Zubereiten von vielen verschiedenen Kaffeegetränken stehen zwischen großen Säcken mit Kaffeesorten aus aller Welt. Ich probiere mich durchs Sortiment und bekomme zum Schluss einen derartig heftigen Espresso der mich fast umhaut, aber lecker, so muss er sein. Etwas Besonderes nehme ich mit nach Hause, eine Flasche Kaffee-Bier.

In der Katestraat schlendere ich über einen typischen Wochenmarkt, bestaune das vielfältige Angebot aus aller Welt und gehe dann in „De Hallen“, ein ehemaliges Straßenbahndepot am Bellamyplein. Da gibt es ein Kino, Hotel, Bücherei, Restaurants, Kultureinrichtungen, sowie viele Geschäfte und Design-Shops. Die bieten alles Mögliche an, natürlich auch Fahrräder. Langsam ist es wieder Mittag geworden, Zeit etwas für den Magen zu tun. Mittendrin sind seit 2014 die „Foodhallen“. Dutzende Stände bieten in rustikalem Ambiente in verschwenderischer Auswahl Essen und Getränke aus aller Welt an. Alles wird vor den Augen der Gäste frisch zubereitet, das dauert manchmal etwas, bietet aber Gelegenheit, weiter die Angebote zu studieren. Ganz prosaisch entscheide ich mich für dicke Fritten, saure Gurken, Ketchup, Zitrone, Remoulade, Mayonnaise und einem knusprig gebratenen Fisch, einfach, aber lecker. Ohne diverse Bitterballen, Sushi und Broodjes geht das aber nicht, meinen die holländischen Damen, bald ähnelt der Tisch einem gut gefüllten Buffet. Vom Obst-Stand, ein paar Meter weiter, hole ich mir dazu einen frisch gemixten Saft aus angefrorenen tropischen Früchten, Vitamine sind immer gut und schmecken. Am Hintereingang warten schon wieder Taxis und bringen uns zur Polonceaukade 20 in der Nähe vom „Centrale Markt“, da gibt es eine besondere Schokolade.

„Tony´s Chocolonely“ ist nicht nur einfach eine Firma die diverse Sorten Schokolade herstellt, da steckt eine ganz eigene Philosophie dahinter. Und die erklärt, ganz leger und fröhlich, der Chef Teun van de Keuken persönlich. Seine Vision ist eine 100% Sklaven-freie Schokolade überall in der Welt, also keine Kinderarbeit, kein kriminelles Ausnutzen, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Geld für die Farmer etc. Seit 2005 kämpfen sie dafür und produzieren deshalb ihre Schokolade nach menschlicheren Regeln. Dass das geht, zeigt der stark steigende Umsatz der knallbunten Schoko-Tafeln, die auch noch hervorragend schmecken, die breite Variation der Proben war jedenfalls ganz schnell weggefuttert.

Letzte Station am Nachmittag ist „The Culinaire Werkplaats“ in der Fannius Scholtenstraat 10, ein Platz für höchst interessante und ungewöhnliche Experimente im Nahrungsmittelbereich. Das Design-Studio für Essen und Trinken von Marjolein Wintjes und Eric Meursing sucht und präsentiert neue Konzepte, ungewöhnliche Geschmacksvariationen, sie finden andere Präsentationsformen, experimentieren mit der Vereinbarkeit eigentlich gegensätzlicher Dinge und scheuen dabei nicht starke Kontraste. Besonderer Wert bei den Essensexperimenten wird auf fairen Handel, Umweltverträglichkeit, Bioprodukte und Nachhaltigkeit gelegt. Bei all den Inspirationen steht natürlich auch die Suche nach dem guten Geschmack im Vordergrund. Das probiere ich gleich aus und bekomme einen Teller mit gedämpften Artischocken, umgeben von Heu-Fäden mit Kürbiskernöl, dazu flaches Brot aus Kartoffeln und Weizen, richtig lecker. Am Präsentationstisch wird gewerkelt, auf weißen Steinen sammeln sich Rollen aus Kürbis und Sushi-Reis mit Gurken, Bällchen aus weißen Bohnen mit Gewürzen und Blüten, umgeben von allerlei Kräutern, Salaten, Sprossern und anderen Zutaten. Ein wunderschönes Bild, alles essbar, außer den Steinen, zum Teil recht ungewöhnlich im Geschmack, hervorragend. Einige Tage in der Woche öffnet das Studio sich dem Publikum und man kann die Experimente essen und trinken. Ich diskutiere noch lange mit Eric, aber irgendwann bringt mich dann das Taxi zurück zum Hotel.
Vor dem „Amstel“ sind jede Menge Fans, alle wegen mir? Nein, natürlich nicht, der Sänger Robbie Williams ist im Haus. Komisch, vor einigen Monaten in einem Hotel in Sofia saß auch genau der beim Frühstück am Nachbartisch. Ich genieße noch einige Zeit Leben und Flair in der Lobby und dann bringt mich ein Taxi zu Amsterdam Centraal. Bis demnächst, wieder in Amsterdam!
Mehr Informationen bei: www.iamsterdam.com

Die Recherche wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von: amsterdam marketing.
Autor: Wolfgang Grüner



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